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Das jüdische Echo · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 807

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 807 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 807 Lemberg (J.T.A.). Jn der Sonnabendsitzung des Lemberger Geschworenengerichts brachte einer der Verteidiger Stanislaw Steigers, Dr. Landau, den Fall Theophil Olszanski zur Sprache. Er sagte, es handle sich nicht um eine Zeitungssensation, sondern um einen Gerichtsakt. Der Ukrainer Theophil Olszanski hat nach seinem überschreiten der deutschen Grenze am 2. Oktober 1924 erklärt, er habe am 5. September in Lemberg das Attentat gegen den Präsidenten Wojciechowski versucht und reise nun zu seinem Freund Nowak nach Berlin, der ein Büro für antipolnische Propaganda leitet. Er hoffe, bei ihm Beschäftigung zu finden — Olszanski hatte eine große Summe Geld bei sich. Die deutsche Behörde prüfte seine Angaben und gewährte ihm Asylrecht. Die Kattowitzer Grenzpolizei hat seinerzeit darüber der Lemberger Polizei berichtet, diese aber ließ die ganze Angelegenheit einschlafen. Die Untersuchung des f alles Olszanski lag in den Händen des Kommissars Kaidan, des Quälgeistes Steigers; Kaidan suchte für Olszanski ein Alibi zu beschaffen und berichtete, daß Olszanski zur Zeit des Attentats in Lemberg nicht gemeldet war. Es ist Pflicht, — so führte Dr. Landau weiter aus — für jeden Idealisten — und die ukrainische Militärorganisation gibt sich ja als eine idealistische aus— sich in diesem Fall nicht allein durch anonyme Briefe zu melden, sondern sich in einer offenen, vertrauenserweckenden Weise zur Tat zu bekennen, um endlich der tragischen und peinlichen Lage, in der wir uns befinden, ein Ende zu bereiten. Ich appelliere an den wirklich Schuldigen und hoffe, daß mein Ruf schließlich das Pflichtgefühl bei ihm erwecken und daß seine Antwort der Tragödie ein Ende bereiten wird, die unser Leben vergiftet. — Die Rede Dr. Landaus hinterließ einen ungeheuren Eindruck. Der Staatsanwalt erwiderte auf die Rede Dr. Landaus, es werde noch Zeit sein, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Übrigens sei ihm bekannt, daß sich noch eine Person, die nach Sowjetrußland geflüchtet ist, als Attentäter bezeichnet, Auch ein gewisser Josef Bandera, der aus Stry stammt und nach dem Attentat aus Lemberg nach Wien geflüchtet war, bezeichnete sich in Wien als den wirklichen Attentäter. Dr. Landau erwiderte, die Staatsanwaltschaft habe die Pflicht gehabt, alle diese Fälle genau zu untersuchen, was sie aber nicht tat. „Es ist für mich klar wie die Sonne,“ rief Dr. Landau aus, „daß Steiger unschuldig ist und daß Ihr ihn befreien werdet!“ Terrorisierung von Zeugen. Noch in der Sitzung vom Freitag ereignete sich ein Zwischenfall, der große Erregung verursachte ZIONISTISCHE ORTSGRUPPE MÜNCHEN Im Bibliotheksaal der Jüdischen Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7, spricht Donnerstag, den 29. Oktober,abends 81/2Uhr Herr Dr. Benno Monhcimer über seine Wanderungen in Palästina Eintritt 50 PL und der Verteidigung zu scharfen Protesten Anlaß gab. Die Zeugin, Frau Merksamer, Gattin des Besitzers des Cafe Warszawa, sagte aus, sie hätte gesehen, daß viele Hände sich zur Begrüßung des vorbeifahrenden Präsidenten erhoben und daß dann ein Paket flog, sie wisse aber nicht, wer es geworfen hatte. Der Vorsitzende hielt ihr vor, sie hätte in der Untersuchung ausgesagt, ein Mann in einem hellen Mantel hätte das Paket geschleudert. Die Zeugin erwiderte, der Untersuchungsrichter Rutke hätte sie terrorisiert und ihr die Worte suggeriert. Der Vorsitzende verfügte die sofortige Verhaftung der Frau Merksamer. In der Samstagsitzung protestierte die Verteidigung gegen diese Verhaftung und führte an, es seien mehrere Zeugen terrorisiert worden, alle diese werden sich nun fürchten, vor Gericht die wirklichen Vorgänge zu schildern. Äus der Berliner jüdischen Gemeinde Die Repräsentantenversammlung bewilligt ein Palästina-Reisestipendium. Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hat auf Grund eines von Dr. K 1 e e, Professor L o e w e und Oberregierungsrat G o s 1 a r und Genossen eingebrachten Antrags, im Interesse der Vertiefung des jüdischen Unterrichts und besonders des Unterrichts in jüdischer Geschichte ein Reisestipendium von Mk. 1500.—■ zu schaffen, das alljährlich einem der Gemeinderabbiner oder Religionslehrer für eine Reise nach Palästina zur Verfügung gestellt werden soll, einstimmig beschlossen, unter Zustimmung aller Fraktionen den Gemeindevorstand zu ersuchen, ein Reisestipendium in der beantragten Höhe in den demnächst neu aufzustellenden Voranschlag einzusetzen. Hoffentlich findet dieses erfreuliche Beispiel der führenden Gemeinde Deutschlands auch in anderen Gemeinden der Galuth Nachahmung. Vereinsbank 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Ausgabe von wertbeständigen, hochverzinslichen und mündelsicheren Goldpfandbriefen der Bayerischen Vereinsbänk bei den Niederlassungen und Pfandbriefvertriebsstellen der Bank Bayerische Gegründet

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