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Das jüdische Echo · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · p. Seite 858

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
Seite 858 (sequence 10)
Language
German
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858 Das Jüdische Echo Nr. 46 12. Salomo aber mußte ausgehen seinen Weg und er schrieb den zweiten Brief: 13. Bin ich unsinnig? Sind meine Augen dunkel, daß ich nicht sehen kann, oder gehen Gespenster an der lichten Sonne, die da aussehen wie Du und Adonia? Was soll ich glauben? 14. Sie aber antwortete: 15. Mein Herr glaube, was seinem Herzen gefällt. Das 6. Kapitel. Das Schwert stak in seinem Leib und es fraß ohne Ende. 2. Er aber wollte von sich tun die fremde Trübsal und sein Herz richten zu den Tafeln, die er hatte in seinen Truhen und Spinden. 3. Und er breitete sie aus um sich und faßte die Pflugschar seines Herzens an mit beiden Händen und grub sie in steinichtes Erdreich; sie aber splitterte. 4. Aus allen Zeichen sprang ihm auf ein Haupt, das er kannte. 5. Die Dirnen zu Jerusalem waren schwarz alle; das Haupt aber sah ihn an aus goldenen Locken und ohne Gütigkeit. Straff war die Haut und er wußte nicht, was hinter ihr war, Eis oder Glut oder Torheit, und grün schimmerten die Augen wie die Waldfliegen, die da schwärmen um Wunden und tote Männer. 6. Und es sprach: Was ist mir Salomo? Ein Tier, das im Sumpf kriecht und im Wasser ist in Höhlen, ein Kraut, das im verborgenen wächst. 7. Salomo aber schrie zum Herrn: Sie ist hart und boshaft in ihrem Herzen; was ficht sie mich an! Laß sie froh wandeln in ihrem Weg! Mich aber laß ruhig wohnen in meinem Haus! 8. Das Schwert aber stak in seinem Leib und es fraß ohne Ende. 9. Und es begab sich, daß er sich hinschleppte und tat, was er nicht wollte, und er mußte es tun. 10. Da der Tag am kühlsten war und der Abend rauchte und einherging auf den Blättern der Akazien, trat er sie an; und er tat, was er nicht wollte, und er mußte es tun. 11. Er fiel auf sein Antlitz zur Erde und beugte sich nieder und schrie zu ihr: Sieh mich an, Abisag! Laß mein Gestöhn vor dich kommen zu deinen Ohren! Gib mit die Bitte — die eine! —, die ich von dir bitte: Laß mich dich anders sehen in meinem Herzen! 12. Sie aber wandte die Schultern, daß sie von ihm ginge, und verachtete ihn und sprach: Dazu tu ich nichts. 13. Da fielen Fluten über ihn her und er entrann und ein Lachen war aus allen Lüften her in seinen Ohren und im Laufen schrie er zu allen Sternen: 14. Herr, Herr! Laß deine Hand hart werden über sie, daß Beulen ausbrechen an ihren Lippen, denn sie weiß nicht, was das ist, ein Wort; daß es sein kann wie ein tröstlicher Duft und daß es sein kann wie eiserne Sägen und Zacken und siedendes öl. Keine Sünde hab ich wider sie gedacht; nach meinem Herzen hab ich mir ersucht, daß sie mir freundlich sei mit den Worten ihres Mundes. . . . Dazu tu ich nichts! Und sie stieß mich mit ihren Füßen um Adonias willen, des Prassers und bärtigen Klotzes! Was nützt es, daß über mir soll blühen die Krone Davids, da ich bin stinkend geworden vor einer Dirne von Sunem, die da nichts hat als Goldhaar und schmale, weiche und süße Hände? . . . O, Abisag! Mit Zittern sollst du kommen aus deinem Haus und sollst klein werden vor deinen Augen! . . . 15. Und es geschah des andern Tags, daß sich Joel aufmachte und hinaufzog gen Sunem, er und sein Haus; er mußte fort, ob ihm gleich zum Recht noch nicht geholfen war, denn es hatte ihn geheissen der Schreiber des Feldhauptmanns achthundert Kamelsättel fertigen für des Königs Berittene zu Jesreel. Das 7. Kapitel. Seit der Zeit aber war ein anderer Geist geraten über Salomos Herz. 2. Er brütete dumpf und trug Leid um den Frieden, der erstorben war in seiner Seele. 3. Des Nachts im Traum aber schlug er um sich mit Peitschen und Skorpionen, und er träumte den Traum des Tags und erwachte nicht mehr. 4. Auf sein Antlitz war er zur Erde gefallen und hatte sich im Staub gewälzt vor den Füßen dieser Dirne von Sunem! 5. Und er konnte dieses Bildes nicht vergessen und wollte es ausbrennen aus seinem Blut. 6. Gekrümmte Rücken wollte er sehen und hinschlagende Stirnen! Und sein Wort war ein Keil und sein Befehl wie ein Schwertstreich. 7. Und die Weisen, die da dienten um ihn, sprachen: Wir kennen ihn nicht; er ist krank. 8. Sein Auge aber war licht und er sah, was er wollte, und Bethseba lachte in ihrem Herzen, daß er jetzt sah die Krone und den Stuhl Davids. 9. Und er trieb seine Sache mit den Männern, die ihm anhingen, und David war schwach, und seine Hand war mit ihnen. 10. Und sie setzten Salomo auf das Maultier des Königs und führten ihn hin und salbten ihn zum König für David. 11. Und der war alt und wohlbetagt und konnte nicht warm werden, ob man ihn gleich mit Kleidern bedeckte. 12. Da sprachen seine Knechte zu ihm: Laßt sie meinem Herrn, dem König, eine Dirne, eine Jungfrau, suchen, die vor dem König stehe und sein pflege und schlafe in seinen Armen und wärme meinen Herrn, den König. 13. Und da Salomo hörte, was sie sprachen, rauschte es auf in ihm, und er jauchzte in seinem Herzen, denn der Tag war da, da sie mit Zittern sollte kommen aus ihrem Haus und sollte klein werden vor ihren Augen. 14. Und er schrieb den Brief an den Amtmann zu Sunem: 15. Du kennst Joel, den Kamelsalteimacher, der da gesprochen hat wider Dich vor des Königs Rat. Laß seine Tochter greifen und schaffen gen Jerusalem zu des Königs Dienst. 16. Und er versiegelte den Brief und sandte ihn durch seiner Knechte Obersten und ließ ihm aufzäumen seiner Renner schnellsten und trieb ihn und konnte nicht warten. Das 8. Kapitel. Und da Abisag von Sunem geschmückt war und vorbereitet, daß man sie hinführe zu David, standen im Vorgemach Salomo, Adonia; Joab, der Feldhauptmann, und der Vornehmsten etliche. 2. Da Abisags Augen stießen auf Salomo, fiel Wissen in ihr Herz und es schwankte ihr Fuß. 3. Salomo sah nichts als Adonia und er starrte auf ihn und wartete, daß er erkennen werde das Weib, das verworfen hatte seinetwillen der Welt Behendstes Herz. 4. Adonia aber, der Schlemmer und Wollüstling, der Hundskopf, der spielte mit seinem Gürtel

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