Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Das Jüdische Echo Nr. 4 hätten sich zurückgezogen, wenn in der Zwischenzeit bis jetzt eine Änderung in dieser Hinsicht eingctrelen wäre. Der Aufgabenkreis des C.-V. verbietet diesem selbstverständlich eine ausdrückliche Empfehlung des Keren Hajessod von Vereins wegen. Anderseits besteht aber kein Anlaß, vor dem ncutra- 1 e n Aufbau Palästinas zu warnen, den der Keren Hajessod bezweckt. Im Gegenteil, die herrlichen Worte des allgemein verehrten Hauptvorstandsmitglieds des C.-V., des gegenwärtigen Großpräsidenten des deutschen Distrikts des U. O. B. B.-Ordens, des Herrn Rabbiners Dr. Baeek, über den Keren Hajessod müssen unser Wegweiser sein: „Für uns ist Palästina kein Problem mehr, sondern eine Tatsache, die Gott vor uns hingestelll hat. In der Geschichte kommt es immer darauf an, die Tatsachen zu erkennen, zu sehen, was ist. Was sein wird, können wir nicht wissen. Wir können nicht wissen, was in Palästina sein wird. Darum gibt es für uns nur ein „Ja“, das „Ja“ der Pflicht als Antwort auf die Frage, die Palästina heute an uns richtet.“ Welcher Jude könnte anders reden, der sich der Bedeutung der Worte bewußt ist: „Ki mizijon teze torah ud’war haschem miruschalajim?“ * * * Die vorstehenden Ausführungen haben, wie bereits aus der Vorbemerkung ersichtlich ist. in der Redaktion der C.-V.-Zeitung keinen Gefallen gefunden. In dem mir zugegangenen ablehnenden Bescheid belehrt man mich darüber, daß die Stellungnahme zum Keren Hajessod durch Haupt Vorstand und Hauptversammlung gebilligt ist, wie es in der Zeitung bereits gesagt war, und meine Ausführungen fehlgehen. Es heißt ferner in dem Schreiben, daß es „jederzeit zeugenschaftlich nachgewiesen werden kann, daß Fugen Fuchs ein Gegner des Keren Hajessod gewesen ist und es mehrfach abgelehnt hat, in die sogenannten Keren-Ha jessod- Komitees einzutreten“, daß „im Vorstand des C.-V. ciie Überzeugung herrsche, daß zwar die Sammlung der Mittel für (len Keren Hajessod neutral, die Verwendung aber nur in nationalem Sinne möglich ist“, daß ..auch von zionistischer Seite nicht he stritten wird, daß die gesammelten Mittel des Keren Hajesod zu einem nationalen Aufbau Palästinas verwendet werden“. Nur weniges möchte ich hierauf erwidern: 1. In meinem Artikel habe ich einwandfrei nachgewiesen, daß eine Stellungnahme zum Keren Hajessod gar nicht erfolgt ist. Die erneute unrichtige Behauptung von seiten der Schriftleitung der G.-V.-Z. erschüttert meinen N a c h w e i s nicht. 2. Ich hin gleichfalls bereit, zeugenschaftlich nachzuweisen, daß Fugen Fuchs’ Stellungnahme zum Keren Hajessod n i c h t so war, wie es die Schriftleitung dartun will. Ich gehe noch weiter. In dem Protokoll einer Hauptvorstandssitzung, das, wenn ich nicht irre, von Herrn Justizrat Brodnilz oder Herrn Dr. Holländer unterzeichnet ist, ist ausdrücklich niedergelegt, daß Eugen Fuchs eine Aufforderung zum Eintritt in das erste Iveren- Hajessod-Komitee nicht rundweg abgelehnt, sondern den Eintritt von der Zustimmung des G.-V.-Vorstandes abhängig gemacht hat. Wäre er ein Gegner des Keren Hajessod gewesen, dann hätte er nicht erst auf einen Vorstandsbeschluß gewartet, sondern von vornherein „Nein“ gesagt. 3. Auf die Überzeugung des Vorstands, daß die Verwendung der Gelder nur in nationalem Sinne möglich sei, kommt es nicht an, zumal wenn sich diese Überzeugung auf Notizen gründet, wie eine kürzlich im „C.