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Das jüdische Echo · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · p. Seite 891

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 891 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Mumm er 48 27. November 12, Jahrgang Zum Kampf um den Zionismus Der große, ideologisch gehaltene Vortrag Kurt Blumenfelds über den Kampf um den Zionismus hat wieder bewiesen, wie falsch es ist, diesen Kampf für beendigt zu halten und zu glauben, daß es jetzt — nach den sichtbaren hohen Erfolgen der zionistischen Politik! — nicht mehr nötig sei, um die Seele des Nichtzionisten zu ringen; daß es Nichtzionisten, eigentliche — im vollsten Sinn —, überhaupt nicht gebe, da ja doch schon alles von Palästina zumindest spreche, sogar in Ausdrücken der sieghaften, nicht mehr zu umgehenden zionistischen Terminologie. Zionismus ist noch immer Kampf. Blumenfeld sucht den Schauplatz dieses Kampfes auf, betrachtet die Kämpfer und deren Ziele, und das alles mit dem Auge des gestaltenden Menschen, der offenbart. Dieser ist scharf gegen den betrachtenden abgegrenzt, der nur die Dinge sieht, die Grenzen der Wirklichkeit, nur den Vordergrund des Palästinawerks, der viel zu leer und unfromm ist —■ unfromm in der tiefsten Bedeutung des Worts —, als daß er an den ewigen Strom glauben könnte, die Kraft des jüdischen Geschichtswillens, der sich hier unter Kampf, Krampf und Not versichtbart. Der gestaltende Mensch folgt auch dem Mystiker nicht in dessen Gebiete des Grenzenlosen, Fließenden, in die Ideen von der Mission Israels. Er sieht die Dinge — so scharf wie der ästhetische Betrachter —, aber er fragt nach deren Sinn, nach dem Symbol, dem Gleichnis, das allem Vergänglichen einwohnt. Dieses Gleichnis offenbaren, heißt nicht eine neue Welt neben einer alten entdecken, sondern eine neue Welt in einer alten. Aus der alten Welt, der bekannten, kleinen, aus dieser Welt jüdischen Bürgertums, das wir alle kennen, holt Blumenfeld die Offenbarung. Er sieht die Triebe, die im Dunkel nach Geltung und Recht tasten, und nennt ihren Namen, das erste Wort der Offenbarung. All diese Juden, die immerfort um Gleichberechtigung zu kämpfen vorgeben, was tun sie eigentlich? Welches ist ihr Verhältnis zur nichtjüdischen Umwelt? ihr Verhältnis zum Staat? Sie fühlen die Last, die ihnen ihr Dasein als Juden bereitet, und wollen sie abwerfen. Sie bemühen sich daher, ihre jüdische Sonderart zu leugnen, ihre Identität mit der Umgebung nachzuweisen — auf Wegen, die mehr wunderlich als wunderbar sind. Gelingt der Nachweis z. B„ daß die Deutschen nicht Germanen, daß Arier und Semiten Arbeitshypothesen der Sprachwissenschaft und nicht Elemente der Völkerkunde sind, glauben sie, daß mit diesen tatsächlich unanfechtbaren Feststellungen auch ihr eigenes Nichtvorhandensein als nationales Kollektivwesen gegeben ist. Und diese Juden, die nicht vorhanden und sichtbar sein wollen, schließen sich zusammen — zur Sichtbarkeit, dem Gegenteil dessen, was sie im Grunde wollen — und plädieren; sie wünschen Gleichberechtigung— für sich, nicht für alle anderen, nur für sich um ihrer ganz persönlichen Gesinnung willen, mit der sie ihr Wesen definieren; der Definition willen, die sie sich zurechtgemacht haben —• für die geistig in keiner Weise in Betracht kommenden Menschen der nichtjüdischen Umwelt, die Antisemiten. Zionismus dagegen ist tatsächlicher und ernster Kampf um die Gleichberechtigung; ist Kampf darum, in Staat und Gesellschaft das sein zu können, als was man geboren ist. Dieser Kampf ist ernst, da er von der richtigen Beurteilung des Gegebenen ausgeht. Er weiß, daß der Staat nicht die Bestie ist, die ihrer Art wegen nur die ganz bestimmte, immer und überall pagodenhaft nickende Ja-Gesinnung dulden kann; er weiß, daß der Staat, und das nicht nur im Bereich des Geistes, die Leidenschaftslosigkeit darstellen muß, die Wirklichkeit anzuerkennen. Der Zionismus bejaht diese Wirklichkeit, sein Heute und Hier. Er will neue Wirklichkeit formen, die Leistung zeigen, die ihn bestätigt und beglaubigt. Wenn er von der Vergangenheit spricht, von der alten Geschichte, der alten Leistung, bedient er sich der Symbole, die ihm geläufig sind, das Vergängliche seiner persönlichen Gegenwart auszudrücken; die persönliche Gegenwart aber muß selbst Leistung sein. Spricht der Antizonist dagegen von der alten Leistung, von Makkabäerkampf und kollektiver Größe, ergeht er sich in hohlen Bildern, Allegorien, da er glauben machen will und vielleicht selbst glaubt, daß ihn die alte Leistung einer neuen, gegenwärtigen enthebt. Während z. B. die allgemein-jüdische Ideologie die Farblosigkeit und Schwäche ihrer Kollektivmoral durch Berufung auf die Geister der Vergangenheit zu verdecken trachtet, will der Zionismus eine der dem einzelnen Juden eigentümlichen differenzierten Individualmoral entsprechende, ebenso durchgebildete Kollektivmoral schaffen. Der Maßstab, den er für sich gegeben wissen will, soll die reale/überschaubare Leistung in Palästina sein, die sich schon heute trotz aller menschlichen Werken gegenüber stets möglichen Kritik ruhig und ohne Scheu sehen lassen kann. So ist Zionismus Kampf, Allegorien zu zerstören, Wirklichkeit hervorzubringen und durch sie die neuen Symbole für jüdische Arbeit und jüdische Werte.

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