Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 40 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- Seite 759 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 759 große Kraft in der Welt; wenn diese Kraft in den Dienst des Christentums gestellt würde, so würden die Resultate wundervoll sein. Der jüdische Christ, heißt es in dem Schreiben weiter, hört keineswegs auf. Jude zu sein, im Gegenteil; er wird erst recht ein vollkommener Jude. —■ Es sprachen noch der Präsident der amerikanischen Hebrew Christian Association, Max Reich, der palästinensische Delegierte Mr, S. B. R o h o 1 d und der Hamburger Vertreter Dr. A. Frank, der persische Vertreter Khodadad E. K e i t h , sowie viele andere Ländervertreter. ÄUerlei vom Toten Meer Wir geben im folgenden den interessanten Schilderungen unseres Nürnberger Freundes Dr. Stefan Loewengart Raum, dessen Eindrücke aus einer hierzulande nicht allzubekannten Sphäre palästinensischen Lehens stammen. Jericho, Totes Meer — das sind Anziehungspunkte für den jüdischen und nichtjüdischen Touristen. In weniger als zwei Stunden bringt ihn das Automobil auf der teilweise ausgezeichneten Gebirgsstraße (eine der wenigen guten Straßen aus türkischer Zeit, zu deren Errichtung allerdings erst Wilhelm II. nach Palästina kommen mußte!), in die Jordansenke herunter. In dunkler Bläue, meist von einer leichten Brise gekräuselt, breitet sich die weite Wasserfläche vor ihm aus, im Osten und Westen steigen die kahlen Gebirge Transjordaniens und Palästinas aus dem Meere auf, nach Süden kann selbst das bewaffnete Auge keinerlei Land sichten. Ein paar schmutzige Beduinenkinder und Weiber mit der unvermeidlichen Tätowierung drängen sich an ihn heran, um ihm ein paar Salzkristalle aufzuhängen oder den landesüblichen Bakschisch abzuknöpfen, ein paar Steine werden zur bleibenden Erinnerung aufgelesen, die Begleiter werden zum xten Male geknipst, die ganz Mutigen wagen sogar ein Bad in den salzigen Fluten — dann rast das Auto davon zur nächsten Attraktion — der Jordanfurt. Ist es nicht überall die gleiche Eigenart, in der sich das Wesen der Massenwanderung ausdrückt, die gleiche Dreiheit von Kommen, Bewundern, Abfahren, oh man nun auf dem Rigi, am Königssee (um einen den Lesern Ihres Blattes naheliegenden Vergleich zu gebrauchen), oder am Toten Meer ist. Auch die Limonadenbude fehlt hier nicht. Nur begnügt sich unser biederer Volksgenosse aus New York, nachdem er sein auch dem Kenner schwer verständliches Englisch mit seiner Muttersprache vertauscht hat, nicht — gleich dem uns von unserer Sommerreise so wohlbekannten Sachsen — mit der Bewunderung der Natur. Sein Interesse richtet sich vernünftigerweise auch auf die Realität der Dinge — von der er allerdings meistens etwas bizarre Vorstellungen hat. So glauben 90 von 100, daß man die Salze des Toten Meeres zu Heilzwecken verwenden würde — eine Vorstellung, die sicher mit dem Interesse von uns Juden für unsere Krankheiten zusammenhängt. Doch — ich will unsere Touristen nicht weiter aufs Korn nehmen, sonst könnte der eine oder andere, der schon die Schiffskarte nach Jaffa in der Tasche hat, sich entschließen, sie wieder zurückzugehen. End diese Verantwortung möchte ich nicht auf mich nehmen, denn Palästina braucht den Fremdenverkehr dringend notwendig; im heutigen (vielleicht auch im künftigen) Stadium der Entwicklung stellt er sogar die Haupteinnahmequelle des Landes dar. Noch stellt die Entwicklung, die diesem Teil Palästinas sicher bevorsteht, erst in den allerersten Anfängen. Die gewaltigen Mineralmengen, die das Tote Meer birgt, harren erst ihrer Erschließung, die sich noch im vorbereitenden Stadium befindet. Führen sie zu einem günstigen Ergebnis, so wird Palästina eines Tages mit einem nicht kleinen Anteil an der Kaliproduktion der Welt teilnehmen. In weiterer Ferne liegt die Gewinnung von Erdpech und Asphalt, von denen die Bibel ja schon zu berichten weiß, namentlich deswegen, weil sie in zu entlegenen Gebieten auftreten. Ob der Stammvater des Asphaltes, das Petroleum, «sich in den Tiefen der palästinensischen Erdschichten finden wird, ist heute ein noch ungelöstes Problem. Das Wirken der Weltmächte des Petroleums vollzieht sich hinter Mauern, hinter die der Uneingeweihte nur selten einen Blick tun kann, und auch über die Erfolge oder Mißerfolge der amerikanischen Ölgesellschaften, die hier gebohrt haben, sind nur unkontrollierbare Gerüchte in die Öffentlichkeit gedrungen. Der wertvollste Schatz, den die Natur dem Menschen hier zu bieten vermag, ist nicht Kali, Petroleum — oder gar Gold. Er ist das Wasser, das überhaupt erst die Grundlage einer menschlichen Zivilisation zu schaffen vermag. Tot und schweigend liegt die Wüste vor uns in der zitternden Luft des Mittags, die, von leichtem Wind getrieben, wie schweres öl über dem Erdboden dahinkriecht. Kein lebendes Wesen in der Nähe, nur hier und da eine kleine Eidechse, die vorüberhuscht, oder eine Fliege, die das Dasein des Menschen angelockl hat. Doch schon das brackische durch das nahe Meer stark versalzene Wasser ruft eine, wenn auch nicht eintönige Vegetation von grünen harten Salzsträuchern hervor, um die sich schon eine ganze Kleinlehewelt sammelt und auch das unscheinbare aber zahlreiche Vieh des Beduinen begnügt sich noch Jßsm^ru^ßhneicLe^Qi fflxmven^ßhnßidjepoL