Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 727 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 727 schönen Gegenden in Betracht, die bisher stets und gern von Juden besucht wurden. Also wir meinen, ganz allgemein genommen, die Ostsee, Nordsee, den Harz, das Riesengebirge und insbesondere die kleineren sogen. Luftkurorte, die sich weniger durch gute Luft, als durch die völkische Gesinnung und die Höhe der Preise auszeichnen. Und da muß dann ganz allgemein festgestellt werden, daß neben dem Nepp, der vielerorts in besonders üppiger und traurig-beschämender Weise in Blüte steht, der Mangel an Komfort, Höflichkeit und Qualität der Speisen durch besonders aktives Anpöbeln von jüdischen Kurgästen ausgeglichen wurde. Wahrscheinlich will man damit der Werbung von Ausländern zu Hilfe kommen, die sich ja danach sehnen, in möglichst trauliche, enge Verbindung mit unseren völkischen Horden zu kommen. Ebenso wie die Ausländer fluchtartig Wien verließen, als der Hakenkreuzler-Terror die Straßen in den letzten Wochen beherrschte, werden auch die deutschen Badeorte — und da hilft kein Weinen und Jammern über schlechten Geschäftsgang — im nächsten Jahr noch entvölkerter sein, als dies heuer schon der Fall war. Von überall her erhalten wir Meldungen von B elästigungen jüdischer Kurgäste durch völkische Stoßtrupps, ohne daß die Badeverwaltungen sich in den meisten Fällen auch nur die Mühe genommen haben, eine Entschuldigung zu stammeln oder gar für Abhilfe dieses Mißstandes zu sorgen. Uns sind Fälle bekannt, wo jüdische Familien, angewidert von dem ekelhaften Treiben unserer Stahlbad jünglinge, nach wenigen Tagen den traulich-deutschen Kurort verließen, um im Ausland, fern von Hakenkreuz und Wehrwolf, wirklich friedvolle, schöne Tage bei bester Verpflegung und zuvorkommendster Behandlung zu verleben. „Nie wieder in einem deutschen Badeort, solange dort Hakenkreuz Trumpf i s t“, schreibt uns ein Freund unseres Blattes und man muß ihm leider in allen Punkten Recht geben. Von zahlreichen christlichen Rheinländern hörten wir in holländischen Seebädern, daß sie deshalb nicht in ein deutsches Seebad gingen, weil sie nicht ganz so slavisch-wendisch (denn rein arisch gibt es gar nicht!) aussehen und fürchten, als Juden angesehen und beschimpft zu werden. Soweit ist es schon bei uns gekommen mit dem Terror der Völkischen, die, als wir im Schützengraben lagen, sich in den untersten Klassen noch die Hosen abwetzten und die sich heute als die Retter Deutschlands aufspielen.“ Zum Schluß fordert der Frontbond alle Kameraden auf, ihre diesjährigen Sommerfrischen-Erlebnisse mit genauer Angabe des Kurortes mitzuteilen, damit diese Orte im nächsten Jahr nicht mehr Gelegenheit haben, sich über jüdische Kurgäste zu ärgern. Aus der jüdischen Welt Keine Knüppel mehr in den Berliner Straßen. Berlin (J.T.A.). Unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Polizeipräsidiums, Dr. Friedens- . b u r g, fand am 27. August, nachmittags, im Polizeipräsidium eine Besprechung mit Vertretern der Verbände (vom „Stahlhelm“ bis zum „Roten Frontkämpferbund“), der Gewerkschaften und Parteien über die Regelung von Demonstrationen statt. Der Zweck der Aussprache war, bei künftigen Demonstrationen Zusammenstöße und Störungen von Ruhe und Ordnung nach Möglichkeit zu vermeiden. Dr. Friedensburg stellte zur Diskussion, künftig grundsätzlich auf das Tragen von Knüppeln und anderen Schlagwaffen bei Demonstrationen zu verzichten. Von radikaler Seite wurden Bedenken gegen die Vorschläge des Polizeipräsidiums geltend gemacht, doch konnte Dr. Friedensburg zum Schlüsse feststellen, daß der Wille, eine Wiederholung der bedauerlichen Vorfälle der letzten Wochen zu verhindern, bei allen Beteiligten vorhanden war. Angeregt wurden diese Besprechungen durch die Vorkommnisse der letzten Wochen, da jugendliche Hakenkreuzler an den Abenden jüdische Passanten, oder die sie für solche hielten, schwer belästigten, wobei es zu Tumulten kam. Bekanntlich hat der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eine Abordnung zum Polizeipräsidium entsandt und um Abhilfe gebeten; Polizeipräsident Grzes i n k i und Vizepräsident Dr. F riedensburg hatten in bündiger Form Abhilfe versprochen. Die Rechtsverbände waren es, die den Knüppel als Waffe in den Berliner Straßen einführten; der Apostel des Knüppels war der Stadtrat und frühere Reichstagsabgeordnete Richard Kunze, genannt Kniippel-Kunze, der auch an einer Fabrik für Erzeugung von Knüppeln beteiligt war. Antisemitismus im Kamptale. Wien (J.T.A.). In der Sommerfrische Schönberg im Kamptale hat in den letzten Tagen — wie Wiener Zeitungen mitteilen — eine kleine Judenaustreibung — die Blätter sprechen von einem Pogrom en Miniature — stattgefunden. Die Saison hat deshalb dort ein vorschnelles Ende gefunden, denn auch Nichtjuden hatten es vorgezogen, diesen tumultiösen Ort zu verlassen. Erst zu Ende der Saison, als man die Gäste gründlich ausgenutzt hatte, erinnerten sich einige Bewohner, daß zuviel Juden im Orte seien. Sie veranstalteten in Gasthäusern eine Hetze auf jüdische Gäste, prügelten einige durch, zogen dann vor die Häuser, wo jüdische Gäste wohnten, und warfen unter den Rufen „Juden raus!“, „Tod den Juden!“ die Fenster ein. Zur Zeit ist kein Jude mehr im Orte zu finden. Jß^c^ert-^hnekLo^ei •a