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Das jüdische Echo · 1925-12-04 · 49 (4.12.1925) · p. Seite 909

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
49 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
Seite 909 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 909 Gerim Von Hugo Herrmann. Aus dem vor kurzem erschienenen Buch ,,Eine werdende Welt, Reiseeindrücke aus Palästina“ von Hugo Herrmann (Verlag Dr. Josef Flesch, Prag). Niemand wird, über aller Zersplitterung, die große gemeinschaftsbildende Kraft verkennen, die in Palästina am Werke ist und die sich vielleicht am stärksten in den „Fremden“ manifestiert, die das neue jüdische Leben an sich zieht und sich eingliedert. Assimilation mit verkehrtem Vorzeichen und ohne Druck, ohne Zwang, ohne Verachtung von der einen und ohne verdrängte Minderwertigkeitsgefühle von der anderen Seite .. . Da ist eine neue Kolonie, in den Windeln noch sozusagen, Ghittin, nach dem System des Mosehaw mit Chaluzim, die dem Misrachi, der orthodoxen Fraktion im Zionismus, angehören, im Frühling 1924 angelegt. Die Siedler sehen etwas anders aus als sonst meistens, bärtig, auch etwas älter zum Großteil. Ich besuchte sie zusammen mit einer Kommission der Kolonisationsabteilung der Hanhalah aus Jerusalem; die Führung besorgte einer der jüngeren Chaluzim, der auch die Verhandlung mit der Kommission führte, denn er ist der Mukhtar, der Dorfvorsteher, der die Siedlung den — jüdischen und nichtjüdischen — Behörden gegenüber vertritt. Daß man einen der jüngeren Ansiedler zum Vorsteher gewählt hatte, war weniger auffällig, als daß es, wie ich hörte und auch selbst auf den ersten Blick erkennen konnte, ein Nichtjude war. Der typische russische Bauer, blond, hochgewachsen, etwas schwerfällig, vertrat er voller Pflichtbewußtsein in ganz flüssigem Hebräisch die Interessen dieser Siedler, die den Ehrgeiz haben, eine „fromme“ Kolonie aufzubauen. Der Mukhtar ist, trotz seiner Jugend, der Frömmste von ihnen, Sohn eines Ger, eines jener russischen Bauern, die — wirklich aus Überzeugung — zum Judentum übergetreten sind. Ahnt man, welche Summe von Schwierigkeiten, Mühen, Nöten, Sorgen, Verdrießlichkeiten der Führer der neuen Siedlung auf dem bisher unbebauten, windumbrausten Hochplateau über dem tief unten in unwahrscheinlicher Schönheit blauenden Kinereth-See zu tragen, zu überwinden hat? Der zum Chaluz gewordene Muschik trägt sie, überwindet sie lemaan haschem, um Gottes willen, um jenes Gottes willen, der seinem Volke geboten hat, dieses Land zu erlösen aus der Knechtschaft der Völker, die ihn nicht kennen ... Religiöse Form wird zur Landessitte und dasalltägliche Leben zum Gottesdienst. Sind sie gottlos, jene Chaluzim, die das Land erlösen nicht um Gottes willen, sondern um des Volkes, um der Wahrhaftigkeit ihres Lebens willen? Nirgends vielleicht in ganz Palästina fühlt man so stark und unmittelbar den Zusammenhang mit dem Absoluten wie im oberen Galil, in den Fiebernestern am Meromsee und in den Bergdörfern unter dem Hermon, Metullah, Kfar Gileadi, Tel Chai, Ajeleth haschachar. In Kfar Gileadi, der großen Kwuzah, dem „Kinderdorf“, wie es Hugo Bergmann einmal genannt hat, zeigte mir einer der Chawerim Hof und Stall, Wohn- und Kinderhäuser, den von ihm selbst angelegten und gepflegten großen Obstgarten und die von rührender Liebe umhegte Anlage an der Stelle, wo Trumpeldor, der 1920 gefallene Held des Galil, zuerst begraben worden war, vor der Überführung nach dem gemeinsamen Friedhofe am Wege nach Tel Chai. Wie er alles erläuterte, mit der Selbstverständlichkeit und dem Stolze, die ihnen allen dort eigen — Selbstverständlichkeit der moralischen Forderung, Stolz auf das Land und seine Möglichkeiten —, wie er vom Leben der Chawerim berichtete, vom Leben in den Kinderhäusern, dem Kindergarten und der Schule, wie er von Trumpeldor erzählte, niemand hätte den grotesken Einfall haben können, er sei kein Jude. Und doch ist er vor vierzehn Jahren aus seiner holländischen Heimat nur durch Zufall nach Palästina gekommen, nur durch Zufall mit einer jüdischen Kwuzah bekanntgeworden; das Leben gefiel ihm, er blieb acht Tage, arbeitete sein Essen ab, aus den Tagen wurden Wochen, Monate, Jahre. Zu Kriegsbeginn fuhr er in seine Heimat, sogleich nach dem Waffenstillstände kam er wieder — weiß er selbst, ob er Christ ist oder Jude? Chawer ist er, das weiß er und wissen alle im Lande, Genosse, Bruder, Freund, der aus freiem Willensentschluß sein Leben mit dem Werden dieses jüdischen Gemeinwesens verknüpft hat. Das alltägliche Leben wird zum Gottesdienste und religiöse Form zur Landessitte. Der Freund, der mich eines Freitags nachmittags im Hotel zu Jerusalem besuchte, ist nicht religiös. Doch im Begriffe, eine Zigarette anzustecken, sagte er plötzlich: „Ach, ich glaube, es ist schon Schabbath“, und tat die Streichhölzer wieder weg. Nicht aus „Frömmigkeit“, auch nicht aus Scheu vor der In- HAUSER S HOTEL „Der Reichsadler“ ► ► Unsere vornehmen Gaststätten sind führend in München — Speisen und Getränke zwanglos ► ► Das beliebte ► Tanz-Orchester Otto Weber spielt täglich nachmittags und abends JEDEN SAMSTAG GESELLSCHAFTS-ABEND ▼ T"" ▼ T ' ' ▼ T T T T T T T T—A

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