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Das jüdische Echo · 1925-10-02 · 40 (2.10.1925) · p. Seite 762

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
40 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
Seite 762 (sequence 10)
Language
German
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762 Das Jüdische Echo Nr. 40 Einige Stichproben aus dieser traurigen Statistik: Alzenau 6 Schulkinder, 6 Kinder von 1—5 Jahren. Ansbach 8 Schulkinder, 10 Kinder von 1—5 Jahren. Aschaffenburg 25 Schulkinder,? Augsburg 50 Schulkinder, Nachwuchs gering. Erlangen 6 Schulkinder, 9 Kinder von 1—5 Jahren. Grünstadt 12 Schulkinder. Haßfurt 4 Schulkinder. Hof 2 Schulkinder, 5—8 Kinder von 1—5 Jahren. Lichtenfels 3 Schulkinder, 4 Kinder von 1—5 Jahren. Memmingen 4 Schulkinder, 18 Kinder v. 1—5 Jahren. Miltenberg 6 Schulkinder, günstigere Zahlen für den Nachwuchs. Nördlingen 8 Schulkinder. Straubing 2 Schulkinder, günstigere Zahlen für den Nachwuchs. T e i 1 h e i m 6 Schulkinder, 12 Kinder v. 1—5 Jahr. So bleiben uns neben wenigen Mittelgemeinden nur die Großstädte und hier fehlen mit Ausnahme von Nürnberg die Oberklassen. Lassen Sie mich mit den Zahlen für München schließen. Hier in der größten Gemeinde des Landes ist die Zahl jüdischer Volksschüler von 810 im Jahre 1913 auf 350 im Jahre 1924 zurückgegangen. Mit Neid —. einem Gefühl, das mir sonst fremd ist — sah ich auf die jüdischen Schulen des Rheinlandes: Essen, Duisburg, Dortmund und vor allem auf Köln, Eine jüdische Musterschule in einem geräumigen, von der Stadt kurz vor Kriegsausbruch erbauten Schulhaus mit Spielplatz und Turnsaal, Schulküchen und Bad, mit Handarbeitsräumen, ausgestattet mit den besten Lehr- und Anschauungsmitteln bildet diese Erziehungsstätte den Stolz der Stadt und der jüdischen Gemeinde. Unter Führung von Rektor Coblenz unterrichten 15 Lehrer und Lehrerinnen 600 jüdische Kinder. Von der Sangeskunst des Schülerchors war die Begrüßungsfeier umrahmt, die den 8. Verbandstag in Köln willkommen hieß. Schon diese Schule gesehen zu haben, war reicher Lohn für die Fahrt nach Köln, „Möchten doch allenthalben im Reiche solche Schulen entstehen“, war der Wunsch, den ich mit nach Hause trug. V. Da ich diese Schule gesehen und mit alten und jungen Kollegen aus dem Rheinland und Westfalen, die unabhängig und frei als Volksschullehrer niemals die sozialen und materiellen Nöte gespürt haben, unter denen die bayerischen Lehrer und Kultusbeamten so lange litten, da erwuchs mir auch das psychologische Verständnis für den scharfen Gegensatz, der in der Lehrervorbildungsfrage die Geister trennte. Erhatic & Wille Herren- und Damenschneiderei MÜNCHEN Marienplatz 18/1 Telephon 23829 Einig waren die beiden Richtungen in der Vorbildungsforderung: Absolvierung einer Mittelschule bis zur Vollreife. In der Ausbildungsfrage schieden sich die Meinungen in zwei Lager: Rheinländer, Württemberger und Pfälzer verlangten für den jüdischen Lehrer die gleiche Ausbildung wie für Volksschullehrer. Die Wortführer der Gegenseite, Seminardirektor Gutmann und .1. B. Levy, stellen die Forderung einer gleichwertigen Ausbildung mit besonderer Vertiefung jener Wissensgebiete, die der Kultusbeamte als Religionslehrer, Kantor, Prediger beherrschen muß. Schroffe Ablehnung fanden Vermittlungsanträge des Vertreters des preußischen Gemeindeverbandes, Professor Türk, der Notklassen zur Deckung des Augenblicksbedarfs an Lehrern forderte. Die Rheinländer und ihre Freunde verteidigten von hoher idealer Warte die Mauern der jüdisch-konfessionellen Volksschule, die nicht bloß den Nachwuchs der Kinder, sondern auch Junglehrer braucht, ausgerüstet mit dem gleichen Wissen und Können wie die andersgläubigen Volksschullehrer. Nicht geringer sind die Forderungen der Gegenseite, die das religiöse, philosophische, methodische und künstlerische Wissen und Können des Kultusbeamten nach den praktischen Postulaten des Berufes vorschreiben will. Der Vorschlag, der diesem praktischen Standpunkt Recht gibt, wurde mit einer knappen Mehrheit angenommen. Ich halte diese Abstimmung für eine Inkonsequenz und will diesen Mangel der Folgerichtigkeit an den bayerischen Verhältnissen darlegen. Wir werden uns theoretisch auf die Forderung der Vollreife (Absolutorium einer Mitelschule) stellen, wenn auch in Bayern als dem einzigen Land in Deutschland gesetzlich die bisherige Lehrervorbildung noch rechtens ist. Unser Lehrernachwuchs wird vorläufig praktisch den Weg durch Präparandenschule und Seminar gehen und wir müssen mit den gegebenen Tatsachen rechnen, so gut wie die christlichen Lehrer. Wir verlangen nach wie vor jüdische Volksschulen; ich brauche die Gründe dafür nicht anzugeben, da ich und meine Freunde seit 30 Jahren in Wort und Schrift die innere Berechtigung der Forderung aufgezeigt haben, auch wenn äußere Verhältnisse heute der Erreichung des Zieles entgegenstehen, Das Aufgeben der jüdischen Volksschule ist gleich dem Aufgeben des Berufes eines jüdischen Lehrers. Wir wollen auch nicht den geistigen und sozialen Standart des jüdischen Lehrers herabdrücken, indem wir einer Ausbildung zustimmen, die ihn gegenüber dem Volksschullehrer degradiert. Durch 100 Jahre hatten wir die gleiche Vorbildung, wenn auch nie das gleiche Recht. Wenn wir jüdische Volksschulen erstreben, müssen wir jüdische Volksschullehrer bereitstellen — Lehrer, die die Vorbedingungen zur staatlichen Anstellung erfüllt haben. Noch ist die Frage in Bayern nicht spruchreif und drängt zu keiner Entscheidung. Wir können uns aber nicht der Verpflichtung entziehen, über die Wege der Bildung einer kommenden Lehrergeneration nachzudenken, um alles bereit zu haben, sobald die Theorien praktisch sich auswirken. Die Frage nach der Ausbildung des Lehrers ist nicht zu trennen von den Forderungen, die der jüdische Lehrerberuf und der damit meist vereinigte des jüdischen Kultusbeamten stellen: 1. Befähigung jüdische Kinder in Volks- und Religionsschulen zu erziehen und zu bilden,

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