Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 47 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 878 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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878 Das Jüdische Echo Nr. 47 hält in einer Zuschrift an die „Vossische Zeitung“ die Behauptungen über die erwähnte Stellungnahme des Reichswehrmi'nisters aufrecht und beruft sich auf die Zeugenschaft des Nürnberger Bürgermeisters und Demokraten Dr. Luppe. Dr. Emil Ludwig spricht von dem Mißtrauen, das in republikanischen Kreisen Dr. Geßler entgegengebracht wird und schließt mit der folgenden Bemerkung: „Die heutige Erklärung des mir persönlich unbekannten Herrn Reichswehrministers scheint dieses weitverbreitete Mißtrauen in seine wahren Überzeugungen auch dadurch zu bestätigen, daß er offenbar die Lektüre antisemitischer Zeitungen bevorzugt, denn nur aus diesen kann er die Verleumdung übernommen haben, als hätte ich jemals durch Führung eines sogenannten germanischen Namens meine Abkunft verheimlichen wollen. Ich bin ihm dankbar, daß er mir erneut die Gelegenheit gibt, wie schon vor einigen Jahren öffentlich zu erklären, daß ich der Sohn des Geh. Medizinalrats Dr. med. et phil. Hermann Cohn, weiland Professors der Augenheilkunde an der Universität Breslau, jedoch durch eine Ministerialverordnung vom ersten Lebensjahre an nur zur Tragung jenes Namens berechtigt bin, unter dem ich schreibe, wodurch mir leider die Ehre entgeht, den Namen zu tragen, den mein Vater weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausgetragen hat.“ Auszeichnung Einsteins durch die Britische Akademie Nach einem Telegramm aus London hat die Königliche Akademie in London an Professor Albert Einstein, der auswärtiges Mitglied der Britischen Akademie ist, die Copley-Medaille verliehen. Zusammenkunft der Freunde der hebräischen Universität. — Eine bedeutsame Rede Einsteins Sonntag, den 15. November, fand im Logenhaus in Berlin eine Sitzung der Deutschen Gesellschaft der Freun-de der hebräischen Universität Jerusalems statt. Der Einladung waren hervorragende Vertreter der Wissenschaft und der jüdischen Intelligenz gefolgt. Prof. Citron, der den Vorsitz führte, hob in seiner einleitenden Ansprache hervor, daß die Gesellschaft der Freunde der Jerusalemer Universität in Deutschland auf Erfolge hinzuweisen hat; es ist ihr auch gelungen, der Universität mehrere größere Bücherspenden zuzuführen. Hierauf hielt Prof. Albert Einstein sein angekündigtes Referat über die Bedeutung der hebräischen Universität in Jerusalem für das gesamte jüdische Volk. Die Universität soll — so führte er CAFE FÜRSTENHOF BESITZER: OTTO SEELÄNDER M Ü N C H E N NEUHAUSERSTRASSE 21! * ■ , : Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLAUE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT j - EIGENE KONDITOREI : NAGHMI TT AG UND ABEND j KONZERTE aus — ein Kulturinstitut werden, in welchem die intellektuellen Juden der ganzen Welt einen Mittelpunkt jüdischen geistigen Schaffens erblicken. Professor Einstein machte den Vorschlag, eine alle intellektuellen Juden in Deutschland einschließende Organisation zu schaffen, damit der Einfluß der deutschen Judenheit auf die werdende Universität neben dem Einfluß der amerikanischen Juden zur Geltung komme. Prof. Einstein wies darauf hin, daß das Judaistische Institut durch Zuwendungen amerikanischer Spender materiell sichergestellt sei, während die anderen Institute noch einer intensiven materiellen Förderung bedürfen. An die Ausführungen Einsteins schloß sich eine interessante Aussprache, an der sich Prof. Ehrmann, Prof. Ludwig Stein, Prof. Heinrich Loewe, Dr. S. Gronemann und der Vorsitzende Prof. Citron beteiligten. Prof. Citron machte den Vorschlag, daß die deutschen Juden den Ausbau und die Erhaltung des Einstein-Institus in Jerusalem auf sich nehmen. Dagegen wandte sich Einstein selbst, indem er vor voreiligen Beschlüssen warnte und betonte, daß die Förderung an gewisse Bedingungen geknüpft werde. Unter den Anwesenden bemerkte man auch Professor Dr. Israel! Max Liebermann ließ sein Fernbleiben entschuldigen. Ludwig Frank, Walter Rathenau, Hugo Preuß Am 12. November abends sprach der Chefredakteur der „Vossischen Zeitung“, Georg Bernhard, im Bezirk Ost des Reichsbunds jüd. Frontsoldaten über die drei Männer, die an sichtbarer Stelle deutscher Politik standen und die alle drei im edelsten Sinne des Worts den Tod für ihr Vaterland, das sie tief und wahrhaft liebten, starben. Frank, der radikale Sozialist, der als einer der ersten freudig hinauszog in den Krieg und als einer der ersten fiel, Rathenau, die merkwürdige Doppelnatur, der große Kaüfmann und tiefe Denker, der kein Mensch der aktiven Politik, doch der einzige war, der sein Vaterland politisch nach außen vertreten konnte, dem das Vaterland ein ähnlich mystischer Begriff war wie Bismarck die Mannentreue, und der für diese seine Liebe zum Vaterland ermordet wurde. Und schließlich Preuß, der scharfe, spitze Dialektiker, der Demokrat, erfüllt von sozialen Ideen, der beste Kenner des Verfassungsrechts, der erst nach der Revolution an die Stelle berufen wurde, die ihm als einzigem zukam, das Verfassungswerk der deutschen Republik zu schaffen, und der ebenfalls noch die Tragödie seines Lebens erlitt, daß das ersehnte unitarische Deutschland ein schöner Traum bleiben mußte. Jüdinnen im deutschen Sport Das Hamburger „Israelische Familienblatt“ bringt in seiner letzten Nummer die Abbildung der acht hervorragendsten Vertreterinnen des deutschen Damensports. Unter ihnen sind drei Jüdinnen: Frl. Lilly Henoch, die 7fache deutsche Meisterin im Kugelstoßen und Besitzerin des „Goldenen Adlers“, der höchsten, Auszeichnung, die der Berliner Sportklub vörleiht; Frau Margarete Samek, eine der besten deutschen Golf Spielerinnen; Frau Neppach, die deutsche Meisterin im Tennisspiel. Vor einigen Wochen hat bekanntlich die Tennis- Weltmeisterin Mlle. Süzanne Lenglen in Wien ihre Weltmeisterschaft in einem spannenden Kampfe mit Frau Neppach erneut errungen. Auch die Weltmeisterm Lenglen ist Jüdin. Die „Wiener Morgenzeitung“ hat Frl. Lenglen nach diesem Siege nahegelegt, in einen jüdischen Sportverein einzutreten und sich in den Dienst des jüdischen Sports $u •Stellen. . —• ^V!