Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 47 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 873 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 47 Das Jüdische Echo 873 in e t h L e j i s r a e 1, der Jüdische Nationalf o n d s. Lloyd George, seit Jahren ein warmer Freund der zionistischen Bewegung und des aufstrebenden jüdischen Nationalheims in Palästina, kennt die sozialen Bestrebungen der Zionistischen Organisation und des ihr angegliederten Keren Kajemeth genau. Er hat für das kommende Frühjahr seinen Besuch in Palästina angekündigt, um diese seine Kenntnisse an Ort und Stelle noch zu bereichern. Es ist kein Zweifel, daß die Erfahrungen, die er in Palästina sammeln will, auf seine großen Bodenreformpläne nur fördernd einwirken werden. Dieses lebhafte, warmfühlende Interesse am Aufbau des jüdischen Nationalheims beschränkt sich aber keineswegs auf liberale Politiker. Auch die Arbeiterführer Snowde n, vormals Schatzkanzler, und Mac Donald, Premier des Labour-Kabinetts, haben die Entwicklung Palästinas studiert und sich begeistert zu den zionistischen Reformen bekannt. Und von den konservativen Politikern seien nur Lord B a 1 f o u r , der Großsiegelbewahrer, und A m e r y, der Kolonialminister im derzeitigen englischen Kabinett, genannt, die auf Grund persönlicher, erst vor kurzem in Palästina gemachten Wahrnehmungen für das jüdische Nationalheim einstehen. So bietet sich der günstige Aspekt, daß die Bodenreformpläne auf einem recht entlegenen und kleinen Gebiet des englischen Einflußgebiets, wie es Palästina ist, geeignet und bestimmt erscheinen, auf die Politik Englands seihst anregend einzuwirken. Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). Der II. November in Jerusalem Heuer feierte Jerusalem den Waffenstillstandstag, der dem größten Schlachten aller Zeiten Einhalt gebot, überaus prächtig, wie es sich eben für ,,Die Friedensstadt“ geziemt. Denn eine Friedensstadt war Jerusalem nicht nur zur Zeit der Bihel und der großen Propheten, sondern ist sie auch jetzt. In allen Nachbarstaaten und auch in anderen Ländern lodert die Flamme des Streites und des Hasses, während Palästina jetzt das einzige ruhige Land in der ganzen Umgehung ist, in der sich auch die beiden semitischen Völker, die Araber und die Juden, langsam aber sicher aussöhnen. Ich will nicht von den Festreden in den Kirchen und Synagogen berichten, sondern nur vom Aufmarsch der Soldaten der aufgelösten jüdischen Legion,. Der „Russische Platz“, der Mittelpunkt Jerusalems, dessen Gebäude einst der Zarenregierung gehörten, jetzt aber der palästinischen als Gerichtshäuser und Gefängnisse dienen, wurde als Sammelplatz aller ehemaligen jüdischen Soldaten durch den Soldatenklub „Menorah“ bestimmt. Und zur festgesetzten Stunde waren schon alle, die den großen Weltkrieg aktiv mitgemacht halten, beisammen; aber auch das schaulustige Publikum war anwesend. Als nun auch alle Offiziere der jüdischen Legion, unter denen auch Edwin Samuel, der älteste Sohn des gewesenen High Commissioners, kamen, wurden die Soldaten, die an der Seite Großbritanniens Palästina erobert hatten, in Beih und Glied aufgestellt. Viele haben schon in den Jahren ihres Freiseins die militärische Disziplin und auch die Kommandorufe vergessen, aber nach und nach gewöhnte man sich wieder daran, und schon nach einer Weile standen an Stelle der in Unordnung Stehenden gerade Reihen von Männern, denen man es ansah, daß sie die englische militärische Disziplin gelernt hatten. Die Uniform, ähnlich der englischen, nur mit dein Davidsstern auf dem Arm, trugen jetzt nur die gewesenen Offiziere, während die anderen in Zivil gekleidet waren, aber auf der Brust Medaillen hatten. Fast alle hatten Ehrenabzeichen, goldene und silberne Medaillen, die lustig in der Sonne schimmerten. Plötzlich ein Kommandoruf und alle stehen stramm, während das Publikuhi flüsternd nach einer Seite blickt. Feldmarschall Lord Herbert Plumer, der jetzige High Commissioner Palästinas, kommt, trotz seines hohen Alters grad und aufrecht einherschreitend. Nach der üblichen militärischen Begrüßung durch die Offiziere, schreitet er die Front der in Beih und Glied Stehenden ab. Man merkt, der Oberkommissar, jetzt ganz Soldat, ist zufrieden. Vor einem mit Medaillen bespicktem ehemaligen Soldaten bleibt er stehen, und nachdem er alle Ehrenzeichen betrachtet hat, bittet er den Soldaten, in den nächsten Tagen zu ihm zu kommen, was der so Geehrte mit schwer unterdrückter Freude militärisch quittiert. Wahrscheinlich will der High Commissioner nach dem Grund so vieler Ehrenzeichen fragen. Wie ich hörte, verdient auch dieser jüdische Soldat diese Ehre, denn von Amerika hat er sich freiwillig, wie alle Soldaten der jüdischen Legion, gemeldet, und hier eine sehr schwere Schlacht mitgemacht. Er und einige Kameraden sind auf einem Posten von Feinden angegriffen worden, und nach einer schweren Schlacht konnte er^ sich als einziger vor der Übermacht des Feindes retten, während alle anderen gefallen waren. Nachdem nun der High Commissioner eine kurze Bede gehalten und wieder erinnert hatte, daß England niemals vergessen werde, daß die Juden so viel Opfer gebracht und Großbritannien bei der Eroberung Palästinas geholfen hatten, und dieses ins Hebräische übersetzt worden war, setzte sidh der Zug in Bewegung. Natürlich nach kurzen Vötbereitungen und Kommandorufen. Durch die Straßen Jerusalems, die vor 8 Jahren eben diese Befreier, aber mehr an Zahl, durchzogen hatten, ginif es zum Soldaten-Friedhof auf dem Skoptusberg. Aber diesmal war der Anführer nicht Lord Allenby, unter dessen Führung Palästina erobert wurde, und auch nicht Wladimir Jahotinsky, dem die jüdische Legion ihr Entstehen zu danken hat, sondern Colonel-Lieutenant Kish, der Oberst an der französischen Front war und jetzt Vorsitzender der Zionistischen Exekutive in Palästina ist. Voran gingen die jüdischen Boy-Scouts, riesige Kränze, mit blau-weißen Bändern geschmückt und schwarz umrandet, tragend, und zu seiten und hinter den Marschierenden das Publikum. — Auf dem Soldaten-Friedhof hielt der ehemalige Feldrabbiner eine kleine Ansprache, und nach einem kurzen Gebet wurden die Kränze unter dem Kreuz in der Mitte des Friedhofs und unter dem Davidstern, denn hier sind sowohl christliche wie auch jüdische Soldaten beerdigt, gelegt. Dieser Friedhof ist in musterhafter Ordnung gehalten. überall blühende Blumen aller Farben und grüne Sträucher. Tn Reih und Glied, wie sie als Soldaten standen, liegen jetzt die Gefallenen, über jedem Grab ein steinernes Mal, in das der Name jedes Soldaten und der Name seines Regiments eingegraben ist; bei den christlichen Soldaten außerdem ein Kreuz, bei den jüdischen ein „Mageen- David“, ein Davidstern. So ist der Waffenstillstandstag würdig gefeiert worden, kurz, aber schön und eindrucksvoll. J e r u s a 1 e m , Mitte November. A. B. R i v 1 i n.