Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 46 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- Seite 855 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 855 Nicht nur in Haifa und Tel Awiw haben wir Badebetrieb, sondern auch am Kinerelhsee. Dort wo der Landmann bei 47° im Schatten sein Feld bebaut, wo ein Schluck kühles Wasser als eine wirkliche Gabe Gottes betrachtet wird, herrscht auch oft ein frohes Treiben. Den von wilden Bergen umgebenen See in einer Vollmondnacht zu sehen, zählt zum Schönsten, was man in Palästina zu sehen vermag. Wenn der Mond hoch am sternbedeckten Firmament sein mildes silbernes Licht über die weite glänzende Wasserfläche ergießt und sich die Fische spielend aus dem Wasser schnellen, beginnt man zu träumen, von all dem Großem, von dem, was war, was ist und noch kommen wird. Eine wichtige Gabe der Mutter Natur in unserem Land ist noch nicht voll gewürdigt; das sind die heißen Mineralquellen bei Tiberias am Wege nach Samach. 62 Grad heiß, sprudeln diese Quellen aus dem Schoß der Erde, dem Kranken Heilung gebend, der sie, an Gicht oder Hautkrankheiten leidend, besucht. Sie enthalten Schwefel, Salz, Eisen und Chlormagnesium; das Wasser zu trinken, ist unmöglich es schmeckt zu ekelhaft. Mancher, der in diesen Bädern schon Heilung gefunden und sich mit neuer Kraft dein Aufbau hat zuwenden können, preist wie der Küstenbewohner sein Meer den sagenumwobenen Kinerethsee mit seinen wundertätigen Quellen. Aus der jüdischen Welt Das Jubiläum der Gemeinde Rothenburg, der Stadt der Märtyrer. Die jüdische Gemeinde in Rothenburg o. d. T. beging dieser Tage die Jubelfeier ihrer 50jährigen Wiedergründung, verbunden mit dem 50jährigen Ortsjubiläum ihres Lehrers, Herrn Moses Hofmann. Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover, Würzburg, hielt die Festpredigt in der Synagoge. Am Abend des Jubeltages versammelte sich die gesamte Kultusgemeinde zu einer weltlichen Feier. Der erste Vorstand, Herr Theodor Mann, begrüßte die greise Witwe Heymann, deren verstorbener Gatte der erste Jude war, der sich im Jahre 1870 wieder in Rothenburg niederließ. Hierauf feierte er die Verdienste des Lehrers Hofmann. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ bringt aus Anlaß des Jubiläums einen interessant illustrierten Festartikel, in welchem es u. a. heißt: „Wiedergründung! Denn die leider mit Blut und Tränen geschriebene Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rothenburg geht viel weiter zurück und reicht mindestens bis ins frühe Mittelalter. Bereits im Jahre 1180 wurde eines Juden von Rothenburg, Samuel Bischof, Erwähnung getan, der in Würzburg Zeugnis abzulegen hatte ... Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde schon so erstarkt, daß sie den bedeutendsten Rabbiner Deutschlands, Rabbi Meier ben Baruch, genannt Maharam, zu ihrem geistigen Führer berufen konnte.... Im Frühling des unglücklichen Jahres 1298 war gegen die Juden des fränkischen nahe bei Rothenburg gelegenen Städtchens Röttingen die Beschuldigung laut geworden, sie hätten eine Hostie geschändet; bald darauf erhob sich der Edelmann Rindfleisch und erklärte, er sei vom Himmel aufgefordert, an den Juden Rache zu nehmen.. In seiner Wut fiel das aufgereizte Volk in ganz Franken über sie her, 140 jüdische Gemeinden fielen ihm zum Opfer. Die in Rothenburg suchten sich in einem Turm und ihren Häusern zu verbarrikadieren, doch diese Zufluchtsstätten wurden gestürmt und angezündet; 500 der Unglücklichen starben eines grausamen Todes. In den Jahren 1299, 1355, 1397, 1519 war die Stadt Rothenburg wiederum Schauplatz grauenvoller Judenabschlachtungen und Judenaustreibungen. Erst im Jahre 1870 — genau 350 Jahre nach der letzten Vertreibung —- machten sich wieder die ersten Juden, Heymann und Strauß aus Niederstetten, in der einst so unduldsamen Stadt ansässig; 1875 waren es 8 Familien, die eine Kultusgemeinde gründeten.“ Kulturdebatte im Preußischen Landtag. — Die Rede des Ministers Becker. In der Sitzung des Preußischen Landtags am 3. November hielt der preußische Kultusminister Becker eine große Rede, in der er sich über den vielbesprochenen Reichsschulgesetzentwurf äußerte und u. a. sagte, keine Partei könne die andere zwingen, auf ihren Weltanschauungsboden zu treten, die konfessionslose, die konfessionelle und die interkonfessionelle Schule müssen als gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Jede Gemeinde hätte dann zu entscheiden, welches System sie haben will. Es müßte ein Weg gefunden werden, um die einheitliche Bildung auch auf die Volksschulen zu übertragen; dieser Weg ist durch die neue Lehrerbildung gefunden. Nicht nur aus innerer Überzeugung sei er (der Minister) dafür eingetreten, die Idee einer simultanen Akademie zurückzustellen; diese simultane Akademie würde eine Akademie für Evangelische, Dissidenten und Juden sein; einen Katholiken bekäme man nicht hinein. Der Minister kam dann auf den Fall Theodor Lessings an der Hochschule in Hannover zu sprechen und führte aus, daß er den Fall nur vom Rechtsstandpunkt behandelt habe und Lessing in seinen Rechten als Lehrer gegen die Auflehnung der Studenten geschützt habe. — Diese Ausführungen des Ministers wurden durch lärmende Gegenrufe der Deutschnationalen und Völkischen unterbrochen. Der Minister geriet in Erregung und hielt den Deutschnationalen vor, daß sie die Jugend in ihrer Presse und auch durch Organisationen, die sie mit Geld unterstützen, verhetzen. Das sei ein Mißbrauch. CAFE FÜRSTENHOF BESITZER: OTTO SEEL AND ER MÜNCHEN N E U H A U S E R ST R A S S E 21 * Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLA UE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT EIGENE KONDITOREI NACHMITTAG UND ABEND KONZERTE