Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 43 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- Seite 808 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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808 Das Jüdische Echo Nr. 45 Aus der Jüdischen Welt Hitler darf nicht sprechen Wie früher Preußen hat jetzt Hamburg das Ersuchen der Nationalsozialisten, Adolf Hitler öffentlich sprechen zu lassen, rundweg ab gelehnt. Begründung: Das Auftreten Hitlers, eines rechtskräftig verurteilten Hochverräters, der nicht einmal deutscher Staatsbürger ist, gefährdet die öffentliche Ruhe und Ordnung! Streicher verurteilt Julius Streicher, der berüchtigte Radauantisemit, hat in seiner Zeitung „Der Stürmer“ gegen die Nürnberger Rechtsanwälte Dr. Cohn und Dr. Gallener schwere Vorwürfe erhoben; den Wahrheitsbeweis hat er nicht erbringen können. Ergebnis: Zwei Monate Gefängnis, Tragung der Prozeßkosten. Hetze gegen Severing Mißtrauensvotum der Deutschnationalen und Deutschvölkischen gegen Severing. Er sei für die „hemmungslose Einwanderung aus dem Osten“ verantwortlich! Severings Antwort überaus scharf. Hemmungslos wären Ausländer gerade in der Kriegszeit von der Heeresleitung nach Deutschland gebracht worden; hemmungslos würden ununterbrochen Ausländer durch Kreise hereingelassen, die den Herren der Rechten politisch nahe stehen. Statt den deutschen Arbeiter menschenwürdig zu bezahlen und anzusiedeln, wünsche der Landbund, das Einwanderungskontingent für polnische Landarbeiter, das auf 130 000 festgesetzt wurde, zu erhöhen. Severings Ausführungen machten starken Eindruck. Die Deutschnationalen verteidigen die Ehre des Antisemitismus Berlin (J.T.A.). Wie bekannt, hat der hessische Staatspräsident Ullrich während der Rheinlandtagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eine Ansprache gehalten, in der er die völkische Bewegung eine „Schmach des deutschen Volkes“ genannt und hinzugefügt hat: „Diese Erklärung gebe ich im Namen der Regierung ab, die ich vertrete.“ Die Deutschnationalen des Hessischen Landtags haben deswegen eine geharnischte Anfrage an die hessische Staatsregierung gerichtet, in der es u. a. heißt: 1. Gedenkt der Herr Staatspräsident mit der hessischen Regierung diese unglaubliche Herabsetzung aller Nichtjuden, besonders aber des deutschen Volks und der deutschvölkischen Bewegung aufrecht zu halten? 2. Wenn ja, erscheint dem Herrn Staatspräsidenten und seiner Regierung der Kampf gegen die ostjüdische Zuwanderung als „Schmach“? 3. Ist es „Schmach“, gegen die Weltmacht des jüdischen Kapitals zu kämpfen? 4. Ist es „Schmach“, im christlich-deutschen Vaterland gegen die Unterjochung des deutschen Volks durch das Judentum aufzutreten? In den weiteren Fragen wird gesagt, der Kampf gegen die Juden geht über die ganze Welt, und der deutschvölkischen Bewegung hangen Millionen deutscher Männer und Frauen an, die durch den Ausspruch des Staatspräsidenten verächtlich gemacht wurden. — Man ersieht aus dieser Anfrage, daß sich die Deutschnationalen Hessens die Argumente der extremen völkischen Antisemiten zu eigen gemacht haben. Hechaluz Zur freundlichen Beachtung. Palästina braucht Menschen, bei denen unbeirrbarer Idealismus auf möglichst tiefes sachliches Wissen gegründet ist. Um zwischen Menschenangebot und Menschennachfrage auszugleichen, Stellen zu vermitteln und zur Chaluziuth Bereite den diesen angemessenen produktiven Berufen zuzuführen, wurde der Hechaluz vor drei Jahren ins Leben gerufen. Seine nicht minder bedeutende zweite Aufgabe ist die geistige Hachscharah (Vorbereitung), die Sorge dafür, daß die in ihm Organisierten Hebräisch lernen und den Problemen des palästinischen Aufbauwerks nähergebracht werden. Über 1100 Menschen sind bis jetzt im deutschen Hechaluz zusammengefaßt, Menschen aus.den verschiedensten Berufslagern, vom Lehrer bis zum Chawer, der sich im Steinbruch ausbildet Bei der ungeheuren Arbeit, die dem Hechaluz daraus erwächst, daß er sich allen, die sich an ihn wenden, widmen, daß er alle unterstützen muß, braucht er die Hilfe aller. Und er erbittet nicht viel! Er ersucht nur darum, daß jeder, der in irgendeinem Handwerksberuf eine freie Stelle kennt oder ein Mädchen in Küche und Haus oder bei Kindern unterbringen kann, dies der Ortsgruppe des Hechaluz meldet. Diese verpflichtet sich, selbstverständlich nur ausgezeichnet qualifizierte Menschen zu senden. Gerade was Mädchen betrifft, ist der Stellenmangel außerordentlich groß. Die Anschrift der Ortsgruppe München: Erich Deutsch, Glückstraße 3/1. rTHK 4» warn POKZELL4N-N1EDEBLAGE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der FeldherrnhaUe GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBBAUCHSPOBZELLA» TÄGLICHELAGEBEBGÄIZUIG