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Das jüdische Echo · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · p. Seite 893

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 893 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 893 Unterricht. Das Ziel der Erziehung ist es vielleicht, den Menschen zu den Werten hinzuführen, mit denen sich auseinanderzusetzen die Aufgabe seines Lebens sein wird. Wie er das macht und was daraus an Neuem, nicht Dagewesenem entstehen kann, das vermag niemand vorauszusehen. „Geprägte Form, die lebend sich entwickelt!“ Denken wir daran, daß es die große Kunst der Erziehung ist, diese lebendige Entwicklung nicht zu stören, dieses Gleichgewicht von geprägter Form und lebender Entwicklung nicht zugunsten der starren Form zu unterdrücken. Dies war das Geheimnis vielleicht des größten Erziehers aller Zeiten, Sokrates’. Sein Nicht-Wissen sollte, immer fortzeugend, den lebendigen Drang nach Wissen gebären. Und wenn Sie mich nun nach dem Ziel der ärztlichen Erziehung fragen, so gilt eigentlich auch für dieses, was für die Erziehung überhaupt gilt. Wir müssen den uns anvertrauten jungen Mens&ien dazu zu bringen versuchen, daß sich geprägte Form und lebende Entwicklung im Gleichgewicht halten, damit so die Leistung ermöglicht werde. Wir wissen, wie viel Höchstleistungen der Kultur gerade den nervösen Menschen verdankt werden. Der Geist hat leider nicht die Gepflogenheit, sich die behaglichen, normalen, harmonischen Menschen zur Wohnung auszusuchen. Das hat einer, der es wissen muß — Nietzsche —, voll Bitterkeit gegen die David-Friedrich-Strauß’schen „Harmonie-Idyllen“ bemerkt. Es kann also, kurz gesagt, nicht unsere Aufgabe sein, den nervösen Menschen zu einem normalen auszuheilen, — das erlaubt unsere Verantwortung der Kultur gegenüber nicht. Leistungsfähigkeit ist das einzige Ziel, das wir uns setzen dürfen. Sprechen wir es ehrlich aus, daß wir das Geheimnis des Schöpferischen nicht kennen; aber hüten wir uns auch davor, ohne Ehrfurcht vor dem nervösen Menschen zu sein, vor seinem Leiden und vor seinen Möglichkeiten. 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Aber in dem einen Haus müssen sie ruhig abwarten, bis der Herr und Gebieter auf und davon ist, sonst werden sie auch da nicht geduldet. Hier sehe ich die zwei Theaterdekorateure in eifrigem Beraten beineinander. Beide haben vor sich Papiere, die sie mit Zeichnungen bedecken, und es kann in der Hitze des Gefechts geschehen, daß der eine der Bühnenmaler ein Streifchen des mit Skizzen bedeckten Bogens nach dem anderen verschluckt. Man überlegt, wie die Schilde der kleinen Makkabäer magisch leuchten sollen, man beschließt die schlichte Ausstattung der ärmlichen, russischen Bauernstube, im Gegensatz dazu den prächtigen Vorraum im gräflichen Landhaus des letzten Aktes und man entwirft die Prunkgewänder Salomos und der Königin von Saba. Das sind Kleinigkeiten, aber jetzt höre ich in andächtigem Staunen von dem großen Wunder, wie das Krankenbett der innigen, kleinen Rahel sich urplötzlich in die vereiste Grotte der Schneekönigin wandeln soll und der eine der Theatermaler wird dabei im Bühnenhimmel sitzen und für den nötigen Schneefall sorgen. Nun treten sie selber an, die kleinen Makkabäer, die guten Geisterchen im Chanukkamärchenspiel aus der Feder einer jungen Würzburgerin.. Ein wenig scheu bleiben sie aneinandergedrängt, bis ihr junger Führer, der liebevoll und geschickt mit ihnen umgeht, ihnen die Rolle vorspielt und sie zu kühnem Draufgehen ermutigt. Den Palast der Schneekönigin sollen sie stürmen und gegen die Schneeflocken kämpfen, — schon blitzen die Augen und die Fäuste ballen sich. Halt, ihr Buben! nicht zu ungestüm! Die Schneeflocken hocken zaghaft in der Grotte — nein, hier ist es noch ein harmloser Erker. Ihr dürft diesen zarten Wesen doch nichts zuleide tun! Siehe, da wagen. sie sich vor in zierlich-abwehrendem Tanzschritt, geleitet von ihrer schönen, anmutvollen Schneekönigin. Aber da kommen neue Kräfte, alle, die mitwirken sollen im biblischen Puppenspiel. Abdullah singt in hellen Tönen: „Aba, Baba, Zaba — Jetzt geht er heim nach Saba. Bei allen den Kamelen, Da darf auch ich nicht fehlen!“ und man streitet, welche Farbe das ulkige Männlein am echtesten in einen braunen Araber wandeln wird. Kakao, Tempera oder Schuhschmiere und was schließlich nach einer Spielnachmittagsdauer mit Wasser und Seife wieder zu tilgen ist. Der schreckliche Goliath tobt nun herein und an Körpermaß und Furchtbarkeit steht dieser Goliath dem Original aus der Bibel gewiß nicht nach. War nicht dieser Goliath eben noch Theatermaler, dann Regisseur im Märchenspiel und jetzt — Ja, wandlungsfähig muß man sein bei dieser Schausitsga

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