-V.-Dienst“ veröffentlichte, deren Unrichtigkeit in der vergangenen Woche in aller Öffentlichkeit nachgewiesen worden ist. Wenn bei Äußerungen des G.-V. von „nationalem Aufbau“, „nationaler Verwendung der Gelder“ die Rede ist, soll das stets auf zionistische Partei zwecke hinweisen. Die Gelder des Keren Hajessod fließen weder ganz noch teilweise in irgendeine zionistische Parteikasse, sondern werden ausschließlich für den s a c h 1 i c h e n Aufbau Palästinas verwendet. Dieser sachliche, neutrale Aufbau ist in gewissem Sinne selbstverständlich ein nationaler. Das wird nicht nur von zionistischer Seite nicht bestritten, sondern bestreitet auch der Keren Hajessod nicht. Sollen die Juden in Palästina etwa — „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“ sein? Sie bilden dort, wie z. B. in der Tschechoslowakei und der Krim (deren Besiedlung durch den G.-V. ja propagiert wird!), eine nationale Minorität. Nach alledem wäre es vielleicht besser gewesen, wenn die C.-V.-Zeitung ihre Ablehnung nicht näher begründet hätte. Wer den wahren Grund noch nicht gekannt hat, hat ihn spätestens durch die Artikel von Herrn Dr. Wiener und Herrn Rabbiner Dr. Jacob in der G.-V.-Zeitung vom 8. und 15. Januar erfahren. Meinungsäußerungen von Mitgliedern des C.-V„ die sich nicht mit der Ansicht der Schriftleitung decken, werden einfach unterdrückt. Man nennt das womöglich noch Demokratie, Denkfreiheit, Meinungsfreiheit. Auf die Schriftleitung fällt jedenfalls die Schuld, wenn anders eingestellte Mitglieder auf diese Weise gezwungen werden, ihre Ansicht in einem anderen als ihrem eigenen Vereinsorgan kundzugeben. Neues aus Fürth Der Hebräische Sprachverein Chowewe-Iwrith,. der sich die Pflege der hebräischen Sprache in Nürnberg und Fürth zur Aufgabe gemacht hat, zwei Lehrer beschäftigt und etwa 100 Schülern von Nürnberg und Fürth hebräischen Unterricht erteilt, hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Schüler sind zum großen Teil Jugendliche, die auch niedrige Schulgelder nicht bezahlen können; die Ausgaben des Vereins sind hoch. Fs entstand daher ein erhebliches Defizit, das sich noch vergrößern muß, wenn der Verein seine Arbeit in dem bisherigen Umfang weiterführl. In dieser Notlage wandte sich der Verein an die Israelitischen. Kultusgemeinden in Nürnberg und Fürth sowie an die beiden Logen mit der Bitte um die Gewährung von Subventionen, die es ihm ermöglichen sollten, seinem Ziel weiter nachzuslreben und den Unterrichtsbetrieb aufrecht zu erhalten. Der Verein, dem die Israelitische Kullusgemeinde Nürnberg schon seil seinem Bestehen ein Schullokal zur Verfügung gestellt halte, fand auch in dieser Beziehung Verständnis für seine Sache bei der Nürnberger Kultusgemeinden und den Logen und bekommt nun monatliche Zuschüsse; die Kultusgemeinde Fürth hat es dagegen nicht für nötig gehalten, helfend einzugreifen. Man war schon Ende 1924 an sie herangetreten; auch damals war man abschlägig beschieden worden. Im Dezember 1925 jedoch hatte der Vorstand des Vereins schon mit einem Mitglied der Verwaltung der Kultusgemeinde Fürth verhandelt, bevor das Gesuch abgegangen war' und die Subvention war in sichere Aussischt gestellt worden. Der endgültige Bescheid aber lautete wieder verneinend, — die Kultusgemeinde sehe sich außerstande, eine Subvention zu gewähren. Es hätte sich hierbei um einen Betrag von M. 20.— bis M.. 30.— im Monat gehandelt.