Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 46 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- Seite 853 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 853 Palästinischer Brief In diesen Tagen gab es in Haifa einen Streik von symptomatischem Charakter: arabische Arbeiter streiken und verlangen den achtstündigen Arbeitstag, anstatt des bisher üblichen zwölf- bis vierzehnstündigen. Im ganzen Orient besteht bis zum heutigen Tag eine ungeheure Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft und vor allein der Arbeitskraft von Frauen und Kindern. Auch in Palästina war es damit nicht anders bestellt, bis sich die jüdische Einwanderung stärker bemerkbar machte. Der jüdische Arbeiter, aus Europa stammend und mit Zielen und Methoden der modernen Arbeiterbewegung Europas vertraut, lehnte es ab, sich auf den Standard of life des arabischen Arbeiters herunterdrücken zu lassen, und nahm vom ersten Tag an den Kampf um ein menschenwürdiges Dasein auf. In einem Land, wo es keinerlei Arbeiterschutzgesetzgebung bis heute gibt, gelang es den jüdischen Gewerkschaften, in den meisten jüdischen Betrieben vernünftige Arbeitsbedingungen zu erreichen und eine Beteiligung der Unternehmer an den Krankenkassen durchzusetzen. Allmählich begannen die Araber, von den Juden zu lernen. Schon vor einem Jahr wandten sich streikende arabische Arbeiter an die jüdische Gewerkschaft mit der Bitte um Unterstützung bei ihrem Lohnkampf. Langsam entstehen im Land arabische Arbeiterbildungsvereine und Klubs, und es scheint, daß die immer wieder geforderte arabisch-jüdische Verständigung zuerst bei der beiderseitigen Arbeiterschaft erreicht werden wird. Inzwischen hat der römisch-katholische Bischof von Haifa in einer viel bemerkten Sonntagspredigt seine Gemeinde gewarnt, dem zionistischen Beispiel zu folgen, sondern vielmehr wie bisher so lange zu arbeiten, wie es die Unternehmer verlangen würden. Nur so würden sie die Konkurrenz der Zionisten besiegen können. Diese Mahnung ist freilich ergebnislos geblieben, — die Unternehmer haben den Arbeitern den neunstündigen Arbeitstag zugestanden. Die Forderung nach einer Arbeiterschutzgesetzgebung wird seit Jahren erhoben, und die Richtigkeit dieser Forderung ist prinzipiell immer von der Regierung anerkannt worden, ohne daß aber bisher die Angelegenheit aus dem Stadium der Entwürfe und Gegenentwürfe herausgekommen ist. Umso bemerkenswerter ist es, daß sich der neue Oberkommissar von Palästina, Lord Plumer, bei seinem ersten Besuch in Tel Awiw nicht allein auf die Frage nach seiner Stellung zu einer Arbeiterschutzgesetzgebung positiv äußerte, sondern daß er sogar aus freien Stücken Tel-Awiwer Industriellen gegenüber betonte, daß in dieser Beziehung schnellstens etwas erfolgen müsse. Dieser Besuch Lord Plumcrs hat im ganzen einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen, weil Plumer unter völligem Verzicht auf die sonst bei derartigen Besichtigungen üblichen Reden und Feierlichkeiten die Stunden seines Aufenthalts wirklich bis ins Letzte ausgenutzt und sich von der Tel-Awiwer Industrie und von den öffentlichen Anstalten der Stadt ein Bild gemacht hat. Er sah die Ruthenbergsehe Elektrizitätsstation, die Möbelfabrik Goralsky-Krinitza, die Seifenfabrik Delphiner, die großen Textilfabriken sowie die Silikatfabrik und wird danach einen wirklichen Eindruck der industriellen Bedeutung Tel-Awiws bekommen haben. Von diesem Besuch abgesehen, ist ein Urteil über den neuen Oberkommissar noch nicht möglich. Einzelne Übergriffe der Polizei, die in den letzten Wochen Grund zur Beunruhigung boten, dürften nicht ihm in die Schuhe zu schieben sein. Ein großes Ereignis im aufblühenden palästinischen Leben, im wirtschaftlichen wie im sozialen, stellt die Tel-Awiwer Ausstellungsmesse dar, die aus vielerlei Gründen bemerkenswert ist. Ausstellungen palästinischer Produkte gab es schon häufig, man veranstaltete sie insbesondere aus propagandistischen Gründen im Ausland, um Interesse für Palästina zu erwecken. Dies ist der erste Versuch, den die palästinische Öffentlichkeit unternimmt, vor allem sich selbst Rechenschaft über das bisher Geleistete abzulegen. Man empfindet in Palästina in den letzten Jahren deutlicher als früher die Zusammenhänge mit dem nahen Osten, der unter ähnlichen klimatischen und sozialen Verhältnissen zu arbeiten hat wie Palästina und der vielfach als Abnehmer der jungen palästinischen Industrie in Frage kommt. Aus diesem Grunde hat man sich an die benachbarten Länder mit dem Vorschlag gewandt, an der Ausstellung teilzunehmen. Dieser Vorschlag ist durchaus in bemerkenswertem Umfang angenommen worden. Den Kern der Ausstellung bildet die jüdische landwirtschaftliche und industrielle Leistung. In zweiter Reihe stehen nichtjüdische arabische, englische, deutsche Firmen, die ihren Sitz in Palästina haben. Dann aber folgen ausländische Firmen, solche des nahen Orients und solche, die in besonders enger Geschäftsverbindung mit Palästina stehen, z. B. Maschinen oder Baumaterialien geliefert haben. Die Ausstellung, die täglich überfüllt ist, ist mit großem Geschick angelegt. Sie befindet sich in der Nähe des Bahnhofs und der Ruthenberg-Station auf dem Platz einer früheren Orangenpflanzung, von der Bäume genug stehen geblieben sind, um den Eindruck des Parkartigen aufrecht zu erhalten. Der große Hauptpavillon gibt vor allem einen auch den Kenner überraschenden Eindruck von der Mannigfaltigkeit und dem Umfang der jüdischen Industrie, vor allem Tel-Awiws und Haifas. Neben dem Hauptpavillon stehen zwei kleinere, sehr in- Die echt Butans* UMschuK Ph ilippopev Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Qualitätstabake