Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 825 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das jüdische Echo 825 pulsakt wahrhaftigen Mannestums darstellt, muß mit dem Odium des Irreseins gezeichnet werden, weil die gesamte Judenheit sonst Rechenschaft fordern könnte ob des unerhörten Richterspruchs. Nun, der „Irre“ Rothstock weiß sich in guter Gesellschaft. I eil, Sand und Arco, die mit Einsatz ihres heldischen Lebens fremde Willkür brachen, werden sicher anders über ihn urteilen und eine nicht allzuferne Weltgeschichte wird einen Spruch über den jungen Feuerkopf fällen, der in den Worten ausklingen wird: „Uns dünkt, daß Rothstock sehr vernünftig war!“ Das Antisemitenrendezvous in Budapest Durch die jüdische und allgemeine Presse ging kürzlich eine Notiz über eine Zusammenkunft von Antisemiten aus verschiedenen Ländern in Budapest. Jetzt setzt sich ein gewisser R. A. (Alfred Rosenberg?) im „Völkischen Beobachter“ zunächst mit einem Aufsatz der „Wiener Morgenzeitung“ über den „Raubvogel-Kongreß in Budapest“ auseinander und erklärt dann: „Wir haben gar keine Ursache, zu verschweigen, daß eine private Besprechung verschiedener Männer aus 'verschiedenen Staaten, die sich mit der Judenfrage beschäftigen, stattgefunden hat, um sich durch einen Meinungsaustausch ein Bild der Lage in den einzelnen Ländern zu machen und persönlich kennen zu lernen.. Wenn man von einem Kongreß spricht, so ist leider zu sagen, daß von einem solchen noch keine Rede sein kann. Es waren zwar mehr Vertreter anwesend, als die „Wiener Morgenzeitung“ herausbekommen hat, aber es waren eben meist private Persönlichkeiten, und mit Bedauern mußte man feststellen, daß der Antisemitismus noch lange nicht in der Stärke vorhanden ist, in der er eigentlich in allen Staaten heute wirken müßte. Es hilft keinem einzelnen europäischen Staat, wenn er sich seiner Juden entledigt und sie in ein anderes europäisches Land abschickt. Dazu ist ein neues Land nötig, die Ansiedlung der Juden auf einem genügend großen Territorium wie z. B. Uganda, welches ja England seinerzeit den Zionisten bereits angeboten hat. Über die Schwierigkeit, angesichts der heutigen Judenherrschaft eine solche Ansiedlung vorzunehmen, bestehen nicht die geringsten Illusionen, aber nichtsdestoweniger hoffen wir, daß alle Teilnehmer an der Budapester Besprechung diese mit dem festen Willen verlassen haben, den Kampf gegen die jüdische Hochfinanz und den Bolschewismus mit erneuter Kraft aufzunehmen in dem Bewußtsein, daß in allen Staaten Menschen am Werk sind, Europa wieder frei zu machen von seinen verderblichen Verhetzern. Ich für meine Person spreche jedenfalls die Hoffnung aus, daß einmal eine Zeit kommt, wo tatsächlich nicht mehr eine private Besprechung stattfinden wird, sondern ein wirklicher großer antisemitischer Kongreß mit dem Ziel, dem Judenvolk sein Sehnen zu erfüllen und ihm die Möglichkeit zu bieten, einen nationalen Staat und ein geeinigtes Volk fern von Europa zu schaffen. Dies entspricht sicherlich auch den humanitären Grundsätzen, die das Judentum predigt.“ Deutschnationale Bettelbriefe an jüdische Firmen Dem „Sozialdemokratischen Pressedienst“ wird aus dem Ruhrrevier geschrieben: Die Deutschnationale Partei, die Deutsche Volkspartei und die Stahlhelm- und Jungdo-Gefolgschaft haben in Gelsenkirchen unter dem Titel ..Deutsche Post“ ein neues Parteiorgan gegründet, das sich nicht halten kann und sogar schon einmal sein Erscheinen unterbrechen mußte. Es fehlten Abonnenten und vor allen Dingen Inserate. Nunmehr hat eine große Anzahl jüdischer Firmen in Gelsenkirchen den folgenden Brief erhalten: „Deutschnationale Volkspartei. Kreisverein Gelsenkirchen. Wir haben unsere Mitglieder verpflichtet, möglichst nur bei den Firmen zu kaufen, die in der „Deutschen Post“ inserieren. Unserer Ansicht nach würde es Ihren Interessen nur dienen, wenn Sie bei Ihren Inserataufträgen laufend die „Deutsche Post“, unsere Zeitung, berücksichtigen würden. Mit vorzüglicher Hochachtung! Deutschnationale Volkspartei, Gelsenkirchen, gez. Wiesel, 1. Vorsitzender.“ Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ schließt: „So bewährt sich auch in Gelsenkirchen das alte schöne Wort: Ein echter deutscher Mann kann keinen Juden leiden, doch seine Gelder nimmt er gern!“ Ostjudenhetze im Preußischen Landtag Die Deutschvölkische Freiheitspartei hat im Preußischen Landtag folgenden Antrag gestellt: Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, diejenigen Verordnungen, die nach der Revolution über die Zuwanderung der Ostjnden erlassen worden sind, der Öffentlichkeit gesammelt vorzulegen. Deutsche Volkspartei und Antisemitismus Der sozialdemokratische „Vorwärts“ hat der Deutschen Volkspartei vorgeworfen, sie befleißige sich in ihren Wahlflugblättern aus Anlaß der Gemeindewahlen des Antisemitismus. Das Wahlbüro der Deutschen Volkspartei schickte dem „Vorwärts“ eine Berichigung, in der gesagt wird, die Bilder, die den Demokraten gewidmet sind, hätten nichts mit Antisemitismus zu tun, ,.d a d i e Volkspartei den Antisemitismus ab lehn t“. Wie der rumänische Hakenkreuzler Prof. Cuza über seine ungarischen Gesinnungsgenossen denkt Die letzte Nummer der „Ostjüdischen Zeitung“ in Czernowitz enthält einige interessante Äußerungen des von dem kürzlich in Budapest abgehaltenen Antisemitenkongreß zurückgekehrten Prof. Cuza, die er bei einem ihm zu Ehren in Bukarest veranstalteten Bankett gemacht hat. „Ich konnte mich nun persönlich überzeugen, daß die Ungarn ein Volk von Idioten sind, von ihren Antisemiten schon gar nicht zu reden. Noch mehr, ich hatte Gelegenheit, mich zu überzeugen, wie klug die Rumänen sind, denn während wir in Antisemitismus nur machen, wenn es politische Notwendigkeiten erfordern, sind die Ungarn Antisemiten aus Überzeugung .“ Die Zeitung bemerkt, daß diese Äußerungen nach einer Meldung der „Lupa“ absolut authentisch sein sollen. Erhatic & Wille Herren- und Damenschneiderei MÜNCHEN Maricnplatz 18/1 Telephon 23829