Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 930 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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930 Das Jüdische Echo Nr. 50 Palästinisches Frühgemüse in Europa Wie wir erfahren, wird zum ersten Male in diesem Winter eine Probesendung von Frühgemüse aus Palästina nach Europa versandt werden, und zwar 50 Tonnen Blumenkohl, die am 1. Januar 1926 von Haifa aus nach Konstanza verfrachtet werden sollen. Es handelt sich um ein erlesenes Erzeugnis, das bei den dortigen klimatischen Verhältnissen in ganz hervorragender Weise gedeiht und das durch alle verpackungstechnischen Vorsichtsmaßnahmen vor dem Verderb während des Transportes, der bis Berlin übrigens etwa 6—7 Tage dauern würde, bewahrt wird. Bereits im vorigen Jahre wurde seitens des Handels-Departements der Zionistischen Exekutive in Jerusalem zu Versuchszwecken eine Probesendung von Frühgemüse nach London unternommen. Das Resultat ergab, daß die Waren trotz absichtlich in die Länge gezogenen 12tägigen Transportes und mehrfacher Umladung in gutem Zustande eintrafen. Der Preis wird sich cif Konstanza auf 2L? Piaster — RM. - .50 pro Kilo stellen, so daß die Ware angesichts der billigen Bahnfahrt von dort bis Berlin dem Preise nach durchaus konkurrenzfähig sein wird. Es handelt sich in dieser Saison nur um eine Probeladung, der von der nächsten Saison ab regelmäßig größere Sendungen folgen sollen. Allen Interessenten erteilt die Wirtschafts- Abteilung des Palästinaamtes, Berlin W 15, Meinekestraße 10, Gh„ pt., Auskunft. Aus der jüdischen Welt Der Prozeß gegen Morarescu. Die Bestialitäten eines rumänischen Offiziers. Am 20. November begann vor dem Kriegsgericht des II. Armeekorps zu Bukarest die Verhandlung gegen den Oberlt. Morarescu und 21 ihm untergebene Soldaten, die beschuldigt werden, zahlreiche jüdische Flüchtlinge, die die Dnjestr-Grenze aus der Ukraine nach Rumänien in den Pogromzeiten überschritten hatten, ermordet und ausgeraubt zu haben. Morarescu wird zur Last gelegt, daß er direkt die Flüchtlinge über die Grenze lockte, ihnen durch seine Soldaten sicheres Geleit versprach, und sie dann, als sie auf seinen Ruf herüberkamen, ermordet und ausgeraubl hat. Morarescu wird ferner beschuldigt der Unterschlagung von Staatsgeldern, Annahme von Bestechung, Amtsmißbrauch, Dokumentenfälschung. Ungefähr 90 Zeugen sind geladen. Die Verlesung der Anklage dauerte zweieinhalb Stunden. In derselben werden die von Morarescu organisierten Massenmorde eingehend geschildert. Der Angeklagte beruft sich in seiner Verteidigung auf einen Befehl des 3. Armeekorps in Kischinew, in welchem die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde, daß der damalige Präsident der Sowjetukraine Dr. Rakowsky tausend Russen zu Propagandazwecken und Terrorakten nach Beßarahien dirigiert hat, weshalb er aufgefordert wurde, jede Überschreitung der Grenze durch russische Flüchtlinge mit Waffengewalt zu verhindern. Er leugnet, die erschossenen Flüchtlinge ausgeraubl zu haben. Auf Befragen muß der Angeklagte zugeben, daß er mehrere Flüchtlinge vor der Erschießung fesseln ließ, daß es sich also nicht um Erschießung auf der Flucht handeln könne. Der Königliche Kommissar stellt an den Angeklagten die Frage: „Sie haben ein Kind von anderthalb Jahren in den Armen seiner Mutter erschossen. War auch dieses Kind ein Missionär Rakowskys? Der Angeklagte antwortet konfus: Es war in der Nacht gewesen, er habe nicht gesehen, auf wen er schieße. Es wurden sodann die mitangeklagten 21 Soldaten einvernommen. Alle beriefen sich auf den strikten Befehl Morarescus, der alle ihnen in die Hände geratenen jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine schonungslos niederknallen ließ, wo er die Erschießung nicht eigenhändig besorgte. Bei der Vernehmung der Soldaten kamen haarsträubende Einzelheiten an den Tag. Unter anderem berichtete der angeklagte Soldat Omutza, daß in seinem Rayon eines Tages in der Nähe des Dorfes Boronka sieben jüdische Flüchtlinge angehalten wurden. Auf Befehl des Oberleutnants hätte er alle erschießen sollen. Doch wollte er die Blutschuld nicht auf sich laden, und als er — unter dem Terror seines Vorgesetzten —- einen von diesen doch erschossen hafte, konnte er mit den anderen befohlenen Morden nicht sein Gewissen belasten. Deshalb beschimpfte in der Oberleutnant in der unflätigsten Weise, und sagte, daß er hierfür die Verantwortung allein übernehme, worauf die Flüchtlinge alle erschossen wurden. Ein anderer angeklagter Soldat Grecu sagte aus, daß er auf Befehl des Oberleutnants vier Personen erschossen habe. Der Soldat Lusendrei gab zu, auf Geheiß des Oberleutnants zwei Männer, zwei Frauen, ein Kind und einen Soldaten erschossen zu haben. Wenn seine Untergebenen mit der Ausführung der anbefohlenen Bluttaten zauderten, so wurden sie vom Oberleutnant in der grausamsten Weise mißhandelt. Morarescu habe in den Instruktionen an seine Soldaten immer gesagt, daß man am Dnjestr ein „Tal des Todes“ schaffen müsse. Der Soldat Coroma gab an, daß bei einer Gelegenheit, als flüchtende Juden festgenommen und mehrere Soldaten erschossen wurden, Morarescu einem erschossenen Jüdischen Flüchtling, der, auf der Erde liegend, noch schwache Lebenszeichen von sich gab, eigenhändig eine «Kugel in den Kopf jagte, dann fing der Ober- Die echt PhilippoftfU UMschuR, Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Qualitfitstabake 858