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Das jüdische Echo · 1925-09-25 · 39 (25.9.1925) · p. Seite 741

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
39 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
Seite 741 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 741 deutschen Minderheit nur 19 Prozent wohnen. Es fehlten 115 Personen. Nun wohnen aber in dem gleichen Gerichtsbezirke 616 Personen, die sich zur jüdischen Nationalität bekannt haben, aber sich der jüdischen oder hebräischen Sprache nicht bedienen können, und zwar auf Grund des erwähnten Hofgesetzes. Es wurde nun beantragt, diese 616 jüdischen Bewohner zu befragen, wieviele von ihnen sich der deutschen Sprache bedienen, um so festzustellen, ob nicht mindestens 115 sich zur deutschen Sprachzugehörigkeit bekennen würden. Das Oberste V e r w a 11 u n g s g e r i c h t entschied gegen diese Beschwerde und begründete dies damit, daß Sprache und Volkszugehörigkeit Synonyme sind und daß die Verkehrssprache vollständig irrelevant ist. Es sei auch gleichgültig, ob irgendein Bruchteil der in einem Gerichtsbezirk wohnenden Personen, welche sich hei der Volkszählung zur jüdischen Nationalität bekannt hat, seine eigene Sprache entweder nicht verwendet oder unter dem Einflüsse seiner historischen Entwicklung verlor e n h a t oder eine solche überhaupt nicht besitze, weil die nationale Sprache zwar ein normales aber nicht das einzige Merkmal der Volkszugehörigkeit ist. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, daß heute noch die Bestimmung aus dem Jahre 1814 in Kraft ist, nach welcher die Anwendung der hebräischen Sprache vor den Behörden verboten ist. Aus dieser Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichtes folgt also, daß die Juden in der Tschechoslowakei als nationale Minderheit gelten, aber keine Sprachenrechte besitzen. * * * Die Zentral-Exekutive der „Jüdischen P a r - t e i“ hielt dieser Tage in Preß bürg unter großer Beteiligung von Delegierten aller tschechoslowakischen Wahlkreise eine Tagung ab und beschloß prinzipiell, bei den bevorstehenden Parlament swählen eigene Kandidaten aufzustellen. Die Exekutive, in deren Präsidium Dr. Ludwig Singer (Prag), Dr. Sipos (Preßburg) und Dr. J u s k o v i t s (Uzhorod) gewählt worden sind, erklärte in einer Resolution, fest entschlossen zu sein, die jüdischen Stimmen in den kommenden Wahlen auf Grund des angenommenen Programmes zu konzentrieren. Sie nahm eine weitere Resolution an, in der das Bedauern ausgesprochen wird, daß jüdische religiöse Institutionen von Funktionären, die über die öffentliche Ordnung zu wachen haben, zu politischen Parteizwecken mißbraucht werden. Eine weitere Resolution protestiert gegen die Versuche von Wahlterror, die schon jetzt in Kar - pathorußland auftauchen und betont den festen Willen, sich mit allen gesetzlichen Mitteln jedem Versuch einer Schmälerung des verfassungsmäßigen Wahlrechtes zu widersetzen. Mit der Aufstellung der Kandidatenliste wurde ein engerer Vollzugsausschuß betraut. Die Prager „S e 1 b s t w e h r“ begrüßt den Entschluß des Vollzugsausschusses und führte aus: „Wir wollen die große politische Errungenschaft unserer Tage, daß wir Juden als Subjekte angesehen werden, im Leben der Völker und innerhalb des Staates nicht mehr aufgehen; sie hat eine viel zu große moralische und pädagogische Bedeutung für uns — und für die anderen! Über die Aussichten jüdischer Kandidaten läßt sich jetzt, da