Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 42 (12.10.1925)
- Date
- 1925-10-12
- Page
- Seite 789 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 789 Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß die absolute Freiheit des Leinens und Forschens in manchen Köpfen Verwirrung stiften wird — kennen wir doch im besonderen die Golusmentalität vieler ghettoentwichener junger Juden. Vielleicht wird Schaden gestiftet. Ich bin aber überzeugt, daß eine Beschränkung dieser Freiheit eine viel nachhaltigere und schlimmere Schädigung für das Geistesleben unseres jüdischen Volkes bedeuten würde. Man soll den Teufel nicht durch Beizebub austreiben. Wie darf der Fromme zweifeln, daß die göttliche Wahrheit über alle Irrungen und Wirrungen triumphieren wird? Ob die Seele unseres Volkes durch die Tätigkeit der Universität eine neue Formung empfangen wird, stehe dahin. Nur Lebendiges erzeugt neues Leben. Vielleicht werden einst Welt-Jeschiwah und Sanhedrin zu Jerusalem die Instanzen für das Leben des neuen jüdischen Geistes, wenn wir Männer haben, welche Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und rabbinische Autorität mit profanem Wissen, Weitherzigkeit und tiefem Verständnis für die Bedürfnisse der Nation zu vereinigen wissen. Hugo Preuß Berlin, 12. Oktober. (J.T.A.) Das plötzliche Ableben des Landtagsabgeordneten Professors Dr. Hugo Preuß, des früheren Reichsinnenministers und Schöpfers der Verfassung der deutschen Republik, hat in der gesamten deutschen Öffentlichkeit tiefes Mitgefühl und Trauer hervorgerufen. Die Presse widmet dem großen demokratischen Führer Trauer- und Gedenkartikel, in denen zum Ausdruck kommt, daß Hugo Preuß nach Walter Rathenau der größte deutsche Jude in der deutschen Politik der Gegenwart und einer derjenigen war, die dem deutschen Volke in seiner tiefsten Not beigestanden haben. Die „Berliner V o 1 k s z e i t u n g“ überschreibt ihren Artikel mit den Worten: „Die deutscheRepublik trauertum Hugo Preu ß.“ Dr. Hugo Preuß, der frühere Reichsminister und Schöpfer der Verfassung der deutschen Republik, war der anerkannte Führer der deutschen Demokraten. 1889 habilitierte er sich an der Berliner Universität als Privatdozent für öffentliches Recht. Sein Hauptwerk war das 1906 erschienene Buch über die Entwicklung des deutschen Städtewesens. Als Jude und Demokrat war ihm die akademische Laufbahn sehr erschwert worden; erst 1906 wurde er zum Professor an der Berliner Handelshochschule ernannt. Die deutsche Reichsverfassung, die den Stempel seines Geistes trägt, sichert ihm ein bleibendes Angedenken für alle Zeiten. Hugo Preuß, der einer altangesehenen jüdischen Familie entstammt, war Zeit seines Lebens ein t reuer J u d e und verteidigte bei jeder Gelegenheit jüdische Ehre und jüdische Rechte. Seine Gattin entstammt der Familie Lieber mann, der ältesten jüdischen Familie Berlins, und ist eine Verwandte Max Liebermanns. Über die letzten Stunden Hugo Preuß’ erfahren wir folgendes: Den letzten Abend verbrachte Hugo Preuß in angeregter Stimmung in seinem Familienkreise. Seit langer Zeit war wieder die Familie ganz um das Oberhaupt versammelt. Er unterhielt sich mit seinen drei Söhnen über aktuelle politische Fragen. Nach Mitternacht zog er sich zurück, um an seinem großen Verfassungskommentar weiter zu arbeiten. Während der Arbeit fiel er in Ohnmacht, die herbeigerufenen Ärzte stellten einen Gehirnschlag fest. Nach drei Uhr morgens ist Hugo Preuß, umgeben von seiner Gattin und seinen drei Söhnen, verschieden. * Reichspräsident v. Hindenburg und der in Locarno weilende Reichskanzler Dr. Luther haben der Familie Hugo Preuß Telegramme herzlichen Beileids gesandt. Der preußische Ministerpräsident Braun hat an die Witwe Preuß’ ein Beileidstelegramm gesandt, in welchem er im Namen der Preußischen Regierung „das tiefgefühlte und aufrichtige Beileid ausspricht in der Überzeugung, daß das deutsche Volk in dem Schöpfer seiner Reichsverfassung einen seiner w e r t v o 11 s t e n B ii r g e r verliert. . .“ In dem gleichen Sinne hat der preußische Innenminister Severin g sein Beileid ausgesprochen. Der Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Dr. Koch, hat an Frau Preuß ein Schreiben gerichtet, in welchem es u. a. heißt: ,,. . . So bedeutsam das ist, was Ihr Gatte politisch und wissenschaftlich vor 1914 und nach 1919 geleistet hat, im deutschen Volke wird nicht so sehr der Parlamentarier und Gelehrte, wie der Vater der Weimarer Verfassung fortleben. Mit diesem großen Werke, das, in deutscher Not entstanden, für das deutsche Volk die feste Daseinsgrundlage in schwerster Bedrängnis geworden ist, istsein Name unsterblich geworden.... Ihr Gatte, verehrte gnädige Frau, wird in der deutschen Geschichte als einer der Männer fortleben, die in entscheidender Stunde das von seinen Führern verlassene deutsche Volk wieder aufgerichtet und in mutigem Glauben die Grundlage für eine bessere Zukunft gelegt haben.“ Der sozialdemokratische Parteivorstand hat an die Witwe Hugo Preuß’ ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: ,,.... In einer Zeit tiefster Not hat Hugo Preuß seine ganze starke Persönlichkeit für die Rettung unseres Volkes eingesetzt. Als Schöpfer der republikanischen deutschen Reichsverfassung hat er ihm neue Wege des Aufstiegs nach tiefem Fall eröffnet . . .“ * Die echt Bulgatis* Philippope^to-r^C^/schuK" Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Qualitätstabake