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Das jüdische Echo · 1925-11-20 · 47 (20.11.1925) · p. Seite 872

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
47 (20.11.1925)
Date
1925-11-20
Page
Seite 872 (sequence 4)
Language
German
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872 Das Jüdische Echo N r 47 Lloyd George auf dem Kriegspfad David Lloyd George, vormals Premierminister von England und neuerdings Führer der wiedervereinigten liberalen Parlamentspartei, hat am 17. September durch eine große Rede vor dreißiglausend zu Killerton Park in Devonshire Versammelten eine neue Bodenreformkampagne eingeleitet. Das ist eine bedeutsame Tatsache, an der die Öffentlichkeit auch außerhalb Englands nicht Vorbeigehen kann. Denn es ist derselbe Lloyd George, der schon 1910 durch seine leidenschaftliche Agitation eine mächtige Bodenreformbewegung im ganzen Inselreich entfesselt hat. Sie trug ihm damals die heiße Verehrung der aufgerüttelten Massen und den Haß aller durch die Bewegung in ihren Interessen Bedrohten ein. Vor allem war es die konservative Partei, von je die Interessenvertretung der Tories, der Grundherren, die sich gegen die Pläne des „Walliser Teufels“ wandte. In seiner Eigenschaft als Staatskanzler strebte er nämlich nicht weniger an, als die „reine Grundwertsteuer“ einzuführen, das heißt vom Ertrag des Bodens alles wegzusteuern, was nicht das Ergebnis der Bodenbearbeitung ist, sondern nur der Ausfluß des nackten Besitzes an Boden, des Bodenbesitzmonopols. Es gelang schließlich den Konservativen, die Pläne Lloyd Georges zu sabotieren. Als sich nach Kriegsausbruch Konservative und Liberale zur Regierungskoalition zusammenschlossen, an deren Spitze eben Lloyd George trat, schob er selbst seine Pläne beiseite. Doch alsbald nach Friedensschluß zerfiel die Koalition. Zur Macht kamen zunächst die Konservativen, dann im jähen Aufstieg die Labour-Party, und dann kamen bald genug wieder die Konservativen ans Ruder. Die Liberalen aber, an die letzte Stelle gerückt, sanken immer tiefer. Dabei zeigt die Arbeiterpartei, statt mit den Liberalen als Oppositionsgenossen zusammenzugehen, eher Neigung, mit der konservativen Regierung zu paktieren; so kürzlich, als die Labour-Party dem Regierungsvorschlag beistimmte, durch Staatssubvention den Kohlengrubenbesitzern die Befriedigung der streikenden Bergarbeiter zu ermöglichen. Nun holt Lloyd George anscheinend zum mächtigen Gegenstreich aus; dabei beteuert er freilich, daß es sich ihm bei der Bodenreformaktion nicht um ein Parteiunternehmen, sondern um einen auf wissenschaftlichen Forschungen beruhenden Rettungsvorschlag handelt, um den sich ganz England scharen soll. Der kleine Mann in seiner unverwüstlichen Lebenskraft weiß ganz genau, wo das englische Volk am besten zu packen ist. Nach dem Inhalt seiner Agitationsrede von Killerton, wie sie von den englischen Blättern wiedergegeben wird, verfolgt Lloyd George seinen alten Plan, den aus Monopolbesitz stammenden Grundwert den Grundbesitzern abzunehmen, weiter, jedoch auf einem neuen originellen Weg. Diese Quote soll nicht mehr aus den Bezügen des Grundherrn weggesteuert werden; vielmehr wird der Pächter von der Zahlung der betreffenden Pachtquote von vornherein befreit und hat den Rest des Pachtgelds nicht an den Grundherrn, seinen bisherigen Verpächter, sondern an den Staat abzuführen; dafür garantiert der Staat den Grundherren die regelmäßige Auszahlung der reduzierten Pachtbezüge. Jedenfalls geht es gegen den Großgrundbesitz. „Es muß“, wie Lloyd George wenig freundlich sagte, „gegen die Besitzer eingeschritten werden, die ihren Boden vernachlässigen oder die Raubbau treiben und die dadurch der Nation Lebensmittel, Gesundheit, Arbeit und Wohlstand entziehen.