die Frage der Wahlreform nicht endgültig erledigt ist, nichts Voraussagen. Für den Fall, daß das alte Wahlrecht bleibt, sind die Aussichten entschieden günstig. Im Jahre 1920 erhielt die jüdische Kandidatenliste 79 903 Stimmen, davon 45 411 in der Slowakei. Hierbei wählten Ivarpathorußland und Teschen nicht mit. Im Jahre 1924 erhielt in Karpalhorußland die Jüdische Volkspartei 18 032, die Jüdisch-Demokratische Partei 9 909 und die Jüdisch-magyarische Bürgerpartei 2734 Stimmen, das sind zusammen an 30 000 Stimmen, so daß man, zählt man noch Teschen hinzu, mindestens mit 110 000 jüdischen Stimmen rechnen kann. Hungersnot in Beßarabien Berlin. (J.T.A.) Der Verband für Gesundheitsschutz der Juden „OSE“ erhielt ausführliche Mitteilungen über die Hungersnot in den Städten und in den jüdischen Kolonien Beßarabien s. Von der Hungersnot sind Orte mit einer jüdischen Bevölkerung von insgesamt 98 775 Seelen, etwa 20 000 jüdische Familien, betroffen. 6 990 jüdische Familien sind bereits aller Vorräte entblößt und hungern buchstäblich. In dem Städtchen Kalarasch hungern 6000 jüdische Seelen, im Städtchen Walia-Wlad hungern 2000 jüdische Seelen. In den Städten Akerman, Britschewo, Kapresti, Otoki und Alexandreni hungern 50—75 Prozent der jüdischen Bevölkerung. In mehreren anderen Orten ist das Verhältnis annähernd gleich. Die Ernte, die schon im vorigen Jahre recht dürftig ausfiel, ist in diesem Jahre ganz kläglich ausgefallen. Infolge der Hungersnot haben sich epidemische Krankheiten in einer gefährlichen Weise ausgebreitet. Der Verband „Ose“ wurde um dringende medizinische Hilfe ersucht. Mit Unterstützung des Joint Distribution Gomittee ergreift der Verband „OSE“ energische Maßnahmen zwecks Bekämpfung der * Epidemien. In der Kolonie Alexandreni wurde bereits mit Unterstützung des Joint eine medizinische Station eröffnet, um die dort gefährlich wütende Scharlach-Epidemie zu bekämpfen. Medizinische Stationen werden demnächst in vielen anderen Punkten, wo Epidemie-Gefahr besteht, errichtet werden. Vom Judaistischen Institut der Jerusalemer Universität Basler Tagung des Verwaltungsrats Basel. (J.T.A.) Am Mittwoch, dem 2. September, fand in Basel unter Teilnahme von 15 Mitgliedern aus Deutschland, England, Frankreich, Palästina und den Vereinigten Staaten eine Sitzung des Verwaltungsrates des Judaistischen Instituts der Universität Jerusalem statt. Die Arbeiten verliefen in höchst befriedigender Weise und bezeichnen einen bedeutsamen Fortschritt im Aufbau des Instituts. Grundsätzlich wurde über den Charakter des Instituts beschlossen, daß es eine Anzahl von hohen Graden zur Förderung der Forschung sein soll, an der eine Auslese von Gelehrten und Studenten sich gemeinsamer wissenschaftlicher Forschung widmet. Der Einführung der Jünger in die Methoden der Forschung, ihrer Ausbildung zu Gelehrten soll die Hauptarbeit des Instituts dienen, hinter der die an einen größeren Kreis gerichteten Vorlesungen zurücktreten müssen. Den Dozenten soll Gelegenheit zur Verbreitung und Veröffentlichung wertvoller wissenschaftlicher Untersuchungen gewährt, eine Lehrtätigkeit nicht aufgezwungen werden. Die Mitglieder des. Verwaltungsrates sollen nach den besten Kräften Umschau halten und sie für das Institut zu gewinnen suchen. Je eine Kommission wurde beauftragt, den; Plan für eine sprachwissenschaftliche; und eine b i h e 1 w i s s e n s c h a f 11 i c h e Sek-

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