Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 52 (22.12.1925)
- Date
- 1925-12-22
- Page
- Seite 969 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9156106--07368-9080096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 52 969 Das Jüdische Echo Hebung und Erhaltung aller Wohlfahrtseinrichlungen der Hochschule und ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession verwendet werden. Ganz im geheimen beschloß aber das Professorenkollegium, diese Summe dem auf arischer Grundlage stehenden Deutschen Techniker-Unterstützungsverein und der Deutschen Mensa academica zu überweisen und damit die jüdischen Hörer — 22,2 Prozent der Gesamlhörerschaft — aber auch alle nichlvölkischen Studenten zu übergehen. Einstimmig und unter großem Beifall der Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Übergehung der jüdischen Hörerschaft schärfstem protestiert und Präsident Masarvk ersucht wird, eine Revision des Beschlusses des Professorenkollegiums zu veranlassen. Der Versammlung wohnten der Prorektor Ing. J. Fürstenau bei. 25jähriges Arbeitsjubiläum von Prof. Michael Auerbach. In Moskau werden gegenwärtig große Vorbereitungen zur Feier der 25jährigen Arbeitstätigkeit von Prof. Michael Auerbach, des hervorragenden Augenklinikers, getroffen. Vor 25 Jahren begründete Prof. Auerbach in Moskau die Augenklinik, die als die berühmteste in Rußland und, wie man glaubt, in der Welt anzusehen ist. Prof. Auerbach leitet bis auf den heutigen Tag diese Klinik, die jährlich von einer Viertelmillion Patienten besucht wird. Prof. Auerbach hat sich auch auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge für die Juden hervorragend beteiligt. Alle Universitäten Rußlands rüsten zu der Feier seines Arbeitsjubiläums. Premierminister Skrzyuski bietet einem Juden das Finanzportefeuille an ,,Kurjer Lwowski“ bringt eine Mitteilung von informierter Seite, wonach Premierminister, Graf Skrzynsky, dem Senator Raphael Schereschewski, einem Mitglied des Klubs der jüdischen Deputierten und Senatoren, das jetzt in Polen wichtigste Portefeuille des Finanzministers angeboten hat. Senator Schereschewski hätte aber, da er an die Politik des jüdischen Parlamentsklubs sich gebunden fühlt, das Angebot bisher nicht annehmen können. Senator Schereschewski, ein führender Bankier, gilt 'als erste Autorität in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Er wurde auf der Liste des Minorilätenblocks als einer der Kandidaten des Vereins der jüdischen Kaufleute in den Senat gewählt. Rapallo, Locarno und der Mord an Rathenau vor dem Reichstag. Im Verlauf der Beratung über den Handelsvertrag mit Rußland vor dem Reichstag stimmte der völkische Abgeordnete Graf Reventlow dem Abkommen zu, behauptete aber, daß der Vertrag von Locarno sich gegen Rußland richte und also den Rapallo-Vertrag verletze. Abgeordneter Dr. Wirtli (Zentrum), der eben aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrte ehemalige Reichskanzler, gab seinem Erstaunen darüber Aus- Te^tilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.'G. München / Frankfurt / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 F5auptgeschäftDachauerstr.9.lllustr. Katalog gratis u.franko druck, welche Wandlungen die Reaktionären gegenüber dem Osten durchgemacht haben. „Wir haben ja doch an der Wiege der Rapallo-Politik gestanden“, setzte Dr. Wirth fort: „nach Rapallo hat ein Abgeordneter dieses Hauses, der Major Henning, in einer Zeitung geschrieben: Kaum war die Ehre Deutschlands in den Händen dieses Mannes in Rapallo, — und er sprach von Rathenau — so war die Ehre Deutschlands verloren und verraten! Heute stellt sich Graf Reventlow hierher und verteidigt die Politik Rathenaus, die noch vor wenigen Jahren die Leute, die hinter Ihnen (zu den Völkischen) stehen, verurteilt haben. Diese Hetze hat damals zur Ermordung Rathenaus geführt.“ (Henning und seine Fraktionskollegen rufen: „Gott der Gerechte!“) Dr. Wirth fortfahrend: „Sie wissen doch ganz genau, daß Blut an Ihren Fingern klebt.“ Henning erklärte in der Mittwochsitzung, er würde den von Wirth zitierten Artikel über Rathenau heute genau so schreiben wie damals, aber hinzufügen, daß die Ehre des deutschen Volkes in den Händen des Nichtjuden Wirth ebenso schlecht aufgehoben war, wie in denen des Juden Rathenau. Die Worte Hennings riefen auf Seiten der Linken große Unruhe hervor. Eintritt Arthur Dinters in die thüringische Regierung? Die Völkischen, die in Thüringen seit langem die deutschnationale Regierung beeinflussen, erstreben, wie aus Weimar telegraphiert wird, eine direkte Beteiligung an der Regierung. Dr. Dinter gilt als ernstlicher Kandidat. Verbot des internationalen antisemitischen Kongresses. Ein Telegramm aus Budapest besagt, die rumänische Regierung habe die Abhaltung eines internationalen antisemitischen Kongresses in Oradea- Mare (Großwardein), Siebenbürgen, verboten und den ungarischen Delegierten, die zum Kongreß kommen wollten, das Einreisevisum verweigert. Der Opfersinn jüdischer Schülerinnen. Unter der Überschrift „Antisemitismus“ berichtet Erich Leopold in Nr. 48 der Zeitschrift „Die Weltbühne“ das folgende Erlebnis: „Ich kenne eine evangelische Oberlehrerin an einer höheren Mädchenschule im Westen Berlins. Die erzählte: „Seit etwa einem Jahr ist in unserer Schule eingeführt, daß die Mädchen für eine benachbarte Gemeindeschule Frühstück sammeln. Die Frühstücksportionen werden morgens beim Schuldiener eingeliefert und von einem Kind der Gemeindeschule zu bestimmter Zeit abgeholt. Es wurden im Durchschnitt täglich 30—40 Portionen gezählt. Am jüdischen Feiertag stellte sich heraus, daß beim Schuldiener nur ein einziges Frühstück, nämlich das meine, abgegeben war. Ich befragte meine Schülerinnen, warum heute weiter kein Frühstück abgeliefert sei, und erhielt die einstimmige Antwort: „Dafür sorgen doch immer die jüdischen Schülerinnen.“ Diese jüdischen Schülerinnen bilden den dritten Teil der Schule und sind von den anderen zwei Dritteln gemieden.“ „Hadassah“ sorgt für syrische Flüchtlinge. Die medizinische Frauenorganisation „Hadassah“, die das Gesundheitswesen der zionistischen Organisation in Palästina verwaltet, hat ihr Personal in Nordpalästina dahin instruiert, daß allen aus Syrien nach Palästina herüberkommenden Kriegsflüchtlingen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses medizinische Hilfe zuteil werden soll.