Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 822 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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822 Das Jüdische Echo Nr. 44 Erzeugnisse für Spottpreise, und damit können die Schulen, die davon Menschen ernähren und außer“ dem noch Lehr- und Aufsichtskräfte bezahlen sollen, nicht konkurrieren. Man ist aber daran, durch die Mädchen eine andere Industrie zu schaffen, zu der sie mehr Voraussetzungen mitbringen und die durch richtige kaufmännische Verwertung verspricht, eine richtige Verdienstquelle — und was uns dabei so wichtig ist und immer im engsten Zusammenhang damit steht —, auch der beste Erziehungsweg für viele der Mädchen zu werden. Fast alle sephardischen und jemenitischen Frauen sind sehr gute Stickerinnen, die diese Kunst bisher nur für sich selbst genutzt haben, ganz wie es orientalischer Frauenart entspricht. Jetzt ist man an verschiedenen Stellen in Jerusalem und in Tel Awiw darauf gekommen, dieses Können für die Allgemeinheit zu verwerten, indem man Arbeitsstuben eingerichtet hat, in denen diese Handarbeiten modernste, dem europäischen und amerikanischen Geschmack entsprechende Verwendung finden. Man fertigt dort Damen-, Knaben- und Mädchenkleider und Blusen an, Gebrauchs- und Luxusgegenstände: Kissen, Gardinen, Vorhänge, Decken und Deckchen, und das alles geschmackvoll in Zeichnung und Farbenzusammensetzung, das echt Orientalische wahrend und dabei doch der Geschmacksrichtung unserer Zeit anpassend. Diese Arbeitsstuben sind natürlich von Europäerinnen geleitet, Kunstgewerblc-rinnen, die das Schöne vom Überladenen zu sondern wissen, die praktisch genug sind, immer neue Verwendungsmöglichkeiten zu sehen, und die auch pädagogisch geschickt genug sind, das rechte Verhältnis zu den arbeitenden Mädchen zu finden, aus diesen durch rechte Anleitung all das herauszuholen, was in ihnen ist, und sie anderseits so zu führen, daß sie selbst Wertvolles von Tand unterscheiden lernen und in gewissem Sinn selbständige Arbeit leisten können. Diese Arbeitsschulen haben wirkliche Erfolge zu vermerken. Die Waren finden Absatz, nicht aus Gründen der Wohltätigkeit, sondern weil sie Wert haben und konkurrenzfähig sind. Die Initiative zu diesen Arbeitsstuben ging nicht vom Kulturverband aus. Sie sind zum Teil rein private Unternehmen, zum Teil tragen sie sozialen Charakter, d. h. sie sind eingerichtet von Frauen, die im sozialen Leben stehen, speziell mit der Absicht, den armen jüdischen Frauen Arbeits- und Verdienstmöglichkeit zu geben. Nun, da sich diese Lehrstätten zu bewähren anfangen, muß der Kulturverband an ihrer Erhaltung und an ihrem Ausbau interessiert sein. Zunächst vielleicht nur in der einfachsten und billigsten Form, indem er ihnen Absatzgebiete sichert, indem er ihnen in allen größeren Städten in einschlägigen angesehenen Geschäften Verkaufsstellen schafft! Er muß dabei bestrebt sein, ihren Standard immer höher zu bringen durch Abnahme nur ganz erstklassiger Arbeit und durch neue Anregung zur Verwendung, den jeweiligen Modeansprüchen entsprechend; denn dem muß bei dieser Art von Arbeit Rechnung getragen werden. Und entwickelt sich die Sache weiter den Erwartungen gemäß, dann würde es darum gehen, die Arbeitsstuben auch zu einer direkten Geschäftsangelegenheit des Verbands zu machen, d. h.. neue Arbeitsstuben zu eröffnen und geeignete Beamtinnen als Leiterinnen einzusetzen. (Schluß folgt.) Die neue /Allianz Trotzdem das deutsche Judentum gegenwärtig gemeinsam mit ganz Deutschland eine schwere Krise durchmacht und infolgedessen nicht in der Lage ist, restlos die Tradition der vor dem Kriege entwickelten Tätigkeit auf vielen .Gebieten der jüdischen, über die Grenzen Deutschlands hinausgehenden Interessenwelt aufzunehmen, so ist dennoch festzustellen, daß der Sinn des deutschen Judentums für diese allweltlichen jüdischen Aufgaben nicht erstorben ist. Mit der fortschreitenden Stabilisierung der politischen Verhältnisse und mit dem unzweifelhaft vor sich gehenden Wiederaufstieg Deutschlands gewinnt das deutsche Judentum innerhalb der Weltjudenheit allmählich seine Bedeutung wieder. Das ist eine erfreuliche Tatsache, die in ihrer Tendenz bereits zu merken ist, wiewohl sie sich in Taten noch nicht und in der nächsten Zeit wahrscheinlich auch nicht voll auswirken kann. Der neuen Anteilnahme der deutschen Judenheit an über die Grenzen Deutschlands hinausgehenden jüdischen Interessen kommt der Umstand entgegen, daß durch die Zertrümmerung des ehemaligen russischen Reichs wertvolle intellektuelle und gesellschaftliche Splitter des ehemaligen russischen Judentums nach Berlin versprengt wurden und hier auf Grundlage der in jahrzehntelanger Arbeit erworbenen Erfahrungen auf dem Gebiet jüdischer Gemeinschaftstätigkeit ihr Wirken fortsetzen. So ist Berlin eine Zentrale für verschiedene Institutionen geworden, deren Wirkungsbereich sich auf die Judenheit aller Länder bezieht. Wir erwähnen W 1 EFIM SCHACHMEISTER mit seiner weltberühmten Tanz-Kapelle spielt täglich nachmittags u. abends in HAUSER’S HOTEL „DER REICHSADLER“ MÜNCHEN ▼ "▼ ▼ ▼ ▼—A