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Das jüdische Echo · 1925-10-30 · 44 (30.10.1925) · p. Seite 823

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
44 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
Seite 823 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 823 nur das Emigrationsdirektorium, die Gesellschaft für Gesundheitsschutz unter den Juden „Ose“ und den Verband zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft „Ort“. Außerdem bestehen in Berlin kulturelle und wissenschaftliche Organisationen, deren Interessen sich nicht nur auf die inländische Jndenheit erstrecken und deren Träger jüdische Emigranten aus Osteuropa sind. In den ersten Nachkriegsjahren hatten diese genannten Organisationen zu der eingeborenen Judenlieit nur sehr lose Beziehungen. Die Führer dieser Organisationen hatten die Empfindung, daß ihr Sitz in Deutschland nur provisorisch sei und daß sie über kurz oder lang in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Ein Kennzeichen all dieser Organisationen ist ihr nationaler demokratischer Charakter. Weil sie aus den Bedürfnissen der jüdischen Massen geboren wurden und mit diesen Massen in inniger Verbindung stehen, mußten sie sich in der Richtung jener Kräfte entwickeln, durch die diese jüdischen Massen, gekennzeichnet sind. Sie traten also nicht in die Fußstapfen jener Körperschaften, die von den reichen westlichen Juden in der besten Absicht, aber ohne Kenntnis der wahren jüdischen Volksbedürfnisse geschaffen wurden und die die jüdischen Massen als Objekt der Fürsorge betrachteten und ihnen mit philanthropischen Mitteln zu Hilfe kommen wollten. Es ist kein Zweifel, daß die neuen Institutionen, die sich gegenwärtig in Deutschland niedergelassen haben, einen ungeheuren Fortschritt gegenüber den ehemaligen Hilfsgesellschaften in England, Frankreich und Deutschland darstellen. Und es ist erfreulich, daß die deutsche Judenheit, bzw. die Wortführer deutsch-jüdischer Verbände, die theoretisch das Judentum durch die politischen Grenzen als endgültig voneinandergerissene Teile betrachten, praktisch an Bestrebungen teilnehmen, die ausgesprochen oder unausgesprochen den Standpunkt einer einigen jüdischen Schicksaksgemeinschaft vertreten und den naturgegebenen Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen des jüdischen Volks in der ganzen Verstreuung betonen. Wir konnten es erleben, daß in den jüngsten Wochen an den Veranstaltungen und Konferenzen von „Ort“, „Ose“ und Emigrationsdirektorium auch deutsche luden liberaler und assimilatorischer Observanz führend teilgenommen haben und sich anschicken, nicht nur ihre in Deutschland besonders ausgebildete Organisationsgabe, ihre Intelligenz und ihre Tatkraft beizusteuern, sondern auch gewillt sind, sobald sie es vermögen werden, auch materielle Opfer für die Zwecke der angeführten Organisationen zu bringen und sich in den Dienst nationaler produktiver Volksarbeit zu stellen. Daß die deutschen Zionisten alle diese Bestrebungen einer umfassenden Volkshilfe mit vollem Herzen unterstützen, ist selbstverständlich, denn die Kräftigung des aus tausend Wunden blutenden jüdischen Volkskörpers, die geistige und körperliche Hebung der jüdischen Volksmassen, ist ein integraler Bestandteil des zionistischen Programms, das sich auf dem Bewußtsein des eigenen jüdischen Volkstums gründet. Daß jedoch auch jüdische Kreise in Deutschland, die den volklichen Zusammenhang der Juden in der ganzen Welt nicht wahr haben wollen, mit sichtbarem Eifer sich in Reih und Glied in die gemeinsame Volksarbeit stellen, ist eine Tatsache, die in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt werden muß. Allerdings sind die Motive, aus denen diese neue Einstellung namentlich der Führer des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ei folgt, nicht ganz einfach zu umschreiben. Zweifellos ist ihr Hauptmotiv das immanente, wenn auch nicht mit voller Deutlichkeit zugegebene allgemeine jüdische Interesse dieser Kreise. Daneben aber scheinen auch andere Gründe maßgebend zu sein, die nicht mehr so einfach und löblich zu nennen sind. Wir meinen darunter das unausgesprochene, über doch sichtliche Bemühen, der zionistischen Ideologie sozusagen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Behaupten die Zionisten kategorisch, die Juden seien in allen Ländern der Welt dennoch ein einziges Volk und die restlose Lösung des jüdischen Problems sei nur in einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina möglich; versuchen die Zionisten ohne Konzessionen einen neuen Typus des jüdischen Menschen zu schaffen, ringen die Zionisten um die Seelen der jüdischen Jugend: so wollen die deutsch-jüdischen Assimilanten anscheinend durch ihre Beteiligung an Bestrebungen, die wohl auch von Zionisten gebilligt werden, aber letzten Endes nur Notmaßnahmen darstellen, den Einfluß der zionistischen, Ideologie auf das natürliche und kompromißlose Empfinden des seelisch gerade gewachsenen Teils des jüdischen Volks S. LEV INGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse Jßsczerv-^hrveidjQPoi ^jameri^ßhnjßvdjemi

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