Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · p. Seite 895

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 895 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9156074--07292-9080018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 48 Das Jüdische Echo 895 sind naturgetreu und rührend geschildert. Überall strömt frisches, gesundes Leben. Jak, der gewesene „Bal-Huaguluh-Jing“ von zu Hause (der Typ vom „Koiler-Gässel“, den Scholem Asch immer besonders herzlich und meisterhaft darstellt), wächst sich im Verlauf der Handlung zu einer herrlichen Figur aus. In Amerika angekommen, machten sich er, sein „Aisches-Chajil“ und ihr Bruder Jsak ans „Pedlen“ (Hausieren) und wollten nicht in die Fabrik gehen, in der sie die früher Angekommenen immer tiefer sinken sahen. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit rastloser, ernster Arbeit waren sie in der Lage, das erste Geschäft zu eröffnen; und da dieses gut ging, eröffneten sie bald mehrere und kauften sich auch nach und nach Häuser. Aber, wie Scholem Asch sagt, bei keinem ist das Glück vollständig! Kurz darauf starb Jaks Frau, die sich mit Mann und Bruder abgerackert hatte. Und hier beginnt die Komödie. Bendet, Jaks Bekannter, der bereits halbassimilierte Amerikaner, bedauert Jak, der nicht versteht, die Macht seines Geldes auszunützen und seinem Reichtum gemäß zu leben. Jak unterstützt seine daheim zurückgebliebenen Verwandten und Bekannten, ohne daß es hier — in Amerika — jemand weiß, und lebt mit seinem Schwager ganz zurückgezogen und trauert um sein Weib. Sogar die bedeutende Spende an das Krankenhaus, die er diesem anläßlich des Ablebens seiner Frau übergibt, kommt nicht in die Zeitungen.. Fs weiß keiner von ihm. Aber Bendet versteht, in ihm das Verlangen, bekannt zu werden und das eintönige Leben abzuschütteln, zu wecken. Bendet versteht, die Schwäche Jaks auszunützen, und gewinnt Einfluß auf ihn, den „groben Jing“, der nicht schreiben und lesen kann. Bendet schadchent ihm eine gebildete, vornehme Frau, die ihm seinem Vermögen nach zukommt. Eine Heirat mit Miß Königstein wird ihm ((so spricht Bendet) die Erlösung sein. Er wird in ein gebildetes Haus von Doktoren und anderen Größen kommen. Miß Königstein, ein älteres Mädchen, versteht, durch ihren Onkel (Kantor Königstein) und ihre Tante Rosalie unterstützt, durch stolzes Benehmen und vornehme Manieren bei Jak Eindruck zu machen, und lehrt ihn nach der Verlobung, wie er sich zu geben und zu benehmen habe, um ihrer Familie würdig zu sein. Isak, sein Schwager, fühlt instinktiv die Gefahr und schreibt, kurz entschlossen, nach Haus an die von Jak vor Jahren sitzen gelassene Kalle Scheindele, die inzwischen geheiratet hat und Witwe geworden ist, und fordert sie auf, mit ihrer schönen jungen Tochter Feigele und den alten Leuten (Blimele und Schlojme Maloch), die Jak nach dem frühen Tod seiner Eltern aufgezogen, sofort nach Amerika zu kommen. —■ Und sie kommen. Voll Erwartung, aber auch voll Vertrauen auf das gute r- Herz Jaks, der sie seit seiner Abreise reichlich unterstützt hat, und um ihn selbst nach so langer Zeit wiederzusehen. Während dieser Zeit bereitet Jak seine Hochzeit mit Miß Königstein vor und lernt nach und nach alle Mitglieder dieser Familie kennen. Bendet, der raffinierte Schadchen, hat von der Ankunft der Landsleute Kenntnis erhalten. Er sieht die Gefahr, daß seine Angelegenheit ungünstig auszufallen drohe, und versucht, mit den verschiedensten Mitteln die Situation zu retten. Es hilft nichts mehr. Die Landsleute sind bereits angekommen. Alle Lügen, durch die Bendet Jak bei der Familie Königstein herauszustreichen suchte, deckt Jak, durch das unfreundliche Benehmen dieser Familie seinen Landsleuten gegenüber gereizt, selbst auf. Und in ihm, dem „Koiler-Gässel-Typ“, dessen verstorbene Eltern Bendet verleugnet hat, erwacht wieder der natürliche, der wahrhafte Mensch. Bald wird er sentimental, bald brutal und schließlich bricht er zusammen. Die Qualen der inneren Reue zermürben ihn. Aber bald schwillt, wieder gereizt, sein Zorn, und er schleudert der Familie Königstein ihre Unehrlichkeiten ins Gesicht und verstößt sie.. Er beruhigt seine Landsleute und bittet seinen Schwager um Verzeihung. Nach kurzer Zeit nimmt er Feigele, die Tochter der von ihm einst verlassenen Kalle Scheindele, zur Frau, um seine Sünde an der Mutter an der Tochter wieder gutzumachen. Dies ist kurz der Inhalt dieses Stückes, das reichlich tragische und humoristische Momente und psychologisch feine Nuancen enthält. Jeder Monolog klingt wie Musik, herzlich, einfach und dennnoch menschlich so groß, wie ihn nur der unsterbliche Dichter des „Städtel“ schreiben kann, der größte Meister des jidischen Worts, Scholem Asch. Josef Löwy. Aus dem Jiddischen übersetzt von Arnold Goldberg. S. LEVINGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feineTabakerzeugnisse — " Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Maximilianstraße 40 Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation V J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.