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Das jüdische Echo · 1925-12-11 · 50 (11.12.1925) · p. Seite 928

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
50 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
Seite 928 (sequence 4)
Language
German
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928 Das Jüdische Echo Nr. 50 wir sie mit dem Willen der Makkabäer zur Aktivität! Geben wir diesem Willen mit der Kraft der Makkabäer Ausdruck, beweisen wir ihn uns mit den Taten innerer Freiheit! Manfred Sturmann. Der Friede von Baltimore Am 29. November fand, wie in der gesamten jüdischen Weltpresse mit großer Aufmerksamkeit registriert wurde, in Baltimore die von der zionistischen Organisaiton Amerikas einberufene große Palästinakonferenz statt. Diese Konferenz stellte den Auftakt für eine große Sammelaktion der amerikanischen Zionisten zugunsten des Palästina- Aufbauwerks dar. Die Zionisten Amerikas sahen sich nämlich infolge des Vorgehens des Joint, der für allgemeine jüdische Hilfszwecke in Europa, insbesondere für die sogenannte Krimkolonisation, eine Sammelaktion zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar eingeleitet hatte, ohne im Sinne der am 12. September 1925 in Philadelphia beschlossenen Resolutionen die Priorität des Palästina-Aufbaus zunächst in besonderer Weise zu berücksichtigen, gezwungen, einen selbständigen Sammelfeldzug für den Palästina-Aufbau zu proklamieren. In Philadelphia ist unter dem Beifall aller dort versammelt gewesenen Vertreter des amerikanischen Judentums eine amerikanisch-jüdische Einheitsfront geschaffen worden, nachdem sich die Versammelten unter dem Druck der öffentlichen Meinung auf eine gemeinsame Resolution geeinigt hatten. In der Resolution von Philadelphia wurde mit besonderem Nachdruck auf die zentrale Bedeutung des Palästina-Aufbauwerks hingewiesen, und die Zionisten in Amerika erwarteten nun, daß die alsbald nach Philadelphia aufgenommene Kampagne zur Sammlung von 15 Millionen Dollar im Sinne der beschlossenen Resolution eingeleitet werden wird. Der Joint ließ aber in den ersten Aufrufen für den 15-Millionen-Dollar-Drive eine Rücksichtnahme auf die in Philadelphia erzielte Einigung vermissen. Darum sahen sich die amerikanischen Zionisten, nachdem sich auch der amerikanischjüdische Kongreß für eine stärkere Betonung des Gedankens der Priorität von Palästina ausgesprochen hatte, gezwungen, neben dem großen Drive des Joint auch einen besonderen Drive nur für Palästinazwecke zu proklamieren. Alle palästinafreundlichen Verbände in Amerika schlossen sich zusammen, und es ergingen an die amerikanische Judenheit Einladungen, am 29. November in Baltimore eine große Palästina-Aufbau-Konferenz abzuhalten. Schon die Ankündigung dieser Palästina-Konferenz rief in den weitesten Kreisen der amerikanischen Judenheit das stärkste Echo und die lebhafteste Zustimmung hervor. Auch außerhalb Amerikas zeigte sich für diese Kundgebung des Palästinawillens der amerikanischen Judenheit außerordentliches Interesse. Die gesamte jüdische Presse Amerikas widmete dem sich vorbereitenden Ereignis in Baltimore eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit. In den Kreisen der leitenden Joint-Persön- Te^tilhandelsgesellschaft zum „Weberhau S“A-G. München / Frankfurt J / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 Hauptgeschäft Dachauerstr.9. Illustr. Katalog gratis u.franko lichkeiten wurden diese Zeichen richtig verstanden, und schon einige Tage vor Baltimore publizierte der Joint einen Verteilungsplan der in den nächsten drei Jahren in Amerika zu sammelnden 15 Millionen Dollar. Die vom Joint veröffentlichten Zahlen sprachen viel deutlicher als es feierliche Erklärungen hätten tun können, daß sich in den Kreisen des Joint die Erkenntnis von der ungeheuren moralischen Kraft des Palästinagedankens und auch von der tatsächlichen Bedeutung der sogenannten Krimkolonisation durchgesetzt hat. Wenn man den Verteilungsschlüssel kritisch untersucht, so findet man, daß kaum ein Drittel der aufzubringenden Gelder für die Krimkolonisation bestimmt ist, während der Rest für jüdische Hilfsarbeit in anderen Ländern, darunter auch in Palästina, Vorbehalten bleibt. Schon diese Veröffentlichung des Joint war ein Einlenken der führenden Männer, die die Leitung des 15-Millionen-Dollar-Drives innehaben. Demnach konnte es nicht überraschen, daß Louis Marshall, der Präsident des Joint, noch vor der zionistischen Konferenz in Baltimore Besprechungen mit dem Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Stephan Wise, der der geistige Führer der separaten zionistischen Sammelaktion ist, aufnahm und das in Philadelphia begonnene, durch die spätere Aktion des Joint erschütterte Werk der jüdischamerikanischen Einheitsfront wieder aufzurichten und zu befestigen versuchte. Auf zionistischer Seite zeigte man sich gegenüber dieser von Marshall beobachteten Haltung entgegenkommend. Denn, wie in der ganzen Welt, so verkennen die Zionisten in Amerika nicht die Notwendigkeit und die Bedeutung allgemeiner jüdischer Hilfstätigkeit und der Umschichtung der wirtschaftlich wurzellos gewordenen Juden in den Ländern Osteuropas. Auch; gegenüber der Krimkolonisation ist von zionistischer Seite niemals ein prinzipieller Widerstand erhoben worden, wiewohl verschiedene Umstände gegen diese Kolonisation zu sprechen scheinen. Wogegen sich die Zionisten der ganzen Welt jedoch gewendet haben und wenden mußten, war der Versuch, die Krimkolonisation gegen den Palästina- Aufbau auszuspielen und sie als Waffe gegen die zionistische Gedankenwelt zu benutzen. Im Augenblick jedoch, wo von nichtzionistischer Seite anerkannt wird, daß, ungeachtet der Notwendigkeit jü-. discher Hilfsarbeit in den einzelnen Galuth-Ländern, die zentrale und wichtigste Aufgabe des Judentums der Palästina-Aufbau als unerläßliche Voraussetzung der Errichtung, des jüdischen Nationalheims ist, in diesem Augenblick sind die Zionisten in der ganzen Welt selbstverständlich bereit, sich an den dringenden Notstandsarbeiten in der ganzen Welt der jüdischen Verstreuung zu beteiligen. So ist denn in Baltimore zwischen Joint und Zionisten ein Friede geschlossen worden. Beide Aktionen, die von vornherein als nicht gegensätzlich gedacht waren, werden nun im Einvernehmen beider Richtungen friedlich nebeneinander durchgeführt werden. Die Durchführung der Verständigung zwischen Marshall und den Zionisten ist eine mehr technische Angelegenheit. Hervorzuheben ist, daß in Baltimore mit Nachdruck verlangt und von Marshall anerkannt wurde, daß das nichtzionistische amerikanische Judentum, das sich seit langem verpflichtet hatte, sich an der Jewish Agency zu beteiligen, die Pflicht habe, dieses Versprechen binnen kürzester Zeit zu verwirklichen. Sind erst Zionisten und Nichtzionisten in Amerika in der Jewish Agency vereint, dann werden sich hoffentlich Mißverständnisse, wie sie nach Philadelphia aufgetreten sind, nicht mehr wiederholen können. M.W.

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