Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 932 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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932 Das Jüdische Echo Nr. 50 legt vor dem Gerichtshof das Hemd ah und zeigt die Wunden, die er in der Haft durch die vielen Schläge bekommen habe. Monatelang lag er in den Spitälern von Soroca, Kischinew und Bukarest. Der Zeuge appelliert an das Kriegsgericht, Gerechtigkeit walten zu lassen. Der Zeuge Schmiel Ziegelboim sagte aus, er sei auf das Kommando Morarescus gekommen, um für den verhafteten Katz vorzusprechen. Da habe man ihm gesagt: „Gestern wurden drei, heute vier Flüchtlinge erschossen. Morgen werden es mehr sein.“ Eine große Bewegung im Auditorium ruft die Aussage des Rabbiners Hellmann aus Lublin hervor, der über die Peinigungen, denen er ausgesetzt war, berichtet. Der Rabbiner gab seine ganze Barschaft her, nur so entging er dem Tode. Der Zeuge Theodor Brunghie beschreibt auf Verlangen des Vorsitzenden, wie Morarescu seine Opfer zu mißhandeln pflegte. Die Gefangenen wurden gewöhnlich an Händen und Füßen gebunden und an einen Balken gehängt und dann fürchterlich geschlagen, bis sie das Bewußtsein verloren. Nachdem sie sich erholt hatten, begann die Prozedur von neuem. All dies geschah in Gegenwart Morarescus. Kapitän Budeanu sagte, als Zeuge vernommen, aus, Morarescu habe seinen eigenen Diener getötet, um ihn zu berauben. Er, der Zeuge, habe sich geweigert, diesem Unmenschen die Hand zu reichen. * * * Der Spitalarzt von Zaluceni, Dr. Nicolae Cobjika, sagt als Zeuge aus, er habe im Spital mehrere Leichen von erschossenen Frauen, Kindern und Greisen zur Obduktion erhalten, er wisse nicht anzugeben, wo das. Geld und die Schmuckgegenstände der Erschossenen verschwunden waren. Ein einziges Mal war er selbst dabei, wie Morarescu die Leichen plünderte. Morarescu hat dem Zeugen zu einem gewissen Tag die Einlieferung einer bestimmten Anzahl Leichen versprochen und hat dieses Versprechen auch gehalten. Es waren frische Leichen, so daß das Versprechen des Angeklagten als ein Wechsel auf die Zukunft aufgefaßt werden müsse. Der Zeuge Chirica Causa aus Woronca erzählt, er habe von Morarescu den Auftrag erhalten, jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine herüberzulocken; es wurden ihm 100 Goldrubel pro Kopf versprochen. Als er diesem Geschäft nicht mehr nachgehen wollte, wurden er und sein Sohn von Morarescu verhaftet und grausam gepeinigt. Die Schilderung dieser Peinigungen nimmt einen großen Raum in der Verhandlung ein, ein Gerichtsbeisitzer äußert, die Grausamkeiten der spanischen Inquisition seien nichts gegen diese Niedertracht. Auch der Zeuge Schloime Landau schildert das System der Peinigungen, dem er ausgesetzt war. Zur Unterhaltung der Soldaten mußte der 80jährige — Maximilianstraße 40 \ Manu wie ein Hahn krähen und sich selbst Ohrfeigen versetzen. Es kommen mehrere Entlastungszeugen zum Verhör, so u. a. der Pfarrer Stahie und der General Liscu, die Morarescu in Schutz nahmen, der ihrer Ansicht nach die Dnjestr-Grenze von Eindringlingen gesäubert hat. General Epure sagte in dem gleichen Sinne aus und erging sich insbesondere i,n scharfen antisemitischen Äußerungen, so daß der die Anklage vertretende königliche Kommissar dagegen Verwahrung einlegte, daß der Gerichtssaal durch solche Reden in eine antisemitische Versammlung umgewandelt wird. Der frühere Vorgesetzte Morarescus, Major Mironescu, sagt aus, er habe nie Befehl gegeben, Flüchtlinge zu erschießen. Der Zeuge sagt ferner aus, Morarescu sei strafversetzt worden, als bekannt war, daß er acht herübergekommene Flüchtlinge erschießen ließ. Nachher stellte es sich heraus, daß er mit Schmuggelware handelte, eine Faktura gefälscht und sich gegen das Paßgesetz vergangen hat. — Das Kriegsgericht ordnete die Verhaftung sämtlicher Angeklagten, die sich noch auf freiem Fuße befanden, an. ❖ * Der Militärarzt Dr. Jonescu erzählt, er sei eines Tages in den Sektor des Oberleutnants Morarescu gekommen; dieser habe ihm beim Tee Dinge erzählt, daß ihm die Haare zu Berge standen. Schon bei der ersten Begrüßung sagte Morarescu: „Mir geht es gut, ich morde.“ Hernach prahlte er, daß es ihm gelungen sei, zum Schreckgespenst für die ganze Gegend weit und breit zu werden. Russische Flüchtlinge haben ihm durch seine Agenten 100 000 Lei pro Kopf ari'-''boten, wenn er ihnen gestatten werde, den Dnjestr zu überschreiten. Morarescu gab seine Zusage. Die Flüchtlinge gingen in -die Falle. Als sie im Kahn saßen, wurden sie bis auf den letzten Mann erschossen. Morarescu rühmte sich Jonescu gegenüber, daß er selbst in einem Gebüsch lag und auf die Flüchtlinge feuerte. Es werden dann einige höhere Offiziere vernommen, die angaben, man habe wohl Order gegeben, mit Schmugglern und Einschleichern strenge zu verfahren, allein der Befehl habe nicht gelautet, Flüchtlinge, die sich stellen, zu erschießen. Kapitän Palade erklärt als Zeuge, er habe einmal im Hause der Mutter Morarescus eine Haussuchung vorgenommen, weil gegen den Angeklagten eine Anzeige einlief, daß er einen Raubüberfall in Siebenbürgen verübt und die geraubten Gegenstände bei seiner Mutter versteckt hätte. In der Wohnung wurden kostbare Kleidungsstücke und Schmuck gefunden, die von dem Raube herrührten. Morarescu wurde wegen dieses Raubes auch verurteilt. Der Zeuge Slovaca schildert die näheren Umstände der Ermordung des Itzig Helmann, Der - Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation -