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Das jüdische Echo · 1925-12-22 · 52 (22.12.1925) · p. Seite 968

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
52 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 968 (sequence 8)
Language
German
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968 Das Jüdische Echo Nr. 52 Palästinisches Frühgemüse in Europa Wie wir erfahren, wird zum ersten Male in diesem Winter eine Probesendung von Frühgemüse aus Palästina nach Europa versandt werden, und zwar 50 Tonnen Blumenkohl, die am 1. Januar 1926 von Haifa aus nach Konstanza verfrachtet werden sollen. Es handelt sich um ein erlesenes Erzeugnis, das bei den dortigen klimatischen Verhältnissen in ganz hervorragender Weise gedeiht und das durch alle verpackungstechnischen Vorsichtsmaßnahmen vor dem Verderb während des Transportes, der bis Berlin übrigens etwa 6—7 Tage dauern würde, bewahrt wird. Bereits im vorigen Jahre wurde seitens des Handels-Departements der Zionistischen Exekutive in Jerusalem zu Versuchszwecken eine Probesendung von Frühgemüse nach London unternommen. Das Resultat ergab, daß die Waren trotz absichtlich in die Länge gezogenen 12tägigen Transportes und mehrfacher Umladung in gutem Zustande eintrafen. Der Preis wird sich cif Konstanza auf 234 Piaster RM. —.50 pro Kilo stellen, so daß die Ware angesichts der billigen Bahnfahrt von dort bis Berlin dem Preise nach durchaus konkurrenzfähig sein wird. Es handelt sich in dieser Saison nur um eine Probeladung, der von der nächsten Saison ab regelmäßig größere Sendungen folgen sollen. Allen Interessenten erteilt die Wirtschafts- Abteilung des Palästinaamtes, Berlin W 15, Meinekestraße 10, Gh., pt„ Auskunft. Aus der jüdischen Welt Steiger freigesprochen. Die Hauptfragen von den Geschwornen mit acht gegen vier Stimmen verneint. Lemberg. 17. Dezember. Fm 4 Uhr nachmittags wurde das Verdikt der Geschwornen verlesen. Die zwei Hauptfragen wurden mit 8 gegen 4 Stimmen verneint. Damit entfiel die dritte Zusatzfrage. Die erste Hauptfrage batte gelautet: Ist der Angeklagte Steiger schuldig, daß er am 5. September 1924 in Lemberg in der Absicht eines Mordes gegen die Person des Präsidenten der Republik Wojezieehowski eint1 Bombe respektive eine Petarde geschleudert hat, also in einer bösen Absicht eine Tal vollzogen hat. welche das Verbrechen des Mordes zum Zwecke batte? Die zweite Hauptfrage: Ist der Angeklagte Steiger schuldig, daß er am 5. September 1924, als er gegen den Präsidenten der Republik eine Bombe respektive eine Petarde schleuderte, daß er absichtlich die Sprengmaterialien benützt bat, um auf diese Weise das Leben, die Gesundheit sowie das Eigentum der in der Umgebung befindlichen Personen einer Gefahr auszusetzen? Auf Grund des Wahrspruches erfolgte der Freispruch des Angeklagten. Der Gerichtssaal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Auch vor dem Gerichtsgebäude batte sich eine ungeheuere Menschenmenge angesammelt. Die Erregung war unbeschreiblich. Zur Aufrechlerhaltung der Ordnung war die gesamte Polizeimannschaft Lembergs herangezogen worden. Steiger wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Eine vieltausendköpfige Menge bereitete ihm, den Geschwornen und den Verteidigern rauschende Ovationen. Stanislaus Steiger ist freigesprochen. In die ganze Well trägt der Draht die Nachricht hinaus, daß an dem Rechtlichkeilssinn der Lemberger Geschwornen eine der unheimlichsten Intrigen zerschellt ist die antijüdischer Haß je ersonnen