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Das jüdische Echo · 1925-12-11 · 50 (11.12.1925) · p. Seite 929

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
50 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
Seite 929 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 929 Ärthur Holitscher in Palästina Man wird von keinem Schriftsteller erwarten dürfen, daß er über seine in Palästina gewonnenen Eindrücke Lobesliymnen schreibt. Dazu sind die dortigen Verhältnisse gewiß nicht angetan: die vielfachen Probleme kultureller und ökonomischer Art, die der Aufbau dieses Landes stellt, sind viel zu verwickelt, als daß man nicht an allen Ecken und Enden Fehler, Hemmnisse und Störungen entdecken und beschreiben könnte. Der Zionismus hat das nie verschwiegen und wird es nie verschweigen: im Gegenteil, sein Bemühen geht ja dahin, all diese Probleme den Juden näher zu bringen und sie zur Mitarbeit an der Lösung aufzufordern. Trotzdem muß man und gerade von einem jüdischen Autor verlangen, daß die Eigentümlichkeiten und Besonderheiten der zionistischen Aufgabe erkannt und ihre wesentlichen Züge nicht verzerrt und verwischt dargestellt werden. Arthur Holitscher, der. im Novemberheft der „Neuen Rundschau“ Erlebnisse und Begegnungen seiner zweiten Palästinareise vom Frühjahr 1925 schildert, ist diesen Erfordernissen nicht gerecht geworden. Es ist wahr, er verfügt über eine glänzende Beobachtungsgabe, er besitzt dichterische Darstellungskraft in hohem Maß und eine ungewöhnliche Sensibilität, die auch seinem Stil eine besondere Anziehung verleiht, welche Eigenschaften auch seiner Reisebeschreibung zugute kommen und ihre Lektüre zu einem Genuß machen, aber in der sachlichen Beurteilung und Wertung dürfen viele seiner Ansichten nicht unwidersprochen bleiben, da sie einer allzu leichten und oberflächlichen Suche nach Antithesen ihre Entstehung verdanken. So, wenn er glaubt, einen großen Gegensatz zwischen der Zionistischen Exekutive und den Chaluzim konstruieren zu müssen, wenn er anschaulich ausmalt, wie die Zionistische Exekutive auf Befehl der amerikanischen Geldgeber langsam den Siedlungen der Arbeiter das Budget kürzt, schon bewilligte Gelder nicht auszahlt, überhaupt darauf ausgeht, „durch allmähliches Abschnüren der Wirtschaftsmöglichkeiten die Kwuzoth zur Preisgabe ihrer Radikalität zu zwingen“, und so jede soziale Neuschöpfung zu unterbinden sucht. Die ernsthaften Anstrengungen, die Siedlungen endlich ökonomisch selbständig, sie von Zuschüssen unabhängig zu machen, die ja nicht nur von seiten der Exekutive ausgehen, sondern ebensosehr von seiten der Arbeiter selbst, scheinen ihm die Undankbarkeit des Zionismus den Arbeitern gegenüber zu beweisen, und so stellt er fest, daß der Chaluz „das Stiefkind der zionistischen Leitung“ ist. Was ist von alledem wahr? Ist es wirklich richtig, daß die Zionistische Exekutive systematisch das Werk der Arbeiterschaft zu unterhöhlen sucht, daß sie die Auszahlung des Budgets mit der Begründung verweigert hat, die Arbeiter seien „Bolschewisten“? Man braucht darüber nicht viele Worte zu machen; wer das jüngst erschienene Buch von Arthur Ruppin „Die landwirtschaftliche Kolonisation der zionistischen Organisation in Palästina“ gelesen hat, weiß es, daß das Zionistische Kolonisationsdepartement sich immer für die Arbeitersiedlungen eingesetzt und auch immer das nötige Verständnis für das sich hier entwickelnde neuartige Leben bewiesen hat. Daß die Siedlungen wirklich in manchen Perioden die versprochenen Gelder nicht bekommen konnten, das hat ganz andere Gründe, um die sich Holitscher allerdings weniger kümmert; auf die Frage der Geldbeschaffung geht er eben einfach nicht ein und überläßt diese Sorge andern. Holitscher sieht schwere Gefahren für Palästina voraus, wenn die Arbeiterschaft sich noch stärker, als das jetzt der Fall sei, von religiösen Tendenzen ergreifen lasse; er hält eine kommende jüdische Theokratie durchaus für möglich und meint mit dem jungen französischen Dichter Jean Richard Block: „Passen Sie auf, in drei Jahren haben wir Juden hier in Palästina eine theokratische Vertretung, nicht mehr eine weltliche. Die Zionistische Exekutive wird einem Rabbinerkollegium gewichen sein.“ Dann wäre natürlich seiner Ansicht nach eine soziale Neuschöpfung in Palästina unmöglich. Auch hier dürfte eine verzerrte und übertriebene Schilderung an sich gewiß vorhandener Strömungen vorliegen, und dieser Fälle gibt es noch mehrere. Muß man sich also gegen viele Behauptungen Holitschers zur Wehr setzen. Muß man sich, um das, was in Palästina vorgeht, in seinen tiefsten Wirkungen würdigen zu können, wohl auch auf einen gänzlich verschiedenen Standpunkt stellen — wenn für Holitscher das Entscheidende die Lösung der sozialen Frage ist, so uns die Lösung der Judenfrage —, so darf man immerhin nicht vergessen, daß Holitscher beherrscht ist von einem starken Gefühl der Liebe zu Palästina, zu den Chaluz,im, und das macht ihn trotz allem zu einem Freund und Helfer. E. V i i i i i i T Jk. A. A. -A. ^4. JL. A. A. HAUSERS HOTEL .Der Reichsadler“ Unsere vornehmen Gaststätten sind führend in München — Speisen und Getränke zwanglos Das beliebte Tanz-Orchester Otto Weber spielt täglich nachmittags und abends JEDEN SAMSTAG GESELLSCHAFTS-ABEND ▼ t ~^r

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