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Das jüdische Echo · 1925-12-22 · 52 (22.12.1925) · p. Seite 971

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
52 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 971 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 971 des Landbundes bei Androhung hoher Konventionalstrafen verpflichten, den Handel mit jüdischen landwirtschaftlichen Firmen zu unterlassen. Dieses Verbot besteht zwar auch heute noch, kann aber, infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs des Landbundes, nicht mehr eingehalten werden. Die Landwirte brauchen Geld, Kredite, Vorschußzahlungen auf die Ernte. Vom Landbund können sie nichts bekommen. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als ihre alten Handelsbeziehungen wieder aufzunehmen. — Wenn das Wasser am Hals steht, klammern sich diese mustergültigen Patrioten sogar an jüdische Strohhalme.“ Die Ungarn in Transsylvanien gegen Cuzas Antisemitismus Bei einer Tagung von Vertretern des Ungartums in Sieberbürgen erklärte der Präsident der Ungarischen Volkspartei, Stefan Ugron, das Ungartum in Rumänien müsse sich mit aller Entschiedenheit gegen die Wühlarbeit des rumänischen Agitators Cuza wenden, der, im Regierungssolde stehend, nur das Ziel verfolgt, die endlich zustande gekommene Einigung der verschiedenen Fraktionen in Siebenbürgen wiederum zu gefährden. Ugron erklärte, er betrachte den Antisemitismus als einen Anachronismus, dem jede moralische und ethische Basis fehlt. Die heutige Generation habe nach dem Unglück des Weltkrieges nur eine Pflicht: die Saat der Zwietracht auszumerzen. Im Juden sehe ich nichts anderes als einen Menschen. Ich habe unter den Ungarn Siebenbürgens jüdischer Konfession außerordentlich viele wertvolle Elemente gefunden.“ 25jähriges Dienstjjubiläum des Geschäftsführers der Jüdischen Kolonialbank Aus Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums des Geschäftsführers der Jüdischen Kolonialbank (Jewish Colonial Trust), Herrn William Wolf, gaben die Direktoren der Bank ein Festbankett, dem 120 Gäste beiwohnten. Den Vorsitz führte Mr. Joseph Cowen, der die Verdienste des Jubilars um das Institut, dem er seit seiner Gründung ununterbrochen angehörte, würdigte. Herr Wolf begann als jüngerer Angestellter und hat sich im Verlauf der Jahre durch treuen, hingebungsvollen Dienst bis zum Geschäftsführer emporgearbeitet. Er und das Institut, beide entwickelten sich nach aufwärts. Es wird für Herrn Wolf ein ehrendes Symbol sein, daß er sein Schicksal mit dem des ersten Finanzinstitutes der Zionistischen Organisation verknüpft hat. — Herr Wolf erwiderte, Theodor Herzl war es, der ihn zum Eintritt in die Kolonialbank bewogen hat. Seitheit bildet der Dienst in diesem Institut das Hauptinteresse seines Lebens. — Im Namen des Bankpersonals überreichte der Sekretär Herr Costa Herrn Wolf ein Ehrengeschenk. Als letzter sprach der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Ch. Weizmann, der Herrn Wolf dazu beglückwünschte, daß er, der an der Wiege des ersten zionistischen Finanzinstitutes gestanden hatte, durch ein Vierteljahrhundert sein Wachstum begleiten durfte und jetzt die Periode seiner großen Entwicklung tätig miterlebt. Eröffnung des Jiddischen Staatstheaters in Charkow Am 5. Dezember wurde in Charkow das staatliche jiddische Theater in Anwesenheit der Staatsbehörden und Abordnungen jüdischer Kulturfunktionäre feierlich eröffnet. Man gab die Komödie „Purim-Spieler“. In der nächsten Woche findet die Premiere des revolutionären Dramas ,.Im Brennen“ statt. Der Kardinal-Erzbischof von Paris gegen den Rassenhaß Kardinal Louis Dubois, der Erzbischof von Paris, hat folgende Erklärung abgegeben: „Der Rassenantisemitismus ist dem französischen Volke wesensfremd. Seit Kriegsende wurden freilich auch in Frankreich wiederholt Versuche unternommen, für den sogenannten Rassenkampf Stimmung zu machen, sie fanden jedoch weder in Paris noch in der französischen Provinz geeigneten Boden und sind letzten Endes an dem gesunden Urteilsvermögen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gescheitert. Die Religion darf nicht eine Trennungswand zwischen Mensch und Mensch, Volk und Volk sein; sie sei vielmehr das weltumspannende, methaphysische Band, das Menschenmillionen im Zeichen des Friedens vereinigt. Wer Christentum als Schlachtruf deutet, hat den Sinn des Glaubens nicht begriffen, mißbraucht die Religion und übt kein gottgefälliges Werk.“ Literarisches Echo „Herr Fettwanst“ führt ins Ghetto Neuyorks; er erzählt nüchtern und sicher, ohne sieh zu schonen oder zu schämen, wie er es vom Eastside-Gassenjungen zum Richter des Obersten Kriminalgeriehls gebracht hat. Dieser Weg geht durch Glieder, Massenquartier' und Tanzspelunke; durch Erpressung, Bestechung, Korruption; durch ein Gewimmel jüdischen Proletariats, das von anderen Juden, den „deutschen“, die schon zu Geld gekommen sind, den Allrightniks, in der Wildnis der Sweatshops, der Sehneidersehwitzhuden, zu Schwindsucht und zu Tod gequetscht wird; durch ein Gewimmel von Zuhältern und Schleppern, Taschendieben und Winkeladvokaten; durch ein Gewimmel von Juden, die alle unsympathisch sind — und dennoch: das Buch ist ein jüdisches und berührt aufs tiefste. Dieses Milieu, in dem der elektrische Stuhl stellt und der Klubfauteuil des Arrivierten, der schon Fett angesetzt hat, ist der Schauplatz jüdischen Schicksals, jüdischer Tragik; einer Kraft, die trotz aller Verkleidungen, all der widerwärtigsten Lumpen, an denen der Abhub aller Gossen klebt, doch dieselbe Kraft ist, auf die wir stolz sind. Unter diesen verlotterten Burschen, die als Kinder Kartoffeln stehlen, da sie hungern; die später Taschendiebslahl üben und vor nichts zurückschrecken, gibt es welche, die das alles milmachen, die in niedrigsten Kneipen als Sänger und Tänzer auf treten, um Jus und Medizin studieren zu können, die im Dunkel das Licht suchen und schließlich zur Dämmerung kommen, dorthin, wo sie die nächste Generation, die freiere und reinere, zu tragen vermögen. — ,,Herr F e t t w a n s t“ ist das imsentimentalste Buch, das man sich vorstelle.ii kann, und deshalb von slärster Wirkung. Der Verfasser, S a m u e 1 O r n i t z , hat es ursprünglich anonym erscheinen lassen. Die deutsche Übersetzung, die der Kurt-WollY-Verlag herausgebracht hat (geh. M. 6.50), rührt von Erich Posselt her und ist geschmackvoll und flüssig. J. Gemeinden-u.Vereins-Echo Israelitisches Schwesternheini in München. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung der Bedeutung des Instituts gestaltete sich die Feier des 25 jährigen Bestehens des Heinis am 16. Dezember 1925 (30. Kislew). Nach kurzen Worten des B.-A. J.-Rats Leo Oppenheimer, der die Feier leitete, einem Vorspiel des „Haiisorchesters“ (Frl. Henny Feuchtwanger, Mariechen Oppenheimer, und Justizral Dr. Mayer 11.

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