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Das jüdische Echo · 1925-10-09 · 41 (9.10.1925) · p. Seite 773

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
41 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 773 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4i Das Jüdische Echo 773 schaft der Erde, nur unsere Thora hält sich von einer solchen Beschreibung fern, ein Beweis für die Reinheit und weise Vorsicht des Judentums. Unsre Weisen erzählen: „Als Moses vor seinem Tode mit einem Segen vom Volke Israel sich verabschiedete, rief das Volk ihm zu: Sage uns doch, was wir im zukünftigen Leben zu erwarten haben. Bisher hast du uns geführt und für unser Gemeinwesen gesorgt, ohne auch nur mit einem Wort auf unsren Lohn in der anderen Welt hinzudeuten. Nun da du selbst vor den Pforten derselben stehst, wirst du uns vielleicht das Leben dort schildern? Moses antwortete: „Ich weiß es nicht; niemand vermag dies zu beschreiben, kein Auge eines Sterblichen kann in das Reich der Seligen schauen; der Gott, den ich euch lehrte und in dessen Namen ich zu euch sprach, hat keine Gestalt und entzieht sich unsren Blicken; in ihm lebt die Seele fort. Heil ■®uch mein Volk, Großes wird euch von Gott nach dem Tode bereitet; warum wollt ihr neugierig die Geheimnisse der künftigen Welt erkunden? der Gott, der väterlich in der irdischen Welt für euch sorgte, wird auch dort seine Gerechtigkeit und Gnade nicht versagen.“ I y r i. Neuhebräisch an der Prager tschechischen Universität Prag (J. T. A.). Mit Beginn des jetzigen Semesters wird an der tschechischen K a r 1 s - Universität in Prag, und zwar beim Seminar für semitische Philologie, dessen Direktor Prof. Dr. R. Ruzicka ist, ein Lektor a t für N e u hebräisch errichtet. Zum Lektor wurde Rabbiner Professor Dr. Isidor Hirsch bestellt. Lektor Dr. Hirsch wird im Wintersemester 1925/2(5 folgende Vorlesungen und Seminarien abhalten: 1. Grammatik der neuhebräischen Sprache, Lektüre und praktische Sprachübungen; 2. Übersicht über die Geschichte der neuhebräischen Literatur: die Zeit des Talmud, des Mittelalters und die neueste Zeit (20. Jahrhundert); 3. Der ethische Mischnatraktat: Pirke Aboth. Die offiziösen „N ä r. List y“ schreiben zu der Errichtung des neuhebräischen Lektorats: Damit ist an der tschechischen Universität eine Institution geschaffen worden, die erste ihrer Art, deren Aufgabe es sein wird, den Hörern die Kenntnis der Sprache, Geschichte und kulturelle Entwicklung des nachbiblischen Judentums von der Entstehung des Talmuds an bis zu unserer Zeit zu vermitteln. Diese judaistischen Studien sind, wie bekannt, von großer Wichtigkeit für die Erkenntnis der Entwicklung der europäischen Kultur im Altertum, Mittelalter und Neuzeit und bieten einen Schlüssel zur Erfassung vieler geschichtlicher und kultureller Probleme; sie beleuchten eine Bewegung, welche mächtig in die Geschichte der europäischen und außereuropäischen Menschheit eingegriffen hat. Darum ist die Errichtung eines Lektorats für Neuhebräisch, das mit Unterstützung der maßgebenden Faktoren die Grundlage für ein tschech. judaistisches Institut werden kann, zu begrüßen. Die jüdische Wochenschrift „Selbst w e li r“ schreibt: Die Errichtung dieses neuhebräischen Lektorates an der tschechischen Universität ist ein Ereignis, das wir mit großer Freude registrieren. Es ist uns ein Zeichen, daß die Welt von der Renaissance der hebräischen Sprache Kenntnis zu nehmen beginnt. Es ist aber auch ein Zeichen für die freie und kluge Studienpolitik der tschechischen Universität und für den Weitblick des Leiters des semitischen Seminars Prof. Dr. Ruzicka. Wir freuen uns insbesondere, daß die Wahl auf Prof. Hirsch gefallen ist, einen Mann von tiefem jüdischem Wissen, der in vorbildlicher Weise Treue zum jüdischen Volke und vornehme Menschlichkeit ineinander zu verschmelzen verstanden hat. Die amerikanisch~jüdische Vertretung beim Völkerbund Zum Schutz der Minderheitsrechte. Wie der „Wiener Morgenzeitung“ aus New York gemeldet wird, ' wurde in der unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Stephen S. W i s e abgehaltenen letzten Sitzung der Exekutive des amerikanischjüdischen Kongresses auf Antrag des Vorsitzenden beschlossen, die erforderlichen Schritte wegen Schaffung einer ständigen Vertretung der amerikanischen Judenschaft beim Völkerbund zu unternehmen. Auf Grund des Referats von Dr. Wise werden jetzt mit sämtlichen in Betracht kommenden jüdischen Organisationen Amerikas Verhandlungen gepflogen, um eine Einigung in der Personenfrage herbeizuführen, da Gewicht darauf gelegt wird, daß der Vertreter beim Völkerbund im Namen der gesamten Judenschaft Amerik a s auftrete. Bezüglich der Richtlinien für die politische Haltung des zu entsendenden Delegierten besteht insoferne schon jetzt in allen amerikanisch-jüdischen Kreisen eine einmütige Auffassung, daß es dem Vertreter zur Pflicht gemacht wird, für die strikte und uneingeschränkte Einhaltung der im Versailler Vertrag festgesetzten Bestimmungen über die Rechte der nationalen und konfessionellen Minderheiten zu wirken. In der Eröffnungssitzung des amerikanisch-jüdischen Kongresses wird Frau Anitta Müller- Cohen ein Referat über die Lage der Juden in Europa erstatten. Wie schon berichtet, tritt der Kongreß am 25. Oktober zusammen. (Im Vorjahr hielt Israel Zangwill das europäische Referat.) Der Äusbau der Jerusalemer Universität Die Münchener Sitzung. Herr Dr. M a g n e s , der dieser Tage in Wien weilte, machte einem Mitabeiter der „Wiener Morgenzeitung“ die folgenden detaillierten Mitteilungen: Von dem bisherigen Kuratorium der Universität waren die Herren Nahum S o k o 1 o w , Prof. Einstein und Dr. Magnes zu der Sitzung in München erschienen. Die Herren Dr. Chaim Weizmann (London), Sir Alfred Mond und James de Rothschild (London), Ach ad Ha am und Chaim Bialik (Palästina), Felix War bürg und Dr. E. Libmann (New York) halten ihre Abwesenheit entschuldigen lassen. Es waren ferner anwesend die Herren Prof. E h r - mann (Berlin), Professor Landau (Göttingen), Prof. Ornstein (Utrecht), Prof. Horowitz (Frankfurt), Dr. Buber (Frankfurt), Richter Mack (New York) und Prof. Schlössinger (Haag). Diese Herren wurden später ins Kurator i u m gewählt. Als Sachverständige waren die Herren Prof. Otto Warburg und Prof. F o d o r anwesend. In das Kuratorium wurden dann noch gewählt: Oberrabbiner Dr. Chajes und Prof. Siegmund Freud (Wien), Sir Herbert Samuel

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