Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 45 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 839 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 839 angeklagten, mit Todesstrafe bedrohten Opfer der Lemberger Untersuchungskomödie zur Freiheit zu verhelfen? Die Antwort auf diese Frage ist betrüblich. Es ist kein Zweifel, daß die Ukrainer in Berlin allzu gründlich in die Schule ihrer völkischen deutschen Freunde gegangen sind. In Lemberg ist ein Unschuldiger wegen des Attentats eingekerkert. Dieser Unschuldige ist aber ein Jude, und dieser Umstand entschied die Stellungnahme der deutsch-völkischen Genossen der ukrainischen Terroristen. In Lemberg saß nur ein Jude im Kerker, und eines Juden wegen setzen sich Behörden aus eigenem Antrieb nicht gern in Bewegung. Mehr als das! Man kann den Verdacht nicht loswerden, daß dieselben deutsch-nationalen und völkischen Kreise, die 01schansky und seinen Freunden Unterstützung gewähren, auch dafür Sorge trugen, daß die Akten in den deutschen Amtsstellen nicht ans Tageslicht gelangten. So wurden die in Berlin lebenden Ukrainer gelehrige Schüler des völkischen Judenhasses, und so kam es, daß diese ukrainischen Kreise nach der Enthüllung der Affäre Olschansky auf die Frage, warum sie nicht aus freien Stücken sich zur Wahrheit bekannt haben, erklärten: ,,Es hätte nicht geschadet, wenn der Jude Steiger gehängt würde. Damit wäre erst recht dargelan, wie es um die polnische Justiz bestellt ist.“ Diese Stellungnahme ist nicht ukrainisches Eigenprodukt. Ein derartiger Gedankengang stammt aus der deutsch-völkischen Küche. Es ist für die deutschen Juden betrüblich, daß aus ihrer Heimat das Gift des rücksichtslosen Judenhasses nach allen Richtungen gespritzt wird und daß die von den deutschen Antisemiten ausgestreute Saat des Judenhasses überall dort üppig aufsprießt, wohin der Einfluß der Deutsch-Völkischen und der Deutsch-Nationalen reicht. M. W. Aus der jüdischen Welt Die Steininschriften vom Sinai Mosesdokumente? Während einer Tagung des Hauptvorstands des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Cdaubens hielt der bekannte semitische Philologe Universitätsprofessor Dr. Grimme aus Münster eine aufsehenerregende Rede über die Methoden der Entzifferung des Uralphabeths, aus dem sich die Schriftzeichen aller Sprachen des Altertums entwickelt haben, und bezog sich hierbei auf die zufällige Entdeckung des englischen Gelehrten Flinders Petri e. Dieser hat während einer Expedition im Sinaigebirge in den Jahren 1904/05 mehrere steinerne Tafeln mit seltsamen Schriftzeichen gefunden, die jahrelang nicht entziffert werden konnten. Erst ein Jahrzehnt später gelang es dem englischen Ägyptologen Prof. Allan Gardiner, das Geheimnis einigermaßen zu lüften, indem er eine Reihe dieser Zeichen als Konsonanten bestimmte, die aus hieroglyphischen Wortbildern genommen waren. Erst Prof. Grimme gelang die Bestimmung sämtlicher Lautwerte, ihrer Zahl nach 22. Er erkannte in der Sprache der Sinaidenkmäler ein Hebräisch, das schon alle Hauptmerkmale des Bibelhebräischen in sich trägt. Die bedeutendsten deutschen Fachgelehrten bestätigten die Entzifferung. Auf einer der Tafeln steht folgendes eingegraben: „Ich, Manasse, Berghauptmann und Tempeloberster, danke der Pharaonin Hjatschepfut dafür, daß sie mich aus dem Nil gezogen und zu hohen Würden befördert hat.“ Manasse aber und Moses ist der gleiche Name, wird doch auch im Alten Testament Moses einmal Manasse genannt. Die Gelehrten vermuten, daß jener Manasse, der die Schrifttafeln aushauen ließ oder selbst ausgehauen hat, identisch ist mit dem Moses der Bibel. Wenn sich diese Vermutung bestätigen sollte — und es spricht, so meinen die Gelehrten, vieles für sie — (so ist es vor allem auffällig, daß der Zeitpunkt der Schöpfung der erwähnten Tafeln zusammenfällt mit dem geschichtlich nahezu einwandfrei festgestellten der Auswanderung der Israeliten aus Ägypten, nämlich dem Jahre 1440) —, dann wäre auch damit wieder eine Entdeckung gemacht, die eine kaum absehbare Bedeutung hat. * * * Dr. Bruno Weil teilt dazu der Presse folgendes mit: Um die Öffentlichkeit vor Enttäuschungen zu bewahren, ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß Prof. Grimme zwar mit Sicherheit in seinem Vortrag die These aufgestellt hat, daß diese Funde das älteste Buchstabenalphabeth der Welt und in semitischer Sprache geschrieben sind, daß er aber die von ihm gelesenen Deutungen, insbesondere soweit sie sich auf die Person des Gesetzgebers Moses beziehen, nur mit aller Reserve vorträgt. Ein endgültiges Urteil über den Inhalt der Tafeln wird erst möglich sein, wenn die Funde, die der englische Forscher P e t r i e aus unbekannten Gründen im Sinaigebiet gelassen hat, nach Europa geschafft worden sind. Die Bildung eines Komitees von Freunden der Sinaiforschung ist in die Wege geleitet, um die Untersuchungen an Ort und Stelle fortzusetzen. Die englische Regierung soll sich bereit erklärt haben, dem Unternehmen jedwede Hilfe angedeihen zu lassen. Auch die deutschen maßgebenden Kreise sollen nach unserer Information der Idee einer Expedition wohlwollend gegenüberstehen. 5fS * # Nunmehr äußert sich auch der Entdecker der Inschrift, Sir Flinders P e t r i e , einer der vorzüglichsten Kenner der semitischen Sprachen, im „Observer“ zur Behauptung Grimmes: „Vor mehr als zwanzig Jahren habe ich am Sinai am ägyptischen Tempel der Göttin Hathor ein paar grobe Inschriften entdeckt, die sich wesentlich von den ägyptischen Zeichen unterscheiden. Diese Inschriften schienen mir damals und auch noch heute von einigen der einst dort lebenden Stämme zu stammen, die die allgemeinen, um das Mittelmeer herum CAFE FÜRSTENHOF BESITZER: OTTO SEELÄNDER MÜNCHEN NEUHAUSERSTRASSE 21 * Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLAUE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT EIGENE KONDITOREI NACHMITTAG UND ABEND KONZERTE