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Das jüdische Echo · 1925-10-12 · 42 (12.10.1925) · p. Seite 790

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
42 (12.10.1925)
Date
1925-10-12
Page
Seite 790 (sequence 6)
Language
German
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790 Das Jüdische Echo Nr. 42 Die Berliner „W e 11 a m Montag“ schreibt über Hugo Preuß: „Die Tragik dieses bedeutenden Mannes war sein Judentum. Als Einjähriger batte er eine so glänzende Stellung in seinem Regiment, daß seine Vorgesetzten ihn gern zum Reserveoffizier eingegeben hätten. Aber — er war Jude! „Können Sie diesen kleinen Übelstand nicht abstellen?“ fragte ihn sein Rittmeister. „Nein!“ sagte Preuß und war damit ausgeschlossen von dem schwindelnden Glück des Leutnantsdaseins. Als Privatdozent überschattete er alle seine Kollegen. Er war der beste Kenner des Verwaltungsrechts in ganz Deutschland. Aber ordentlicher Professor an der Berliner Universität konnte er nicht werden. Für diskrete Hinweise von Vorgesetzten, ob er sich nicht taufen lassen wolle, hatte er nur ein spöttisches Achselzucken. Dieser in religiösen Dingen ganz freidenkende Mann war zu stolz, sich das berühmte Heinesche „Entreebillett zur europäischen Kultur“ durch einen Akt der Gesinnungslosigkeit zu erkaufen. Die Revolution räumte für ein paar Wochen mit den Religions- und Rassenvorurteilen auf. Preuß wurde Reichsminister des Innern und schuf die Reichsverfassung, die in seinem Entwurf kühner und noch besser war als in ihrer endgültigen Form. Trotz seiner leuchtenden Verdienste um die deutsche Republik ist Preuß nie wieder bei einer späteren Minister-Kombination in Frage gekommen. Nicht einmal für den Reichstag stellte diesen geborenen parlamentarischen Führer seine eigene Partei auf. Er selbst hatte das Gefühl, daß sein Judentum als zu schwere Belastung für die öffentliche Agitation angesehen werde. Nur ein paar Monate hat er auf dem Platze gestanden, der ihm gebührte. Das deutsche Volk, das wirklich über keinen Überfluß an politischen Köpfen verfügt, hat einen der besten von ihnen kaltgestellt, weil er — Jude war. Dennoch — seine Name ist unauflöslich mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Er hat der Republik ihre Grundlage gegeben. Sein Werk überlebt ihn.“ Führer der deutschen Judenheit bei Tschitscherin Aussprache über das russisch-jüdische Kolonisationswerk, über Verfolgungen von Religion und Zionismus. — Ein Memorandum Kurt Blumenfelds. Berlin, 6. Oktober (J. T. A.). Am Montag, den 5. Oktober, empfing der russische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Herr Tschitscherin, eine Delegation, bestehend aus den Herren Dr. B a e c k , Präsident des deutschen Rabbinerverbandes, Dr. B r o d n i t z , Vorsitzender des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr.. Paul Nathan, Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden, Kurt Blumenfeld, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie Professor. Albert Einstein. Es wurde die Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland besprochen, die in allen jüdischen Kreisen mit großem Interesse verfolgt wird. Herr Tschitscherin gab auf die ihm gestellten Fragen eingehende Aufklärung über die Haltung der Sowjetregierung zu dem von ihr geförderten Projekte der landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden. Er zeigte, in welcher Form die von der Regierung getroffenen Maßnahmen ZIONISTISCHE ORTSGRUPPE MÜNCHEN EINLADUNG Herr Dr. Leopold Justh spricht am Donnerstag, den 22.0kt., abends 81/2Uhr über Probleme des 14 Kongresses im Bibliotheksaal der Jüdischen Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7 Eintritt je 50 PL dazu führen sollen, daß den Juden dieselbe Möglichkeit für wirtschaftliche und nationale Entwicklung gegeben wird, wie den anderen Nationalitäten innerhalb der Sowjet-Union. •{* -i» "f* Über den weiteren Verlauf der Unterhaltung wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur noch mitgeteilt: Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, hatte im Verlauf eines Gespräches, das andere jüdische Fragen behandelte und an dem auch andere jüdische Persönlichkeiten teilnahmen, mit dem russischen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Herrn Tschitscherin, Gelegenheit, den Volkskommissar über die Stellung der zionistischen Kreise außerhalb Rußlands zu den Problemen des russischen Judentums zu informieren. Herr Blumenfeld betonte, daß die Zionisten in Deutschland die Pläne, einen Teil der russischen Juden mit staatlicher Hilfe zur Landwirtschaft überzuführen, mit Sympathie begrüßen und darin einen Schritt zur wirtschaftlichen Gesundung des pauperisierten städtischen Judentums und zu seiner physischen Regeneration erblicken. Gleichzeitig bemerkte Herr Blumenfeld, daß eine positive Anerkennung dieses Werkes erschwert werde durch die Nachrichten über die Haltung der Sowjetregierung gegenüber den zionistischen Gruppen in Rußland, sowie über die Behinderung des Studiums der hebräischen Sprache und des jüdischen religiösen Lebens. Diese Nachrichten haben bei den Zionisten, die das Schicksal ihrer Freunde in Rußland mit Interesse verfolgen, Beunruhigung hervorgerufen, und durch diese Stimmung wird auch die Beurteilung des neuen Projektes beeinflußt. Herr Tschitscherin bemerkte, er kenne das Verhältnis der Regierung zur zionistischen Bewegung und habe auch die Akten verschiedener Prozesse, die mit dieser Sache im Zusammenhang stehen, gesehen. Er erklärte, der Zionismus als solcher sei durchaus legal und gegen ihn werde von der Regierung nicht eingeschritten. Es müsse jedoch darauf verwiesen werden, daß leider sehr viele Zionisten an verschiedenen antisowjetistischen Bewegungen beteiligt waren. Immer sei jedoch nur gegen einzelne Personen eingeschritten worden, nicht gegen die Bewegung. Vielmehr habe-das zuständige Kommissariat Direktiven gegeben, daß man gegen die zionistische Bewegung als solche nicht Vorgehen soll. Der Volkskommissar fügte hinzu, es sei möglich, daß unter den früheren Bundisten, die jetzt bei Sowjet-Behörden tätig sind, manche Zionistenfeinde sind. Es handle sich hier um einen historischen Rest alter Streitigkeiten zwischen ehe-

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