Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- Seite 896 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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896 Das Jüdische Echo Nr. 48 Aus der jüdischen Welt Jüdische Meister im Moskauer Internationalen Schachturnier Am 9. November ist in Moskau das Internationale Schachtournier eröffnet worden.. Es war selten der Fall, daß sich so viele hervorragende Meister der Schachwelt an einem Orte zusammenfanden. Groß ist diesmal die Zahl der jüdischen Meister. In erster Reihe zu nennen ist der frühere Weltmeister Dr. Emanuel Lasker, dann Grünfeld aus Deutschland, Rubinstein aus Polen, Tartakower aus Frankreich, Spielmann aus der Tschechoslowakei, Leinfiach aus Holland, Schitomirsky, Werlinsky, Rabinowitsch, Gotthilf und Iljischensky aus Rußland. Gleich für die erste Runde wurden Dr. Lasker und der jetzige Weltmeister Capabianca als Partner ausgelost. Ihr Spiel dauerte zwei Stunden und endigte mit Remis. Als Lasker im Turniersaal erschien, wurden ihm seitens der anderen Meister große Ovationen bereitet. Der Oberstkommandierende der Ukraine — ein Jude Der bisherige Dirigent der Militärschulen der Union der Sowjetrepubliken, Jonas Jakir, wurde zum Oberstkommandierenden des gesamten ukrainischen Militärdistrikts ernannt. Jonas Jakir, ein früherer Arbeiter, hat seit der Revolution eine ungewöhnliche militärische Karriere gemacht und gilt heute als einer der besten militärischen Theoretiker und Praktiker der Sowjetunion. „Habimah“ eines der sechs Staatstheater in Rußland Herr Kamenew, der Präsident des Moskauer Sowjets und Mitglied des Triumvirats der Sowjetunion, teilte dem Direktor des hebräischen Theaters „Habimah“, N. Zemach, mit, daß die „Habimah“ wieder in die Liste der russischen Staatstheater eingetragen worden ist und nunmehr regelmäßige staatliche Zuschüsse erhalten wird. In Moskau existieren gegenwärtig außer der „Habimah“ sechs akademische Staatstheater. Das hebräische Theater „Habimah“, dessen Leistungen von hervorragenden Kennern Rußlands und der ganzen Welt mit Bewunderung genannt wurden, durfte schon einmal den Titel eines Staatstheaters führen, aber auf Ersuchen des jüdischen Departements beim Volksbildünigsministerium wurde das hebräische Theater aus der Liste der Staatstheater gestrichen und ging so der staatlichen Subvention verlustig. Die jüdischen Kommunisten wehrten sich dagegen, daß durch die staatliche Anerkennung des hebräischen Theaters auch die hebräische Sprache anerkannt würde, die sie als die Sprache der zionistischen Bourgeoisie betrachten. Die Streichung erfolgte im November 1924. Seither bemühten sich die Freunde der „Habimah“, unter ihnen mehrere führende Kommunisten, daß dem Theater wieder der staatliche Rang zuerkannt werde. Dies wurde jetzt mit Unterstützung des Unterrichtsministers Lunatscharsky erreicht, der selber zu den Bewunderern der „Habimah“ zählt und der oft die Gelegenheit ergriffen hat, dieses Institut gegen Angriffe zu verteidigen. Feuilleton Hbsoloms Denkmal Von N. S. B e n o n i. (Aus dem Russischen übersetzt von Simeon Silbermann.) Auf dem Gipfel des Ölbergs steht ein hoher Glockenturm. An hellem Frühlingsmorgen, gleich nach Sonnenaufgang, kann man vom Dach dieses Turms ganz Judäa bis dicht zum „Toten Meer“ und den Jordan in seiner ganzen Länge sehen. Eine erhabene, unvergeßliche Aussicht... Die Wiege der großen Religionen, der Weg eines großen Volks, und die Blätter einer großen Geschichte vor den Augen des Beschauers ausgebreitet. An solch einem hellen, glänzenden vorösterlichen Morgen standen wir auf dem Gipfel des Ölbergs und, frommen Pilgern ähnlich, betrachteten wir den Zionsberg, auf dessen Gipfel sich die Moschee wie in einem Purpurmantel der Sonnenstrahlen in allen Farben wiederspiegelte. Die Schüler der Kunstschule Bezalel mit ihrem Lehrer an der Spitze vollendeten ihren Morgenausflug und, dem Beispiel des Lehrers folgend, machten sie Skizzen. Eine jüdische Künstlerin aus Warschau, ein polnischer Bildhauer aus Krakau und ich nahmen als Gäste der Schule „Bezalel“ am Ausflug teil. Der polnische Bildhauer entzückte sich an der Jerusalemer Umgebung und sagte zum Professor des Bezalel: „Alles ist großartig! Sie, Herr Professor, sind ein glücklicher Mensch, weil Sie hier wohnen!...“ Die jüdische Künstlerin aus Warschau konnte sich an nichts ergötzen und versicherte ihren Kollegen, den Bezalel-Schülern, daß die Weichsel ihrem Herzen und ihrem künstlerischen Gefühl eher entspreche als der Jordan und das „Tote Meer“. „Das ist sinnlos“, bemerkte der Bildhauer. „Hier ist alles grandios und majestätisch!“ Der Professor des „Bezalel“ folgte lächelnd dem zwischen den Künstlern entbrannten Disput über die Kunst. „Die Kunst ist international!“ beharrte die Künstlerin. „Nur mittelmäßige Kunst ist international!“ ereiferte sich der polnische Bildhauer. „Dagegen sind die geistvollen Schöpfungen immer national, aber es gibt auch allgemein menschliche!“ „Meine Herrschaften, ich stelle den Antrag, euren Streit nicht durch Worte, sondern durch ein lebendes Beispiel auszutragen,“ sagte der Lehrer des Bezalel. „Wir bitten! Wir bitten!“ umkreisten ihn - die Schüler. „Mein Vorschlag geht dahin,“ fuhr der Professor fort, „daß wir uns zum mittleren Abhang des Bergs begeben. Dort befindet sich Absaloms Denkmal. Die Architektur dieses Denkmals ist sehr primitiv. Unsere liebe Besucherin wie auch einer unserer Schüler mögen das Denkmal abzeichnen. Diese Zeichnungen werden einer von uns gewählten Jury vorgelegt, die den Streit über das „Internationale“ und „Nationale“ der Kunst entscheiden wird... Wird mein Vorschlag angenommen?“ „Gern, gern! Angenommen! riefen alle im Chor. Und wir begaben uns zu Absaloms Denkmal. Weder der Stil noch die Architektur des Denkmals stellten etwas Besonderes vor, nur das Kränzchen, das auf die Kuppel aufgesetzt ist und gewis-