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Das jüdische Echo · 1925-11-20 · 47 (20.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
47 (20.11.1925)
Date
1925-11-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 47 20. November 12. Jahrgang Der Kampf um München erwartet den Vortrag Kurt Blumenfelds. Das ungeheure Werk, die Erneuerung eines Volks, der Aufbau einer neuen Wirtschaft auf dem Boden einer neuen Daseinsgestaltung, soll dort aufgesucht Werden, wo die Grenzen fließend sind und in der Vielheit aller möglichen Gesichtspunkte der Wille kraft seines eigenen Rechts einen einzigen und bestimmten wählt und von diesem aus. sein Ziel umreißt. Das klar bestimmte Ziel eines bestimmten Willens kann nur kämpfend erreicht werden, da sich ihm alles andere Wollen widersetzt, und sei es auch nur das einer unbestimmten dumpfen Trägheit. So ist Zionismus nur als Kampf lebendig, als inner jüdisch er um die Durchsetzung des Nationalgedankens, des Gedankens von der Rettungskraft des ehrlichen, sichtbaren Zusammenhalts, und als über den Kreis des jüdischen Volks hinausgehender um die Verwirklichung des völkerrechtlich anerkannten Anspruchs des Palästinagedankens. Das eine Ziel dieses Kampfs führt in das laue Dunstgebiet jüdischer Ideologien, die der Vergangenheit angehören, aber noch ihre letzten Kräfte zu sammeln trachten und sich im Kampf des Rückzugs über das eigene Sterben hinwegtäuschen wollen. Hier ist nicht das nationaldeutsche Judentum der Leute um Naumann als Gegner gemeint; der tolle Krampf ist viel zu lächerlich und irrsinnig, als daß er gefährlich sein könnte. Auch die Orthodoxie ist nicht gefährlich, hat man die Dauer und Lebensstärke des jüdischen Volks als solchen vor Augen; sie ist alt, und kein Orthodoxer kann sich ruhigen Herzens dafür verbürgen, daß seinen Weg, wie e r ihn will, Söhne und Enkel noch gehen werden. Das aber ist der große Gegner, groß, da er zahlreich ist, der große Krumme, der sich für alles einsetzt und für nichts begeistert und besonders nicht für jüdische Dinge, da er in diesen Neutralität für möglich hält; die Neutralität ist der Gegner, besonders die dem Zionismus gegenüber bewaffnete Neutralität philanthropischen Wohlwollens. In Deutschland heißt dieser Gegner Central-Verein. Es ist so merkwürdig,, da sich Leute, die sich aufrechte Juden nennen, die Erkenntnis nicht erlauben wollen, daß Neutralität nicht vom eigenen Willen abhängt, sondern auch anerkannt sein muß. Bei einer Christenverfolgung durch Römer konnten Juden neutral bleiben. Sie können es bei einem Armenier- oder Griechengemetzel, das Türken veranstalten. Glaubt aber ein Deutschland-Jude, der sich „deutscher“ Jude nennt, daß ihm seine deutsche Staatsbürgerschaft bei einem Pogrom in Polen Neutralität ermöglichen und ihn schützen könnte? Eiihlt er nicht, was die Ehre von ihm fordert? Der den Zionismus Central-Verein glaubt, deutsch sein zu können, wenn er sich dem aufrichtigsten, einfachsten und natürlichsten Gedanken, den die jüdische Gegenwart hervorgebracht hat, dem zionistischen, versperrt. Wenn deutsch sein, wahr sein heißt, wie man sagt, ist das nicht deutsch; und daß es jüdisch sei, kann man schließlich auch nicht zugeben. Der Kampf mit den verschiedenen jüdisch-nichtzionistischen Ideologien führt zu den Problemen jüdischen Daseins innerhalb der staatlichen und nationalen europäischen Gemeinschaften, den Problemen jüdischer Arbeit innerhalb kämpfender und innerhalb ans Ruder gekommener Parteien. Der Kampf um den Zionismus, rings um ihn, der Kampf sozialistischer und nationalistischer Strömungen, deren geistige Verarbeitung innerhalb der zionistischen Idee, das alles wird Gegenstand des Vortrags werden, da sich der Wille, der seine Sendung kennt und stets bereit ist, sich vor dieser zu verantworten, nur im Rahmen, nur auf dem festen Boden der Erkenntnis am Platz fühlen kann. Erst hier kann dieser Wille — und Zionismus ist Wille, der vom Erkennen herkommt — sein Programm entwickeln. Das Programm des Zionismus, das Blumenfeld zu geben verspricht, muß vom einen Kampfziel der Lösung des innerjüdischen Organisationsproblems zum zweiten hinüber greifen, zu dem der Lösung des Kolonisationsproblems, der Palästinafrage im eigentlichsten und aktuellsten Sinn. Das, was daher ferner zu erwarten ist, ist die ausholende Darstellung der englischen und französischen Orient- und Mandatpolitik; der Verhältnisse in Palästina, Syrien, dem Ostjordanland und Irak; der inneren und äußeren Entwicklung des jüdischen Nationalheims, bedingt durch die neuen Menschen, die infolge der politischen und wirtschaftlichen Krisen in Europa und Amerika nach Palästina kommen upd alle Fragen, die ihre Klassenlage aufwirft, ins Land einschleppen. Als einer der gründlichsten Beherrscher der Gesamtmaterie in Deutschland wird Blumenfeld dem Zionisten ermöglichen, den Komplex der zionistischen Problemkreise, einheitlich gegliedert, durch ein Temperament gesehen, mit dem des eigenen Weltbilds zu vergleichen und dieses zu klären und zu stärken. Dem Nichtzionisten, der ein ernster Gegner sein will, wird das in durchdachtester Form geboten werden, wogegen er sich wehren will, das Programm des Zionismus; erst muß er es kennen, und nur dann ist Gegnerschaft ernst und zu achten, wenn sie hören, lernen und nicht um jeden Preis dauern will. J-

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