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Das jüdische Echo · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · p. Seite 892

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 892 (sequence 4)
Language
German
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892 Das Jüdische Echo Nr. 48 Die Behandlung des erziehungsschwierigen jüdischen Kindes von Dr. med. et. phil. W. Eliasberg, Facharzt für Heilpädagogik und Nervenleiden in München. II. Das jüdische Kind lebt meist von Schulbeginn an und auch schon früher nicht nur in einer Spannung zwischen zwei Polen, sondern die Welt der Erwachsenen erscheint ihm ihrerseits gespalten. Das jüdische Problem tritt schon an das sechsjährige Kind heran. Diese Schwierigkeit besteht natürlich nicht nur für jüdische Kinder. Ähnliches liegt vor, wenn das Proletarierkind zu Haus im Sinn des Klassenkampfs, also gegen die Schule, beeinflußt wird; überhaupt, wenn das Kind in den politischen Kampf und vor allen Dingen in den Haß der Erwachsenen hineingezogen wird. Aber immerhin sind diese Spannungen für das jüdische Kind besonders stark, und es gehört zu den besonderen Aufgaben des jüdischen Milieus, dem so empfindlichen Selbstbewußtsein des Kindes Stützen zu verschaffen. Wie das geschehen kann, darauf soll hier nicht eingegangen werden. Völlig verfehlt ist es nur, dieses Problem im Elternhaus überhaupt nicht zu berühren und Vogel-Strauß-Politik zu treiben. Denn wenn dadurch vielleicht auch das Selbstgefühl der Eltern vor Verletzung bewahrt wird, so geschieht das nur um den Preis, daß das Kind Angriffen völlig widerstandslos gegenübersteht. Das alles muß man sich vor Augen halten, wenn man einen sogenannten Kinderfehler richtig beurteilen will. Ein Kinderfehler ist nichts weiter als der Ausdruck dafür, daß das Kind irgendwie Schwierigkeiten hat, sich in die sozialen Wirklichkeiten einzuleben. Ein Kinderdiebstahl, eine Kinderlüge, die auffallende Genäschigkeit etwa, wären nichts, was bei einem drei- oder vierjährigen Kinde auch nur irgendwelche Beachtung verlangte. Wenn das sieben- oder achtjährige Kind die Grenzen von Mein und Dein, von Wahrheit und Unwahrheit gar nicht einhalten will, so muß man nach den Ursachen fragen, warum die frühkindliche Eigenart hier andauert, warum sich keine Hemmungen gebildet haben. Die besorgte Familie glaubt an eine Anlageverderbnis, eine Geisteskrankheit, eine Gehirnkrankheit, oder wie sich sonst theoretisch der Laie die Dinge zurechtlegen mag. Um Anlage handelt es sich ganz gewiß. Es ist nämlich einfach das Kinderwesen selbst, das hier erhalten bleibt und Schwierigkeiten hat, sich anzugleichen. Diese allgemeine Betrachtung wird genügen, um auch besorgte Eltern zu einer ruhigeren Anschauung der sogenannten Erziehungsschwierigkeiten zu bringen. Und gerade diese Beruhigung wird dann auch dazu beitragen, einen der Haupterziehungsfehler, den wir als „Erziehung mit der Feuerspritze“ bezeichneten, zu beseitigen. Wenn man weiß, daß es sich vielleicht nur um eine gewisse Verlangsamung handelt, wird man sich eher zu warten bescheiden, als wenn man in jedem Vorkommnis den Ausdruck einer geistigen Erkrankung oder einer Gehirnstörung sieht. Auch sonst muß dem Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen und mit ererbten Krankheiten, insbesondere der Syphilis, nachgegangen werden. Im übrigen kann allerdings die Prognose des Einzelfalls nur vom Fachmann gestellt werden. Denn in der Tat kommen echte Geisteskrankheiten im Kindesalter vor — ich erinnere nur an die schweren Folgezustände der Gehirngrippe im Kindesalter. Aber im ganzen ist doch das sachgemäße erziehliche Bemühen in den meisten Fällen von ganz außerordentlichem Erfolg. Oft genügt es. Nur sind in schwierigeren Fällen die Eltern oft nicht in: der Lage, das Richtige zu tun. Zwischen ihnen und dem Kind besteht schon meist ein Bezugssystem von Mißtrauen, Verbitterung u. dgl. Die Eltern, an sich guten Willens, vermögen die Fehler oft nicht mehr zu erkennen, die sie selbst machen, wie man auch das Stückchen Boden nicht sieht, auf dem man steht. Der Rat des Kundigen in solchen Fällen ist da von größtem Nutzen. Nur dürfen es die Eltern nicht verübeln, wenn der Kundige nicht mit der Erziehung des mißratenen Kindes, sondern mit der des Erziehers zu beginnen scheint. Eine schwierige Aufgabe ist es, den Eltern klar zu machen, daß ihre Sorge berechtigt, und daß sie doch das Kind nicht richtig verstehen. Daß sie aus ihrer sozialen Wirklichkeit heraus nur zu oft die geistige Struktur des Kindes vollständig verkennen, daß sie Züge, die mit der Wesenheit des kleinen Kindes untrennbar verbunden sind, für schwere Sünde halten, wenn sie aus irgendeinem Grund noch beim sechs- oder siebenjährigen Kind bestehen. Der große Philosoph Lotze hat einen Wahlspruch geprägt, der auch, wie mir scheint, für das soziale Bemühen von Eltern im Elternhaus gelten kann; dieser lautet; „Das Geringe nicht vernachlässigen, es aber nicht für groß ausgeben. Sich nur für das Große begeistern, aber im Kleinen treu zu sein.“ — Dieses Wort ruft uns, richtig verstanden, auch eine Warnung zu, nämlich die, die Kinder nicht zu gut zu erziehen. Das Kind wird einmal ein Erwachsener; und im Leben wird gekämpft. Dazu braucht man auch Instinkte, die wir in der frühen Kindheit angelegt finden. Dem Erwachsenen, der zu kämpfen hat, darf nichts Menschliches ganz fremd werden. Zum Menschlichen gehören auch die Instinkte. Und hat der jüdische Erwachsene weniger zu kämpfen? Noch ein Wort über das Ziel der Erziehung und speziell der ärztlichen Erziehung des nervösen Kindes. Ein angebbares Ziel gibt es nur für den Die echt ^3f^chuK- ^Omc^ Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. mli-iW"*8® enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Oualitütstabake

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