Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-12-22 · 52 (22.12.1925) · p. Seite 967

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
52 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 967 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9156106--07366-9080094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 52 Das Jüdische Echo 967 Da man für diese nicht über angelegte technisch vollkommene Sportplätze verfügt, so wird im allgemeinen irgendein freier Platz oder in den Orlen am Meer der Strand benutzt. Neben diesen Dingen werden von den Schulen besonders im Rahmen der Zofim-Bewegung Wanderungen und Lager veranstaltet. Die Zofim sind eine ursprünglich in Anlehnung an die englischen Scouts entstandene Pfadfinderbewegung, der ein großer Teil der Schuljugend angehört. Sie sind in einzelne Gruppen geteilt, deren jede sich liehen den allgemeinen Aufgaben und Pflichten ein besonderes Gebiet wählt, in dem sich die Mitglieder dieser Gruppe vervollkommnen, wie z. B. Gartenarbeit, erste Ilill'e, Gymnastik, Signalisieren. fm Mittelpunkt der Zofim steht das Leben im Lager, in dem meist ein geeigneter Platz gewählt wird, an dem man im Zell einige Tage oder Wochen lebt. Die Wanderung der Sehlde und der Zofim machen meist eine gründlichere Vorbereitung nötig, als es bei Wanderungen in Deutschland der Fall ist, denn man muß auf viel mehr Zwischenfälle und unerwartete Dinge vorbereitet sein. So ist es z. B. notwendig, daß man sich in dem mitgenommenen Proviant und der Ausrüstung für alle möglichen Zwischenfälle Vorsicht und selbst darauf rechnet, daß man mitunter mehrere Tage mit Proviant und Wasser ausgerüstet sein muß. Einmal im Jahr, zu Pessach, kommt ein großer 'feil der Jugend von Erez Israel zu einer Chagigah in Jerusalem zusammen, die vom Makkabi organisiert ist. Bei dieser Veranstaltung soll, wie man es auch auf anderen Gebieten lut, gezeigt werden, was im Lauf des letzten Jahrs geschaffen wurde. Die neu gewonnenen Erfahrungen werden ausgetauscht und besprochen. Man kann heute festslellen, daß während der letztem Jahre schon eine ziemlich starke- Aufwärtsentwicklung in der körperlichen Erziehung der Jugend von Erez Israel gemacht worden ist. Insbesondere ist es erfreulich, daß jetzt einzelne besonders geeignete Makkabim beginnen, in dieser Aufgabe der körperlichen Erziehung der Jugend ihren Beruf zu sehen und sich in den Ländern, in denen die körperliche Erziehung, ein besonders hohes Niveau hat, vorbereiten. Der Makkabi des Galulh kann, wenn er diese Aufgabe richtig erkennt, viel leisten für unsere Jugend in Erez Israel. Haifa. Dr. Ernst Simon. CAFE FÜRSTENHOF BESITZER: OTTO SEE LAND ER MÜNCHEN N E U H A U S E R S T R A S S E 21 * Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLA UE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT EIGENE KONDITOREI NACHMITTAG UND ABEND KONZERTE Bemerkungen zu Erziehungsproblemen „Der jugendliche Mensch im Entwicklungsalter“ war eines der Themen, das an sechs Abenden in einem Vortragszyklus der Kultusgemeinde eingehend besprochen wurde. Es ist erfreulich, daß der Jugendbewegung in unseren Tagen in den verschiedensten Kreisen so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, wenn auch die bisherigen Erfolge, die man hier erlebt, noch nicht im wünschenswerten Verhältnis zu den Bestrebungen wahrgenommen werden können. Bei den Aussprachen in dem von der Gemeinde veranstalteten Zyklus kamen Vorschläge mannigfachster Art ans Tageslicht; einerseits will man der Jugend die starke Hand zeigen, während anderseits wieder die freie Bewegung der Heranwachsenden Generation empfohlen wird. AVie bei allen Dingen, so dürfte auch hier das Richtige in der Mitte liegen, aber hauptsächlich die Individuelle Seite den Ausschlag geben.. Betrachten wir die Entwicklung unseres Volks seit der Zerstörung des Tempels und Vernichtung unserer Selbständigkeit, so müssen wir uns doch sagen, daß wir, wenn auch der Zahl nach nur ein geringes Häuflein, doch in geistiger Beziehung im Lauf der Jahrhunderte in allen Reihen des menschlichen Denkens und. Fiihlens eine Kraft entwickelt haben, die uns ein glänzendes Zeugnis ansstellt. Wohl hat sich die Verheißung, daß Israels Nachkommen so zahlreich sein werden wie der Sand am Ufer des Meeres und die Sterne am Himmel, nicht dem Wort nach erfüllt, aber die Saat, die von lsra*el ausging, hat herrliche Früchte gezeitigt. Hat man nun in früheren Zeiten auch so viel von Erziehungsproblemen und von Beeinflussung der Jugendbewegung gehört? In den „Sprüchen“ (Kap. 22,, Vers 6) lesen wir: „Erziehe den Knaben nach seiner Weise; auch im Alter wird er nicht davon weichen.“ In diesem Satz liegt der Kern des Problems. Die Richtung, auf die die menschliche Anlage im Kinde liinweist, in ihr findet man bei der Erziehung das Ziel. Nur nichts Widernatürliches im Kinde großziehen wollen; die Natur zeigt doch stets, daß die Erziehung nicht ihre Gebieterin, sondern ihre Dienerin ist. Der erwachende Verstand, das mündig: werdende Herz behauptet sein Recht, seine Selbständigkeit und weist den abweichenden Grundsätzen der Eltern oder Erzieher den Rücken. Ein wichtiger Grundsatz ist aber auch bei der Erziehung die Übereinstimmung der Eltern unter sich. Heute straft ein Vater das Kind wegen einer Lüge; am andern Tag ist das Kind dabei, wie er einen Gast, gegen den er hinter dessen Rücken im Beisein des Kindes die schärfsten Anklagen richtete, auf das freundlichste empfängt usw. Was soll ein Kind darüber denken? Oder wenn Vater und Mutter im Beisein des Kindes die unangenehmsten Streitigkeiten zum Austrag bringen? Eine Hauptsache ist auch die Verbindung zwischen Hans und Schule. Im Hause muß dem .Kinde gegenüber Hochachtung vor Lehrer und Schule gezeigt und nicht durch Herabsetzung ein Zwiespalt im Herzen des Kindes hervorgerufen werden. Man könnte noch viele Dinge aufzählen, die bei der Diskussion nicht berührt oder gern umgangen worden sind; allein auch sie würden nicht viel zur Klärung beitragen. Man lasse das viele Reden über Erziehungsprobleme; man lasse bei Eltern und Lehrer den gesunden Menschenverstand walten, und wir werden sicher ein Geschlecht heranwachsen sehen, das seiner Vorfahren würdig ist. Ivri.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.