Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 46 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- Seite 857 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 857 8. Und er konnte nicht reden vor allein Volk, wenn sie ihm zusahen und ihrer viele waren. Und er sah seinen Bruder Adonia, daß er es konnte, aber er neidete es ihm nicht. 9. Mochte Adonia sitzen an seiner Statt auf dem Stuhl, der da aufgerichtet war über Israel und Juda von Dan an bis gen Beerseba! Mochte er seinen Mutwillen treiben mit den Weibern und gram sein den Geschäften der Herrschaft! Was verschlug’s! Hätt er doch Kanzler und Bentmeister, Amtleute und Schreiber die Fülle! 10. Salomo aber wollte allein sein und er war allein mit seinen Priestern und Weisen. 11. Und sein Tag war still und brachte ihm nichts, weder Gutes noch Böses. Das 3. Kapitel. Und es traf sich, da Salomo im Garten ging mit dem Boten des Königs zu Babel, der da gesandt hatte eine Truhe voll irdener Tafeln, worein, gegraben war von Freunden und Meerfahrten und einer großen Flut, daß er in der Häuser einem, da die Baumputzer wohnten, eine Dirne sah im Tor sitzen. 2. Und siehe, sie war jung und ihr Haupt war golden. 3. Und es geschah des andern Tags, daß er sie wieder sah im Tor sitzen, da er im Garten war und allein ging. 4. Und sie gefiel seinen Augen und war zart wie der Tannensprößlinge einer und Schönheit war bei ihr. 5. Und es trieb seine Zunge, daß er anhub und fragte, wie sie heiße. 0. Und sie lächelte und sprach: Deine Magd ist Abisag, die Tochter Joels, des Kamelsattelmachers zu Sunem. 7. Und sie gingen im Garten. 8. Und sie sagte ihm an, was sie wußte, und verschwieg ihm nichts, und ihr Wort war von leichten Füssen wie die Zickel der Berge. 9. Und da sie sprach vom Esel des Freundes des Amtmanns des Königs und der Sache, die ihr Vater hatte, daß der König ihm zum Recht hülfe, war ein Freuen in Salomo und er sprach, daß er schreiben werde an die Richter des Königs. 10. Und Abisag ward stolz in ihrem Herzen, daß die Spießträger und Wächter der Mauern starr standen wie erzene Säulen, da sie des Jünglings gewahrten an ihrer Seite. 11. Er aber redete nichts und sah sie an und trug Freude im Herzen. 12. Sie aber sprach: Ist mein Herr krank oder traurig? 13. Da rief er: Nein! Froh bin ich und war noch nie froh wie heute! 14. Und dann schwieg er wieder. 15. Und die Maulbeerbäume und die Feigenbäume und die Eichen am Brunnen und alles war sehr schön im Garten des Königs David, und war kein Mensch im Nahen. Und die Sonne war aufgegangen am Morgen ohne Wolken und war Glanz in der Luft und Bienensummen auf allen Wegen und es war sehr heiß. 16. Und Abisag sehnte sich in ihrem Herzen, daß er sie anfasse. 17. Er aber tat nichts und sah ernst und sprach, daß er nicht schwiege, von Tieren, die im Sumpf krochen und im Wasser waren in Höhlen, und von Kräutern, die im verborgenen wuchsen. Und das war alles. 18. Sie aber sprach, daß sie müde sei, und kehrte an ihren Ort. . . 19. Und es begab sich, daß er sie führte in des Königs Saal, da der Sangmeister die Knaben unterwies, zu singen und das Horn zu erheben. 20. Und da sie hörte der Knaben Sang und sah, wie sie tanzten, sprang Freude in ihr Antlitz, und sie war schön von Angesicht und zitterte und fragte: Ist meinem Herrn in ihren Liedern auch Glück? 21. Salomo aber sprach: Nein. Lieder kommen aus hüpfenden Herzen; ich weiß, wie die Sterne gehen am Himmel, sie hüpfen nicht und es ist Schweigen in ihren Wegen. 22. Da fror ihr Blut und sie sprach in ihrem Herzen: Der Mann ist unsinnig. Das 4. Kapitel. Ihm aber war krank sein Sinn, als wollte er sterben. 2. Seine Seele war in ein Netz geführt und er atmete schwer des Nachts, da kein Schlaf wollte auf ihn fallen. 3. Und er ging am Haus vorüber, da die Baumputzer wohnten; sie aber sah er nicht, und sie saß nicht im Tor weder des dritten Tags noch deis vierten Tags. 4. Und ein Harren auf sie und ein Suchen nach ihrem Goldhaar war in ihm und war kein Aufhalten. 5. Da schrieb er einen Brief und sandte ihn durch seiner Knaben einen, daß er ihrer warte, um den Abend unter der Palme im Ölgarten hinter dem Felsen. 6. Sie aber kam nicht und sein Herz ward grämlich. 7. Und es geschah, als er dann vorüberging am Haus, da die Baumputzer wohnten, daß er sie sah, sie und Adonia, und sie küßten sich miteinander und lachten miteinander. 8. Sie aber sah ihn auch und wandte langsam die Schultern, daß sie ihr Antlitz verberge, und es zuckte in ihren Knien, daß ihr Wuchs kleiner würde; und sie glaubte in ihrem Herzen, daß er nichts merke, da es düsterte und er starr und grade hielt sein Antlitz im Vorübergehen. 9. Er aber merkte wohl. 10. O, Abisag! Ich achtete dich groß in meinen Augen und siehe, es will zusammenbrechen. 11. Und Salomo wußte nicht, was er sollte tun. Das 5. Kapitel. Abisag aber saß im Tor des andern Tags und ihre Stirn war heiter, da er sich zu ihr tat. 2. Und Salomo frohlockte dem- Herrn, daß er sicher war und lächeln konnte, und fragte dann; Wo warst du die Tage immer? 3. Und sie antwortete und sprach: Krank war ich; auch gestern war ich krank, daß ich nicht kommen konnte zur Palme im Ölgarten hinter dem Felsen. 4. Gestern auch? Gestern wohl nicht mehr? 5. Doch! Auch gestern! Auch heute bin ich krank! 6. Und er sah sie an und ihre Stirn war heiter und sein Herz entfiel ihm und er redete nichts. 7. Und da er war in seiner Kammer, trieb es ihn, daß er ausschöpfe ihr Herz; und er schrieb einen Brief an sie: 8. Deine Schultern wandten sich und es zuckte in Deinen Knien. Das aber warst nicht Du, das war ein Ausgleiten Deines Bluts. 9. So warf er ihr ein Seil zu ins Wasser. 10. Sie aber sah kein Wasser und sie bedurfte keines Seils und war nur ärgerlich in ihrem Herzen; und sie dünkte sich klug, da sie antwortete: 11. Deine Magd ist unkundig Deiner Sprache und versteht sie nicht.