Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 45 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 837 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 837 hältnissen unserer Zeit vielleicht gar nicht zu erfüllen gewesen wäre und unsere ganze Arbeit unmöglich gemacht hätte. Wir unterscheiden jetzt drei Gruppen von Schülerinnen. Die erste Gruppe bilden wie früher die Schülerinnen der Realschule. Sie haben jetzt umfangreichere Arbeit als vorher. Sie lernen jetzt, da wir uns über die Schulküche hinaus entwickelt haben, neben dem Kochen auch Hausarbeit, Waschen und Plätten. Neben dieser Gruppe arbeitet eine andere, die aus 16 Ghaluzoth besteht. Diese machen einen einjährigen, wenn sie für die Arbeit besonders geschickt sind, nur einen halbjährigen Kursus durch. Sie beziehen einen monatlichen Zuschuß von einem Pfund. Diese beiden Gruppen sind schon bei der Arbeit. Die dritte, und das ist die wichtigste, wird erst zu Pessach ihre Tätigkeit beginnen. Das sind die sogenannten Volksschülerinnen, die zwei Jahre bei uns arbeiten müssen. Sie lernen alle Zweige der Hauswirtschaft, daneben Gartenarbeit und Geflügelzucht und erhalten auch umfangreichen theoretischen Unterricht. Sie lernen Hebräisch, Englisch, Rechnen, Buchführung, Botanik, Zoologie und Chemie und treiben selbstverständlich Gymnastik und Gesang. Diese Schülerinnen werden im Internatsgebäude wohnen und den Schülerinnen der Realschule völlig gleichgestellt sein. Sie werden ein monatliches Schulgeld von einem bis drei Pfund bezahlen. Der geringere Satz gilt für weniger bemittelte Mädchen, vor allein für solche, die in den Kwuzoth herangewachsen sind, die das Bedürfnis haben, außerhalb der Kwuzah zu lernen, weil sie als Ungelernte der Kwuzah durch minderwertige Leistung wirtschaftlichen Schaden bringen. Wir haben die Arbeit mit diesen Volksschülerinnen noch bis Pessach hinausschieben müssen, weil das Haus, in dem sie mit den Mädchen des Internats zw sammenwohnen sollen, vorher nicht fertig sein wird. Für die Chaluzoth und die Volksschülerinnen werden sich nach Absolvierung der Schule reiche Arbeitsmöglichkeiten im Land finden. Abgesehen davon, daß Kwuzoth, Krankenhäuser, Massenküchen, Hotels mit Sehnsucht auf gelernte Kräfte warten, denken wir selbst an Schaffung neuer Arbeitsstätten für unsere besten Schülerinnen. Wir wollen für sie Mittelstandsküchen, Waschanstalten, kleine Gasthäuser einrichten, Dinge, deren das Land dringend bedarf, und die heute nicht da sind, weil die dazu vorbereiteten Menschen fehlen. Sie sehen einen weiten Plan vor sich. Seine Verwirklichung würde mit ungeheuren Kosten verknüpft sein, wenn die wichtigsten Voraussetzungen dazu heute nicht schon erfüllt wären. Wir haben die Küche mit allen notwendigen Geräten. Der Kulturverband hat sie uns vor 5 Jahren in großzügiger Weise gespendet. Wir haben aus derselben Quelle fast alles, was für Waschküche und Plättstube gebraucht wird. Wir haben seit kurzer Zeit das Gebäude des Internats, ein modern leingerichtetes europäisches Haus mit vollkommener Innenausstattung. Was wir noch brauchen, wäre etwas Gartenland und Neuanlage eines Hühnerhofs. Einen weiteren Zuschuß brauchten wir zur Aufbringung der Lehrergehälter; alles in allem müßte der Zuschuß nur etwa 600 Pfund betragen und von diesem sind uns bereits 300 ebenfalls wieder vom Kulturverband zugesagt worden. Es handelt sich also im ganzen noch darum, 300 Pfund zusammenzubekommen, um diesen immerhin großangelegten Plan ganz durchzuführen. Wir könnten dieses noch fehlende Geld vielleicht durch Sammlungen oder selbst aufbring^n; aber damit handelten wir undankbar gegen den Kulturverband. Wir nähmen ihm damit die Möglichkeit der Vollendung dessen, was er großzügig begonnen und treu weitergeführt hat. Und der Verband täte Unrecht gegen sich selbst, wenn er dieses Propagandamittel aus der Hand gäbe. Wenn ihm diese Sache gelingt, dann hat er, ohne Übertreibung, einen guten Wurf getan. Die Schule, die palästinische Mädchen des' neuen und selbstverständlich auch des alten Jischuws zu wertvoller Arbeit führen wird, die auch europäischen Mädchen, die in Palästina tätig sein wollen, die rechte Ausbildungsstätte sein kann, wird seinen Namen tragen und für ihn werben. Darum geht mein Wunsch und meine Bitte dahin, daß der Verband die Erfüllung dieser Aufgabe jetzt augenblicklich als seine zentrale betrachte. Durch sie selbst werden sich ihm dann immer wieder neue Wege öffnen, und sie wird dazu beitragen, den Verband dazu zu führen, wonach er strebt, — zu wirklicher Kulturarbeit in Palästina. Völkische Schule Es ist ein Zufall, daß der in Lemberg gegen den jüdischen Studenten Steiger vor sich gehende Monstre-Prozeß, dessen Dauer für ungefähr 8 Wochen angesetzt ist, seine Wellen bis nach Deutschland schlägt und, abgesehen von seinem allgemein jüdischen Interesse, das deutsche Judentum unmittelbar berührt. Auf Grund der Enthüllungen infolge der kleinen Anfrage des Abgeordneten Badt und der Antwort des preußischen Ministers des Innern, Severing, steht es zweifelfrei fest, daß der wirkliche Attentäter gegen den polnischen Staatspräsidenten der Ukrainer Olschansky ist, der vier Wochen nach dem Attentat über die deutsche Grenze kam und hier in Deutschland Zuflucht gefunden hat. Es bedurfte erst der Spitzeltätigkeit eines polnischen Konfidenten, der auf der Beuthener deutschen Polizei den Polizeiakt mit dem Geständnisse Olschanskys abschrieb und die Kopie zur Kenntnis der polnischen Behörden brachte, um darzutun, daß deut- JfßeeQrvjßhrwidePQi ffjzarien^chrwldßEei