Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 39 (25.9.1925)
- Date
- 1925-09-25
- Page
- Seite 744 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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744 Das Jüdische Echo Nr. 39 die liegt nicht jedem und ist eine Sorge des Schriftleiters, sondern jene Mitarbeit, die unablässig dafür sorgt, daß die Gedanken, welche das Gemeindeblatt vertritt, in allen Kreisen der Gemeinden Eingang und dort Verständnis finden. Die Verbandsideale müssen über den Geldsackstandpunkt des Gebens und Nehmens hinaus in die Herzen der Gemeindemitglieder eindringen. Erst, wenn alle unsere Gemeinden für den Gedanken der Einheit und Einigkeit reif geworden, wenn der altjüdische Verpflichtungsgedanke ,,Kol jisroel arebim seh boseh“, daß jeder in Israel verantwortlich ist für das Wohl und Weh des andern, Tat geworden, dann erst kann der Verband jene Fülle religiöser, sozialer und materieller Pflichten hemmungslos erfüllen, die Herr Rabbiner Dr. S t e i n im Schlußwort eines Aufsatzes also fort: „Es darf wohl als sicher gelten, daß die Gründung des Verbandes eine Tat zur rechten Zeit bedeutete, daß der Verband eine lange gefühlte Lücke im bayerischen Judentum ausfüllt, daß durch den Verband das bayerische Judentum eine zu seiner Vertretung berechtigte Instanz erhalten und gerade dadurch eine Mehrung seines Ansehens erfahren hat. Der Bestand des Verbandes bedeutet für die Gemeinden eine Entlastung angesichts der auf ihnen ruhenden und doch nicht von ihnen in vollem Umfang erfüllbaren finanziellen Verpflichtungen. Wir sahen, daß die Gemeinden und Beamten in gleicher Weise an dem Bestand des Verbands interessiert sind. Und diese Tatsache berechtigt zu der Erwartung, daß der Verband nicht mehr aus dem jüdischen Leben in Bayern verschwinden wird, daß alle an ihm Interessierten nicht nur selber für den Verband sich einsctzen, sondern auch Interesse und Liebe für den Verband in allen Kreisen zu wekken bestrebt sein werden. Wir schauen voll sicherer Erwartung und fester Zuversicht in die Zukunft und zweifeln nicht, daß der Verband auch in der kommenden Zeit seiner großen, heiligen Aufgabe sich gewachsen zeigen wird, das Wohl der jüdischen Gemeinschaft in Bayern zu sichern, über die Ehre des Judentums zu wachen und das’ religiöse Leben in Bayern zu voller Entfaltung zu führen. Diese Aufgabe vollinhaltlich zu lösen, wird der Verbandsleitung umso leichter werden, je mehr die bayerische Judenheit tm Bewußtsein der hohen Verdienstlichkeit des Verbands demselben Interesse und Liebe entgegenbringen wird.“ Liebe Kollegen! Das ist auch eure Aufgabe, in der ihr nicht erlahmen und ermüden dürft, wenn auch Kurzsichtigkeit, Selbstsucht und Engherzigkeit, die nur do, ul des „Ich, die Gemeinde gebe, wenn du. der Verband das zehn- und zwanzigfache der Eigenleistung uns wiedergibst“ kennt, sich immer wieder erheben. Was der Verband den Beamten finanziell leistet, kommt auf die Habenseite jener Gemeinden, die ohne diese Hilfen keinen Rabbiner, Lehrer und Vorbeter hätten. Heute streben viele Kollegen aus Norddeutschland nach dem Süden. In der Provinz Ostpreußen sind 24 Beamtenstellen, vielfach in Gemeinden mit 50—100 Familien, vakant, Berlin wirbt vergeblich um Meldungen von Rabbinern, Lehrern und Kantoren. Die kleinen Zwerggemeinden Bayerns aber, die sich Jahrzehnte keinen Beamten leisten konnten, finden Bewerber, denen sie auf Konto des Verbandes goldene Berge in Aussicht stellen. Hier gilt es zu hemmen; denn diese Gemeinden sind meist finanziell nicht in der Lage, 50 Prozent des Gehaltes aufzubringen, sie können aber auch allein keinem Beamten eine Betätigung anweisen, die seine Zeit ausfüllt. Wir haben deshalb bei dem Verband, einer Anregung Dr. Hanovers folgend, die Aufstellung von Bezirkslehrern angeregt. Freund St oll hat, wie aus dem Verbandsprotokoll zu ersehen, diesen Teil der Resolution begründet. Ich habe dazu Bildung von Be zirksgemeinden verlangt. Der Verband wollte mit Hilfe der Distrikts-Rabbinate und Distriklsausschüsse den Gedanken in die Tat Umsetzern Wir machten unsere Rechnung ohne den Eigenwillen der Kleingemeinden: Kleinsteinach will nicht mit Hofheim gehen und Eschau will den Dreibund nicht schließen, zwischen Cronheim und Heidenheim bestehen Gegensätze, für die der Lehrer mit Ablehnung der Eingruppierung büßen muß, Veitshöchheim und Rimpar wollen getrennt marschieren, Ottensoos, Schnaittaeh und Hültenbach verlangen zu Lasten des Verbandes je einen Lehrer, obwohl ein Beamter die drei Gemeinden betreuen könnte, Burgsinn und Mittelsinn sind verschiedenen Sinnes über eine Einigung. Ich könnte die Beispiele mangelnden Gemeinsinns forlsetzen. Es gibt Gemeinden, die noch keinen Pfennig an Verbandsumlagen abgeliefert haben. Da müßte der Beamte demonstrativ seine Steuer bezahlen und im Gegensatz zur Weisung des friedliebenden Hillel möchte ich einem jeden Kollegen in solchen Gemeinden zurufen: „Trenne dich von der Gemeinde!“ und zahle du wenigstens dem Verband deine kleine Pflichlabgabe! Wären nicht die Gemeinden, die nach dem Vorbild Münchens und Nürnbergs ihre Verpflichtungen erfüllen, die überwiegende Mehrzahl, der Verband wäre längst zerfallen. Dann würde das alte Elend für Gemeinden und Beamte wiederkehren, das so manche der alten Kollegen durchlebt und so mancher jüngere Kollege vergessen hat. Ich habe es in den Denkschriften von 1908 und 1914 in harten Zahlen vorgeführt. Nie würde unverjährbares Unrecht an unseren Witwen, Waisen und Pensionisten gutgemacht und die Zukunft unserer vor der Dienstunfähigkeit stehenden Altlehrer gesichert werden, wenn nicht der Verband nun als Abschluß materieller Hilfen nach dem warmherzigen Referat des Verbandssyndikus Flaschner und unseres Versorgungsreferenten St oll beschlossen hätte: 1. Der Verband bayerischer Israelitischer Gemeinden übernimmt als eigene Beamte gegenüber dem Versorgungsverband die Beamten derjenigen Gemeinden, Distrikte und Anstalten, die vom Verband einen regelmäßigen Zuschuß zur Beamtenbesoldung erhalten. 2. Der V.B.I.G. übernimmt die Regelung der Beitragszahlung für diese Gemeinden, Distrikte und Anstalten und meldet deren Beamte mit ihren vollen CAFE FORSTENHOF BESITZER: OTTO SEELÄNDER MÜNCHEN N E U H A U S E R S T R A S S E 21 Geöffnet täglich ab 3 Uhr nachmittags DER BLA UE SAAL SEHENSWÜRDIGKEIT EIGENE KONDITOREI NACHMITTAG UN D ABEND KONZERTE