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Das jüdische Echo · 1925-10-09 · 41 (9.10.1925) · p. Seite 772

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
41 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 772 (sequence 4)
Language
German
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772 Das Jüdische Echo Nr. 41 sehen Kalvaria und Mariarapol). Dort waren unter den Bauern mehrere Juden, deren Vorfahren schon seit über hundert Jahren dort gesessen hatten. Anderenfalls hätte die zaristische Regierung sie längst fortgejagt. Ich fragte damals die nichtjüdischen Bauern, wie sie sich mit den Juden vertrügen. Ich habe nur Freundliches zu hören bekommen. Die Schaffung einer autonomen jüdischen Republik halte ich nicht für zweckmäßig, weil dazu andere Volksteile ausgesiedelt werden müßten, um den Juden die Mehrheit zu verschaffen. Dadurch würde nur Mißmut erregt werden. Wohl aber halte ich es für einen guten Gedanken, solche enteigneten Güter, die heute noch brach liegen, jüdischen Siedlern zur Schaffung ganzer jüdischer Dörfer zu geben. Man würde dann später inmitten russischer auch rein jüdische Dörfer finden. Ich glaube, daß dadurch ein ganz natürlicher Wettstreit entstehen würde, der der intensiven Landwirtschaft nur zugute kommen könnte. Ich bin sicher, daß die intelligenten Juden schnell einen Vorsprung haben würden. Ich bin aber ebenso sicher, daß der sonst am Alten zähe festhaltende russische Bauer schnell moderne Methoden annehmen würde, wenn ihm der höhere Bodenertrag des Nachbarn täglich vor Augen stünde. Die jüdischen Landwirte würden auch als Lehrer für intensive Bodenkultur auf andere Bauerndörfer entsandt werden können. Ich glaube danach, daß die Ansiedlung aus russischem volkswirtschaftlichem Interesse gar nicht schnell genug vorgenommen werden kann. Ich fasse danach meine Beobachtungen dahin zusammen, daß die Juden im heutigen Rußland nicht die Herrscher sind, und daß sie dort, wo sie vermöge ihrer besseren Bildung tätig sind, durchaus nützliche Arbeit leisten. Fcstcsrückblick Reich an Festtagen ist der Monat Tischri und alle durchbrechen die konfessionellen Schranken des Judentums und führen uns in das Herz der Menschheit. Am Rosch Hasch an ah wird uns im Gotteshaus der Geist unserer Propheten vor Augen geführt, jener Männer, die einst auf den Höhen Zions thronten, von welcher Stelle aus sie allen Nationen die wahrhafte und reine Golteserkenntnis, die lautere Sittlichkeit, ungetrübten Frieden, wahre Gerechtigkeit und Menschenliebe predigten. An diesem Feste beten wir um die Erleuchtung aller Völker, um ihre Befreiung aus den Banden trügerischer Gottheiten und um das Herannahen jener Zeit, in welcher alle Guten und Gerechten, alle Frommen und Redlichen sich freuen und die Herrschaft der Bosheit und des Frevels gebrochen wird. Am Versöhnungstage wird uns an einem Beispiel (Jonah) gezeigt, wie aufrichtige Reue Herz und Gewissen neu beleben und den guten Geist im Menschen wieder zur Herrschaft gelangen lassen. Am H ü 11 e n f e s t e läßt uns der Prophet Secharja einen Blick in die Zukunft der Menschheit tun. Nach Jahrtausenden, verkündet der Prophet, ist es Abend in der Geschichte, dunkle Wolken verschleiern den Himmel, Schatten hüllen die Erde ein, die Menschen sind müde und matt geworden, es fehlt ihnen der Blick und die sichere Hand, um den sich widersprechenden Bestrebungen in ihrer Mitte eine feste Gestalt zu geben — da plötzlich bricht ein neuer Strahl der Sonne durch, aus den Höhen Jeruschalaims wälzt sich ein mächtiger Strom und ergießt sein lebendiges Wasser ins. Meer und Millionen Stimmen übertönen das Brausen der Strömung und rufen in die Welt hinaus: „Ein neues Reich ist erstanden, ein Reich des Friedens, der Wahrheit und Gerechtigkeit, Gott ward unser Herr und König.“ An diesen Tagen lesen wir von den Opfern, die in Israel zur Sühne und zum Segen aller Mens c h e nstä m m e dargebracht wurden, und endlich wird uns der erste Tempel vorgeführt, in welchem Salomo ein Weihgebet verrichtet, wie es" vor und nach ihm nie vernommen wurde, ein Gebet, das der fremden Nationen ebenso liebevoll wie des eigenen Volkes gedenkt, das Gebet des Friedens f ii r s t e n Salomo, der seine Krone nicht mit dem Blute von Eroberungen befleckte und Gott pries, daß er seinem Volke Ruhe und Frieden gab. Und den Beschluß der Feste bildet nach dem „Sabbath Chol Hamoed“ oder, wie in diesem Jahre, gleichzeitig mit demselben, Schemini Azer e t h. An diesem Tage eröffnen wir das Gebet um Regen, der in Israel ein altes Bild der Verjüngung und Neubelebung der Seele ist, nachdem wir kurz vorher im Gebet einen Akt der Pietät, zum Andenken an Verstorbene, unsre Ahnen, begangen haben. Wie der Regen den harten Boden erweicht, ihn verjüngt und neu belebt, so sprießt aus dem Staub der Gräber neues, höheres Leben. Sagen wir doch auch im täglichen Gebete nach dem Preise der göttlichen Allmacht, welche das Tote belebt, die Worte: Es ist derselbe Gott, welcher den Wind wehen läßt und den Regen der Erde spendet. Ein alter Brauch ist es, am Schabbath Chol Hamoed oder Schemini Azereth das Buch Ko hele th zu lesen. Der Verfasser dieses einzigartigen Buches sinnt und forscht nicht nur über Alles, was unter dem Himmel geschieht, sondern auch über den Menschengeist nach seiner Trennung vom Staube, der zur Erde zurückkehrt. Allein weder Koheleth, noch die Thora, noch ein Prophet gibt uns Kunde über die Art der Fortdauer. Wir lesen in Koheleth nur: „Der Geist kehrt zu Gott zurück“ und es fehlt jede Bemerkung: über das Jenseits. Im Talmud (Traktat „Berachoth“) finden wir eine Stelle, in der es heißt: „Die Propheten schauten nur in die irdische Zukunft der Menschheit, in die kommenden Tage des Friedens und des Glücks der Völker; die zukünftige Welt ist ihnen verschlossen, mit Ehrerbietung halten sie ihre Worte zurück über ein Reich, in das kein sterbliches Wesen eindringen soll, das Gott allein gehört.“ Andere Religionsschriften beschreiben das Jenseits wie eine Land- S. LEV1NGER MÖNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse

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