Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 42 (12.10.1925)
- Date
- 1925-10-12
- Page
- Seite 791 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 791 maligen innerjüdischen Parteigegnern, die jetzt noch ausgetragen werden. Aber das seien durchaus Ausnahmefälle. Demgegenüber sei zu betonen, daß viele hervorragende Zionisten, die sich sowjetfreundlich verhalten, auch in russischen Körperschaften wichtige Stellungen einnehmen. Auch an dem Komitee für die Ansiedlung der Juden nehmen Zionisten einen aktiven Anteil. Dieses Komitee trägt einen parteilosen Charakter und es ist die Politik der Regierung, auch Zionisten hinzuzuziehen. Was die Beschwerden bezüglich der hebräischen S p r a c h q betrifft, so erklärt Tschitscherin, daß nach den allgemeinen Sowjetgesetzen die Sprache der Mehrzahl der Bevölkerung auch für die Verwaltung und für das Gericht maßgebend ist. Wenn die Bevölkerung jiddisch spricht, so ist auch die Amtssprache jiddisch. Es gebe jedoch keine Verfolgungen der althebräischen Sprache, vielmehr habe die Regierung z. B. dem Theater „H a b i m a h“ in Moskau einen staatlichen Zuschuß gegeben. Dem Studium der hebräischen Sprache und der Entwicklung seiner Literatur würden keine Hindernisse in den Weg gelegt. Herr Blumenfeld hat Herrn Tschitscherin ein Memorandum überreicht, in welchem die berührten Fragen noch eingehender erörtert werden. Der erste Schritt vom Parteizionismus zum Volkszionismus Ein Brief Professor Dubnows über die Erweiterung der Jewish Agency. Berlin, 6. Oktober. (J.T.A.) Professor Simon Dubnow, der repräsentative Geschichtsschreiber des Judentums, wurde von der Jüd. Telegraphen- Agenlur über seine Stellungnahme zu der Idee der erweiterten Jewish Agency befragt. Er richtete an die Jüdische Telegraphen-Agentur ein Antwortschreiben, das in der Übersetzung aus dem Jiddischen lautet: „Sehr geehrte Herren! Meiner Meinung über die erweiterte Jewish Agency vom allgemeinen nationalen Standpunkt habe ich bereits in dem Sammelhuch „Swerschenje“ Ausdruck gegeben; jetzt dürfte genügen, dies in einigen Worten zu formulieren. Es wäre sehr traurig für den realen Zionismus, würde er ewig eine Parteisache bleiben und nicht zu einer Volkssache werden. Parteiisch kann der idealistische oder utopistische Zionismus bleiben, der prinzipiell dieses Galuth negiert und das Heil nur von einem „Judenstaat“ erwartet. Jedoch der konkrete Zionismus, der die folgenden zwei Ziele erstrebt: 1. Schaffung eines gesunden wirtschaftlichen Bodens für einen Teil unseres Volkes durch Kolonisation in unserem historischen Lande und 2. Schaffung eines nationalgeistigen Zentrums in diesem Land, als einer Quelle reiner nationaler Kultur für die gesamte Diaspora, — ein solcher Zionismus gehört dem ganzen Volke, und an seiner Verwirklichung müssen alle diejenigen arbeiten, in deren Herzen der jüdische Funke noch glimmt. Ich sehe in der erweiterten Jewish Agency den ersten Schritt auf dem Wege von dem parteiischen zum Volkszionismus, und das ist der größte Sieg einer nationalen Bewegung, daß sie aus der Parteiwiege herauswächst und ein Bestandteil des Volkslebens wird. Mit Hochachtung! Simon D u b n o w.“ Aus der jüdischen Welt Jüdische Fragen auf dem Kongreß für Kinderfürsorge. Genf. (J.T.A.) Auf dem Internationalen Kongreß für Kinderfürsorge, der vor kurzem in Genf abgehalten worden ist, wurde auch über jüdische Fragen debattiert und entsprechende Beschlüsse gefaßt. Die jüdischen Delegierten stellten Anträge, die die Frage der Fürsorge für ausländische Kinder und die Erziehung der Kinder im Sinne der Demokratie betrafen. Frau Rosa A b e r s o n hielt ein Referat über „Antisemitismus unter der Jugend und seine Gefahr für den Frieden“. Der Kongreß nahm eine von der Rednerin vorgeschlagene Entschließung an, die besagt: In Anbetracht dessen, daß die in einigen Ländern von Ost- und Mitteleuropa die von der Schul- und Universitätsjugend inszenierten antisemitischen Exzesse den Charakter einer chronischen sozialen Krankheit annehmen, welche den Haß gegen die Juden in Familie, Schule und auf der Straße erregt, wodurch die Kinder im allgemeinen demoralisiert und für das jüdische Kind eine unerträgliche Atmosphäre geschaffen wird; in Anbetracht ferner, daß der Antisemitismus alle sozialen Schichten demoralisiert und ein Hindernis für die moralische Abrüstung bildet, spricht der Kongreß im Interesse des jüdischen Kindes wie auch im Interesse des Friedens den Wunsch aus, daß in allen Ländern eine energische Propaganda gegen den Einfluß der antisemitischen Internationale unternommen werde.“ Die Beschlüsse wurden dem Völkerbund unterbreitet. Eine deutsche Firma organisiert die Gründung einer Agrarbank in Palästina. Wien. (J.T.A.) Herr Leopold Löwenthal, der Hauptchef der Berliner Speditionsfirma A. W a r m u t h A.-G., steht an der Spitze eines Komitees, das eine große jüdishe Agrarbank in Palästina errichten will. Diese Bank will unter Anlehnung an den Keren Hajessod im Zeitraum eines Menschenalters 60 000 mittellosen jüdischen Familien zur Siedlung in Palästina verhelfen, wobei die Prinzipien von Selbstarbeit und nationalem Bodenbesitz aufrecht erhalten bleiben. Auf den Bodenbesitz der Agrarbank soll die große jüdische Anleihe angelegt werden. CAFE FÜRSTENHOF BESITZER: OTTO SEELAND ER MÜNCHEN N E U H A U S E R S T R A S S E 21 -K Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLA UE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT EIGENE KONDITOREI NACHMITTAG UND ABEND KONZERTE