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Das jüdische Echo · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · p. Seite 725

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite 725 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 725 Man rühmt sich in diesen Kreisen auch der Beziehungen zu dem amerikanischen Antisemitenführer und Milliardär Henry Ford, der als der „u nsichtbare Meiste r“, bezeichnet wird. Die amerikanischen Mittler verfügen über große Geldsummen. Außer in Berlin bestehen in Hamburg, Jena, Dortmund, Kassel und in anderen Städten ähnliche Bünde. Laut einer Mitteilung des WolfTsehen Telegraphen-Büros bestanden zwischen dem Geheimbund, der sich „Orden des feurigen Kreuzes“ nennt und den anderen deutschen Geheimbünden intime Beziehungen. Auch die in Mecklenburg und in anderen Ländern vorgekommenen Femen morde werden mit dem Geheimbund in Zusammenhang gebracht. Einem gewissen K 1 a p p r o t h lag die Gründung der Ortsgruppen ob. Außer ihm waren in Berlin noch Oberleutnant a. D. Hildenbrandt und Dr. Hübner tätig. Der einstige Leiter des Küstriner Putsches gegen Berlin, Major Buchrucker, ist ebenfalls „Ritter des feurigen Kreuzes“. Polizeipräsident Dr. F riedensburg empfing am 10. September, nachmittags, die Vertreter der Presse und teilte ihnen nähere Einzelheiten über den ausgehobenen „Orden zum feurigen Kreuz“ mit. Der Präsident des Ordens, ein gewisser Brandt, nannte sich „W o t a n“. Die Zeremonie der Einweihung spielt sich in den Orden folgendermaßen ab: der aufzunehmende „Bruder“, der eine schwarze Maske vor den Augen trägt, tritt vor einen Tisch, der mit schwarzweißrotem und mit Hakenkreuz geschmücktem Fahnentuch bedeckt ist. Auf dem Tische flackern zwei Kerzen in Leuchtern. Des weiteren sieht man ein Kreuz aus blutrot bemaltem Holze. Ein kleineres Kreuz, das auf dem Tische liegt, ist mit einem Totenkopf versehen. Hinter dem Tische stehen etwa 15 Brüder in der typischen Ku-Klux-Klan - Kleidung, lang herabfallendes weißes Gewand und den Kopf vollständig verdeckende weiße Spitzkappe, die nur zwei Löcher für die Augen freiläßt. In Höhe der Brust ist auf den Gewändern ein schwarzes Kreuz eingenäht. In § 1 der Satzungen der Unabhängigen Loge „Orden der Ritter des feurigen Kreuzes“ wird der Zweck des Ordens folgendermaßen definiert: „Der Orden ,Ritter des feurigen Kreuzes4 hat den Zweck, alle deutschen Männer germanischer Herkunft zusammenzuschließen zum gemeinsamen Streben nach deutscher Einigkeit.“ In Ziffer 11 des Statuts wird gesagt, daß die Ordensmitglieder nicht bloß Worte hören, sondern endlich Taten sehen wollen. Ziffer 13 besagt in lapidarer Kürze: „Juden dürfen in unserem Vaterlande nicht geduldet werde n.“ In einer sehr schwülstigen Sprache ist die abzuleistende Eidesformel gehalten, die den folgenden Passus enthält: „Ferner schwöre ich, mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln den Kampf aufzunehmen gegen den Erzfeind und Völkerfeind, den Juden und dessen Judengenossen und die, die ihnen zur Seite stehen, besonders die Franzosen, Polen, Gelben, Schwarzen und sonstigen farbigen Völker .. .“ Die einer Loge der „Ritter des feurigen Kreuzes“ angehörenden Brüder gliedern sich in fünf Grade. Über der Brüderschaft baut sich dann ein „Senat“, auch „W a 1 h a 11“ genannt, auf, der aus 30 „Senatoren“ besteht. Auch der Senat verkörperte noch nicht die Oberste Ordensspitze. Diese war vielmehr der sogen. „A s g a r d“, der als höchste regierende und kontrollierende Ordensmacht zu bezeichnen ist. Dieser „Asgard“ bestand aus drei Personen, und zwar den Amerikanern Strohschein Vater und Sohn und dem Studenten Gray. Der „Asgard44 unternahm Schritte, um den Orden der amerikanischen Ku- Klux-Klan als Unterabteilung anzugliedern. Damit waren mehrere Ordensbrüder nicht einverstanden, man setzte an die Spitze des Ordens einen Präsidenten, der den Namen „W o t a n“ führte. Das war ein gewisser Brandt, der bei den letzten Reichstagswahlen als Kandidat auf der Liste der „Deutschen Volkspartei“ fungierte und später sich Kunzes Deutschsozialen Partei anschloß. Die Angehörigen des Ordens rekrutieren sich, wie der Polizeivizepräsident angab, durchaus nicht aus meist jungen Leuten, zum weitaus größten Teile gehören ihm bejahrte Angehörige des Mittelstandes an. Man findet unter ihnen Arbeiter, kleine Handwerker, Studenten, Industrielle, ja sogar einen Stadtrat. Die Ordensbrüder gehörten zumeist Organisationen wie „Stahlhelm“, „Bismarckbund“, „Frontbann44, usw. an. Bei sämtlichen Beteiligten wurden zahlreiche Waffen, Munition und Totschläger beschlagnahmt. Dem Studenten Gray gelang es, über die Grenze Deutschlands zu kommen, während die beiden Slrohseheins in Schlesien verhaftet werden konnten. Der Mitbegründer des Ordens, Kapitänleutnant T?auThallmaier München TheatinevÜrAÖ.

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