Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 931 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 931 leulnant zu tanzen. an und zwang auch die Juden, deren Leben er geschont halte, zu tanzen. Die Verhandlung wird etwa 10 Tage dauern. Die Fortsetzung des Verhörs mit den mitangeklagten Soldaten deckte weitere grauenerregende Verbrechen des Oberleutnants Morarescu auf. Der Soldat Melinte sagte aus. er glaubte seinem Vaterland zu dienen, wenn er die Befehle seines Vorgesetzten Morarescu ausführe. Dieser habe ihm aber befohlen, alle über die Grenze kommenden Flüchtlinge zu erschießen, und das habe er getan. Das Geld und die Wertsachen, die er bei den Erschossenen fand, habe er Morarescu abgeführt; dieser habe ihm niemals eine Empfangsbestätigung gegeben, auch habe er niemals ein Protokoll aufgesetzt. Oft wurden Flüchtlinge lebend eingebracht, in einen Keller geworfen und dort gepeinigt. — Andere Soldaten gaben an, sie hätten wohl gewußt, daß die von Morarescu erteilten Befehle ungesetzlich seien, sie mußten diese Befehle aber ausführen, da ihnen Morarescu mit schweren Strafen, ja mit dem Erschießen drohte. Oft kam es vor, daß Morarescu über die Grenze gekommene Flüchtlinge, die er unter Versprechungen, sie passieren zu lassen, herübergelockt hatte, in seine Kanzlei einlud, mit ihnen zechte und ihnen alles Geld abnahm. Später übergab er sie den Soldaten mit dem Worte „bereit“ oder „frei“; dies bedeutete für die Soldaten: „Erschießen“. Alle solche Flüchtlinge wurden auch erschossen. Alle Ringe und andere Schmuckgegenstände, die den Toten abgenommen wurden, mußten Morarescu übergeben werden, der niemals ein Protokoll darüber aufsetzte. Der Soldat Motohoi hatte an einem einzigen Tage zwei Männer, zwei Frauen, ein Kind und einen Soldaten auf Befehl Morarescus niedergemacht. Er wurde von Morarescu dafür öffentlich belobt und erhielt zur Belohnung einen Urlaub. Der mitangeklagte Korporal Zaharia erzählt, der Oberleutnant Morarescu habe ihn einmal solange geschlagen, bis ihm das Blut rann, weil er Flüchtlinge lebend zu ihm brachte. Danach sagte Morarescu, es werden in der Nacht vier Flüchtlinge herüberkommen, er habe sie sofort zu erschießen, ln der Nacht kamen wirklich die angekündigten vier Flüchtlinge und Zaharia erschoß sie befehlsgemäß. Zaharia erzählte, Morarescu habe ihm den Auftrag gegeben, einen Friedhof am Dnjestr für die zu tötenden Flüchtlinge anzulegen. Morarescu befahl ausdrücklich, daß auch Frauen und Kinder erschossen werden. Der Soldat Gosa wurde von Morarescu gezwungen, Sterbende zu erschießen. Der Soldat Bolohan sagte aus, er habe im Aufträge des Hauptangeklagten eine Frau und ein Kind erschossen. Dem Angeklagten Zaharia sagte einmal Morarescu, es werden in der Nacht einige „Jidane“ (Juden) den Dnjestr überschreiten; er möge sie lebend in die Kanzlei bringen. Das geschah auch. Morarescu zwang die Juden, mit ihm zu trinken. Bis früh am Morgen mußte getanzt werden, die Juden wurden gezwungen, mitzutanzen. Aber als der Morgen graute, wurden sie erschossen und ihrer Habseligkeiten beraubt. Morarescu selbst hat einem der Opfer, das nur verletzt war, den Gnadenschuß gegeben. Daraufhin sei Morarescu aufs Kommando gegangen und habe dort auf der Zimbel gespielt. * * * Das Verhör mit den mitangeklagten Soldaten, wird fortgesetzt. Der Soldat Basting erzählt, Morarescu habe ihn mit dem Tode bedroht, als er sich weigerte, zwei weinende Flüchtlinge zu erschießen. Er mußte sich fügen. Da einer der Flüchtlinge nur verletzt war, warf er ihn auf Befehl Morarescus ins Wasser. Der Soldat Dobaga erzählt, er habe, als er Flüchtlinge erschoß, zur Belohnung Urlaub erhalten. Der Soldat Radulescu erzählt, auf Befehl Morarescus seien zahlreiche Flüchtlinge erschossen worden, ohne daß eine vorherige Aufforderung zum Stehenbleiben ergangen ist. Die Flüchtlinge waren gewöhnlich Juden. Es wird sodann zur Einvernahme der Zeugen geschritten. Der Postbeamte von Zauceni, Chowastachi Rubriceanu, erzählt, er wisse, daß ein einziger Soldat an einem Tage 8 Juden niedergemacht habe. Erschütternd waren die Aussagen der beiden Kahnführer von Voronca, Fiscota und Mihai, die erzählten, die Flüchtlinge seien in Kähnen, die Morarescu beistellte, herübergebracht worden. Morarescu habe also direkt die Flüchtlinge über die Grenze gelockt, um sie zu ermorden und zu berauben. Oft wurden ganze Transporte von Flüchtlingen bis auf den letzten Mann erschossen. Die Uhren und die übrigen Schmucksachen der Getöteten, ebenso das Bargeld, hat Morarescu an sich genommen. Der königliche Kommissar, der die Anklage vertritt, bittet das Kriegsgericht, festzuhalten, daß die Flüchtlinge immer in eine Falle gelockt wurden. Der Soldat Onufrei erzählt, der Befehl Morarescus habe gelautet, nur jüdische, nicht aber polnische Flüchtlinge zu erschießen. * * * Der gewesene Gendarmeriepostenkommandant von Sanatovca, Grigoriu, sagte vor dem Bukarester Kriegsgericht aus, er habe gesehen, wie zwei Frauen, ein Kind und ein Kahnbesitzer erschossen Besondere Einladungen werden nicht versendet. wurden, die 'Faschen der Getöteten wurden durchsucht und die Vorgefundenen Gegenstände von Morarescu konfisziert. Der Zeuge Kaue Pacu sagte aus, er habe Befehl erhalten, jeden Flüchtling zu erschießen; er pflegte aber immer die Strafen — unbarmherzige Schläge mit Todesdrohungen — vorzuziehen, als den Befehl auszuführen, da die Flüchtlinge immer vor ihm in die*. Knie fielen und um Schonung flehten. Der Kaufmann Seide Katz sagte als Zeuge aus, er habe sich bei Morarescu und den Soldaten durch hohe Summen vom Tode losgekauft. Im Arrest sah er. wie die Häftlinge mit einem nassen Strick geschlagen wurden. Der Zeuse Alle nationaljüdischen Organisationen Münchens veranstaltengemeinsameinegrosse, gut vorbereitete Chanukkafeier! Jeder lese das ausführliche Inserat.