hat. In der ganzen jüdischen Well begrüßt man diesen Wahrspruch mit dem Gefühl des heißesten Dankes an den Mann, der ein unsagbares Martyrium auf sich genommen hat und der tapfer und standhaft alle Qual einer dreizehn Monate währenden Haft ertragen hat. Er ist in das so unsäglich lange Register der Menschen eingeschrieben, die leiden mußten, weil sie Juden waren. Steiger wird seiner Familie wiedergegeben und die Freude, die sie empfindet, trägt mit ihr die jüdische Gesamtheit. Sie hofft, daß diese Episode abgeschlossen ist. Das Verdikt ist ein Ehrenzeichen für das polnische Volk. Die merkwürdigsten Geschehnisse waren im Verlaufe der Untersuchung und noch mehr des Prozesses zu verzeichnen; Äußerungen einer hysterisch aufgepeitschlen Phantasie, Tratsch aus Hintersluben und aus Klosterzellen, falsche Protokolle, Drohbriefe, Bestechungsgeschichten und Einschüchterungen — das alles zog zehn Wochen lang an Richtern und Geschwornen vorbei, mit höllischem Raffinement zu einer Anklage zusammengebraut, an der nicht ein einziges Wort wahr blieb, in der nicht eine einzige Behauptung aufrechterhalten werden konnte. Selten noch ist die totale Amoral des Judenhasses so grell und so rasch in das Scheinwerferlicht der Wahrheit geraten, selten noch ist ein Wahrheitsbeweis so gründlich mißlungen wie in diesem Prozeß, der als Fall Lukomski in die Sammlung Pitaval eingeht. Denn die untersuchende Behörde verläßt gerichtet den Saal, diese Behörde, deren Organe ihr Möglichstes taten, die Wahrheit zu verdunkeln, die Zeugen herbeischleppten, deren Beeinflussung sich sofort ergab. Da ist einer, der den wehrlosen Häftling mit der Faust ins Gesicht schlägt; neben ihm einer, der sein erlogenes Material in die Stube der Kanaillenpresse trägt: einer, der das Verhörprolokoll fälscht und Dinge hineinschreibt, die er nie vernommen hat. Und da ist schließlich der Staatsanwalt, der sich kühl über das unter Eid abgelegte Geständnis des wahren Täters hinwegsetzt und ihm die Beweiskraft mit der durch nichts gestützten Behauptung abspricht, es sei mit dem Geld amerikanischer Juden erkauft worden. Die Infamie dieser Gesinnung wird nur noch von der Naivität der Konzeption übertroffen. All dies ist in nichts zerflossen dank der unbeirrbaren Sicherheit der Männer, die dem Angefallenen zur Seite traten. Sie haben das Attentat zerschlagen, das auf die Ehre nicht des Angeklagten, sondern der jüdischen Gemeinschaft gemünzt war und aus dem Unglück gebraut werden sollte, das der Wellhetze neuen Stoff zu bringen bestimmt war. Die Hexenküche der unterirdischen Politik, der Hintertreppen und der Geheimgesellschaften, in deren Wirken Ehrt1 und Leben federleicht wiegt, wurde in den Gerichlssaal gebracht. Vogelfrei soll der jüdische Angeklagte sein, den eine stehend getaufte BalletIdame als goltgesandte Reiterin dem Lukomski präsentierte. Vogelfrei mit dem Studenten Steiger das Volk, dem er angehört. Der Spuk ist nun vorbei, hotlenllich für immer. (Wiener Morgenzeilung.) Protestversanimlung der jüdischen Hörerschaft an der Deutschen Technik in Brünn Die jüdische Hörerschaft der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn veranstaltete dieser Tage im großen Hörsaale der Technik eine von mehr als 800 Hörern besuchte Prolestversammlung gegen ein judenfeindliches Verhallen des Lehrkörpers. Anläßlich seines 70. Geburtstages spendete Präsident Mnsaryk der Hochschule eine Million Kronen mit der Verfügung, dieser Betrag möge zur

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