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Das jüdische Echo · 1925-11-06 · 45 (6.11.1925) · p. Seite 841

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
45 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
Seite 841 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 841 Vor Beginn der Gerichtssitzung vom 31. Oktober in Weimar teilte der Staatsanwaltschaftsrat Floel der Presse mit, der Oberstaatsanwalt Frieders werde der Sitzung nicht mehr beiwohnen, weil er einen anderen als den auf Einstellung des Verfahrens lautenden Antrag mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne. Man weiß nun, daß das Verhalten des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders nur das letzte Glied einer Kette von Zerwürfnissen mit seiner Vorgesetzten Behörde, d. h. der thüringischen Regierung, ist, der er seit geraumer Zeit unzulässige Einwirkungen in seinem Amtsbereich zum Vorwurf gemacht hat. Dreimal hat Frieders bereits das Disziplinarverfahren gegen sich beantragt; jetzt kann das Ausscheiden Frieders als eine vollzogene Tatsache gelten. Der Staatsanwaltschaftsrat Floel handelte mehr im Sinne der Regierung, indem er gegen Loeb ein Jahr und sechs Monate Zuchthaus und sofortige Verhaftung beantragte. Dieser Antrag weckte angesichts des Beweisergebnisses größte Verblüffung. Gegen Vorabend verkündete der Gerichtshof, der sich aus politisch weil rechtsstehenden Personen zusammensetzt, daß der angeklagte Loeb freigesprochen ist. Aus dem Publikum erscholl lebhafter Beifall; Loeb selbst brach erschüttert in Tränen aus. In der Begründung des freisprechenden Urteils führte der Gerichtsvorsitzende aus, es sei zweifellos festgestellt, daß Loeb subjektiv und objektiv die Wahrheit gesagt und beschworen habe. Der „Vorwärts“ schreibt: „Niemals in der Geschichte der deutschen Justiz hat es sich ereignet, daß sich der Chef feiner Anklagebehörde von der Vertretung der Anklage zurückzieht, weil er sie für ungerechtfertigt hält, während auf Anordnung der Regierung aus Tendenzgründen die Anklage weitergeführt wird. Hier ist der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß der Justizapparat zu politischen Zwekken mißbraucht worden ist.“ Literarisches Echo Eine werdende Welt. Reiseeindrücke aus Palästina von Hugo Herrmann, erschienen im Verlag Flesch, Prag 1925. — Das Buch enthält außerdem eine vom Verfasser entworfene Karte Palästinas. Palästina ist Mode geworden. Palästinareisen sind up to date. Die Bücher über Palästina mehren sich. So mag es damals gewesen sein, als man angefangen hatte, nach Italien und nach den nordischen Ländern zu reisen, als die Reisenden die Merkwürdigkeiten ihrer Wanderung aus eigener Freude aufzeichneten, daß sie Merkwürdiges zu berichten hatten, und zur Freude und Belehrung jener, die sich aus ihren Büchern unterrichten wollten über fremde Länder, die sie wohl nie besuchen würden. Denn Reisen war ein großes Wagnis, und man lebte ruhevoller in jener Welt. Aber der Vergleich mit jener Zeit stimmt nicht. Wir leben nicht ruhevoll, und Reisen ist kein Wagnis mehr. Und Palästina ist ein Land, das man heule nicht nur wegen seiner historischen Merkwürdigkeiten und der Seltsamkeit eingeborenen Lebens besucht. Und die Bücher, die von den Paläslinareisenden geschrieben werden, haben nur noch wenig gemein mit den kupfergeschmückten Reisebüchern vergangener Epochen. Jene Bücher waren Tagebücher, Beschreibungen der Reise, wenn auch bewußt geformt nach dem Geschmack und der Bildung des Verfassers, und sie wollten nicht mehr seirr, als der Titel versprach. Die heutigen Reisebücher sind anspruchsvoll, sie wollen eine bestimmte Note haben. Schon wenn man den Namen des Verfassers liest, weiß man, was zu erwarten ist, was der Schreiber sah, weil er es sehen wollte, was er nicht sah, weil er anderes suchte. Man weiß auch schon, ob man historische oder künstlerische Auffassung zu erwarten hat, religiöse oder soziologische, ob die Gestaltung wissenschaftlich oder feuilletonistisch sein wird. Und über der Note geht die unbefangene Hingabe an das Neue und Fremde verloren, der Blick für das bunte Bild des Lebens — und um das handelt es sich beim Reisebuch, und nur von diesem und nicht von der Monographie ist die Rede. Es war ein glücklicher Gedanke, der Hugo Herr m a n n seinem Buch den Titel „Eine werdende Welt“ geben ließ. Er gibt damit ein Versprechen, und er hält es. Er hat sich den Blick für das Ganze bewahrt. Man hat das Erlebnis der Reise, die Reihe wechselnder Eindrücke, aber sie sind organisch geordnet. Das Buch gibt die Reise und baut auf zugleich. Es gibt nicht nur Bilder des Landes, der Städte, Kolonien und Menschen; es leuchtet in die Häuser und Wohnungen der Menschen, in sie selbst hinein und läßt ihr Werk aus ihnen mit Naturnotwendigkeit herauswachsen. Es ist dabei kein Buch der Heldenverehrung, sondern ein höchst menschliches Buch mit all den kleinen Leiden und Freuden des Menschendaseins, allerdings auf dem Hintergrund menschlich erschütterndster Geschichte. Aber wie wir die Welt nicht nur sehen, sondern den Raum und das Leben fühlend, hörend, uns bewegend erfassen und erfüllen, so ist dies Buch — sit venia verbo — mehrdimensional. Nicht ein abrollender Filmstreifen, \aw7t POR/EL L4M-W1EDERLAGE MÜNCHEN THEA TINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle AUSWAHL IN GEBRAUCHSPORZELLAN TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG

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