“ „Der Großgrundbesitz hat bankerott gemacht“, denn England kaufe jährlich im Ausland für mehr als 400 Millionen Pfund Lebensmittel und Nutzholz, wovon es einen Großteil auf eigenem Boden erzeugen könnte, wenn sich statt Wald und Weide der Landherren wieder Feld und Garten der Kleinbauern ausbreiteten. Der Staat müsse allerdings diesen Kleinbauern durch Kredite zu Hilfe kommen, damit sie weite Bodenflächen durch Entsumpfung, Bewässerung auf Aufforstung aufbessern könnten. Eine gewaltige Aufgabe, da doch von den 9 Millionen Acres aufforstbaren Bodens in England nur zwei Millionen bewaldet sind. Diese Bodenreformpläne, die dem Schutz des Mittelstands dienen, liegen ganz im Geiste der liberalen Traditionen, die' einen Cobden, Peel und Gladstone und nicht zuletzt den großen amerikanischen Bodenreformer Henry George zu Wortführern zählen. Wahrlich, das sind Parolen, die zünden können und werden. Man erwäge nur, welche Unzufriedenheit in England durch die Ausfuhrkrise, den Arbeitsmangel und die Wohnungsnot herrscht und daß der Großgrundbesitz so vielen englischen Bürgern den Zutritt zum Boden und zur Produktion von Lebensmitteln sperrt. Nach einer Anfang 1924 vorgenommenen Schätzung sind von den 37 Millionen Acres englisch-wallisischen Bodens mehr als ein Siebentel im Eigentum von 422 Pairs. Dabei beziehen anderthalb Millionen Engländer Arbeitslosenunterstützung. Liegt es da nicht näher, ihnen im Mutterland Arbeit und Brot zu verschaffen, als sie nach Kanada und Australien zu verschicken. Lloyd George kann sich bei seiner Bodenreformaktion auf das Beispiel so mancher aufstrebenden englischen Dominien, so vor allem auf A us t r a 1 i e n und Neuseeland stützen, wo fortgeschrittene Regierungen segensreiche Bodenreformgesetze durch Einführung der reinen Grundwertsteuer geschaffen haben. Lloyd George wird aber auch nicht verfehlen, auf die wichtigen Erfahrungen hinzuweisen, die in dem englischen Mandatsgebiet Palästina erzielt worden sind, zwar nicht von der Mandatsregierung, wohl aber von der zur Wiederaufrichtung des jüdischen Nationalheims mitberufenen Zionistischen Organisation. Diese verfolgt eine Bodenpolitik, die an Entschlossenheit und Folgerichtigkeit weit über das in irgendeinem andern Lande Versuchte hinausgeht. Die Zionistische Organisation strebt nichts weniger an, als das Privateigentum an Grund und Boden nach Möglichkeit auszuschalten und an seine Stelle das Eigentum der Volksgemeinschaft zu setzen. Dies geschieht nicht aus irgendeinem revolutionären Dogmatismus heraus, sondern auf Grund der klaren Erkenntnis, daß der Boden wegen seiner ein für allemal beschränkten Größe unter den Produktionsmitteln eine ganz eigenartige Stellung einnimmt und daß das Privateigentum an Boden sich als Monopol des Besitzers darstellt. Schon das alte mosaische Gesetz hatte es den Juden eingeschärft, daß nur das Eigentum der Volksgemeinschaft, als deren Repräsentant Gott galt, den Schutz gegen Mißbrauch des Bodens gewährleisten kann. Natürlich will die Zionistische Organisation diese Bodenreform nicht oktroyieren, zumal ihr ja die Staatsmaschine nicht zur Verfügung steht, vielmehr führt sie allmählich privaten Boden durch Kauf in Volkseigentum über. Das Instrument dieser Bodenpolitik der Zionistischen Organisation ist der von ihr schon 1901 gegründete Keren Kaje-

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