Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 821 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 821 während deren Arbeitszeit die Sorge für die Kinder abzunehmen, um nicht auf einer Seite zu helfen und auf der andern zu zerstören. Er beteiligte sich an der Errichtung und Führung von Krippen und Kinderheimen und hielt sein Interesse für Kindergärten und Schulen wach. Heute sind die Aufgaben des Verbands viel weiter gezogen. Vor dem Krieg hatte der Verband vornehmlich für die Frauen und Töchter des alten Jischuws und für die Sephardinnen Sorge zu tragen. In beiden Kreisen herrschte neben größter Armut Unkenntnis, und was damit immer in engstem Zusammenhang steht, auch Unlust zur Arbeit. Sie arbeiten zu lehren und in ihnen die Freude zur Arbeit zu erwecken, war damals die wichtigste Aufgabe. Nach dem Krieg kamen ganz neue Gattungen von Mädchen nach Palästina: Russinnen, Polinnen, Galizierinnen, auch Deutsche und Österreicherinnen, Zionistinnen natürlich, die nach Palästina gestrebt hatten, um ihre ganze frische Arbeitskraft dem Land zur Verfügung zu stellen. Ein ungeheurer Kontrast zu dem, was vorher war: dort Trägheit, hier übersprudelnder Arbeitseifer. Diese Mädchen waren nicht gekommen, um in der Stadt zu sitzen, in engen Schulräumen, und Spitzen zu nähen. Ihre Sehnsucht war das Land; sie wollten den Boden bebauen und leben von dessen Ertrag. Sie kamen zusammen mit Brüdern und Freunden, mit jungen Burschen, gleich ihnen voll von Idealen, und sie haben die Arbeit gepackt mit starken Armen. Sie haben in Feld und Garten mit angegriffen, sie haben die Küche besorgt und die Wäsche gewaschen, sie haben Kinder geboren und wie beste Mütter für sie gesorgt. Aber sauer ist ihnen die Arbeit geworden,. saurer wohl als je jüdischen Frauen Arbeit geworden ist. Sie kamen vom Gymnasium, von der Hochschule, begannen unter ganz ungewohnten wirtschaftlichen und klimatischen Verhältnissen ganz ungewohnte Arbeit; sie haben eine harte Schule durchgemacht. Manchen war sie zu hart; sie haben sie nicht überstanden. Viele haben durchgehalten und bewähren sich heute als tüchtige Frauen; aber eines haben sie alle gelernt: sie haben eingesehen, daß sie unnütze Opfer an Geld und an Menschen gebracht haben, und sie sind zur Erkenntnis gekommen, daß für die kommende Generation anders gesorgt werden muß. Sie soll nicht geopfert, sondern in ihrer vollen Kraft ausgenutzt werden. Für sie müssen Möglichkeiten ge¬ Im Bibliotheksaal der Jüdischen Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7, spricht Donnerstag, den 5. November, um halb 9 Uhr abends Herr Dr. Wladimir Eliasberg über „Das erziehungsschwierige jüdische Kind66 Eintritt 50 Pf. schaffen werden, unter erfahrener Anleitung zu lernen und sich zu erproben, bevor sie die verantwortungsschwere Arbeit beginnt. Wo sind solche Möglichkeiten zu finden? Für einige gewiß bei denen, die selbst durch die strenge Schule des Lebens gegangen sind; aber das reicht nicht aus für die vielen, die im Land groß werden und die neu ins Land kommen. Sie brauchen Schulen, die durch praktische Arbeit und die dazu gehörigen theoretischen Anleitungen ihre Zöglinge zu landes- und lebenstüchtigen Menschen erziehen. So ergibt sich in unserer Zeit ein zweiter großer Aufgabenkreis für diejenigen, die auf die Entwicklung palästinischen Lebens und palästinischer Kultur Einfluß nehmen wollen. Wie stellt sich, um zu unserer besonderen Angelegenheit zurückzukommen, der Kulturverband zu dieser Erweiterung seiner Verpflichtungen und wie muß er sich in Zukunft zu dieser stellen? Selbstverständlich bleibt bei allem die frühere Teilnahme des Kulturverbands an der Erziehung der Mädchen des alten Jischuws im vollen Umfang bestehen. Die Spitzenschulen zwar sind nicht mehr vorhanden. Während des Kriegs war ja der Verkehr zwischen Deutschland und Palästina überhaupt unterbunden; so ging in d e r Zeit drüben natürlich alles ein, was früher von hier dort geschaffen worden war. Und nach dem Krieg hat es sich nicht gelohnt, wieder damit zu beginnen, aus wirtschaftlichen Gründen. Das Nähen der Spitzen ist eine Technik, die man den Araberinnen abgesehen hat. Diese verkaufen, anspruchslos, wie sie sind, ihre T?auThallmai'er München %eaßnsrta‘.iä. fjoirm <MsQr tfbn&üaiw.