Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 724 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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724 Das Jüdische Echo Nr. 3S dos geübt worden. Kein einziges Mal aber hat es der Reichsanwalt für nötig gefunden, eine Anklage gegen Gruppen zu erheben, deren Alpha und Omega blutrünstiger Judenhaß ist, der sich nicht nur in Reden und Zeitungsartikeln, sondern auch in Taten, Überfällen auf Juden, Zerstörung jüdischer Friedhöfe, Schändung jüdischer Synagogen usw. auswirkt. Anläßlich der Aufdeckung der Verschwörergesellschaft vom feurigen Kreuz wurde von amtlichen Stellen zugegeben, daß. dieser Orden trotz der Lächerlichkeit seiner Riten keineswegs harmlos ist, sondern vielmehr geeignet erscheint, in empfindlicher Weise die Grundlagen der staatlichen Ordnung zu gefährden. Analysiert man die Bestrebungen dieser Narrenloge, so findet man als Hauptinhalt den Kampf gegen das Judentum und gegen die einzelnen Juden. Dieser Kampf wird in Verbindung mit ausländischen Judenhassern geführt, und die Mitglieder des Ordens vom feurigen Kreuz hatten guten Grund anzunehmen, daß der Patron ihrer Unternehmungen einer der reichsten Männer der Welt, Henry Ford, ist. Warum entschließt sich die Reichsregierung nicht dazu, im Interesse der staatlichen Ordnung und im Interesse der Judenheit, die für die Wirtschaft und die Kultur des Staates sicherlich nicht bedeutungslos ist, eine offizielle Erklärung abzugeben und dem gesamten deutschen Volke vor Augen zu führen, wie verbrecherisch, unsinnig, haltlos und ungerecht der Judenhaß ist, der sozusagen das Kernstück in den Programmen verschiedener Parteien darstellt? Warum beauftragen die Unterrichtsminister der einzelnen Landesregierungen nicht die Lehrerschaft, in den Schulen aufklärend zu wirken? Es kann keinen vollsinnigen Politiker geben, der nicht erkennen müßte, daß der das ganze deutsche Volk umfassende Judenhaß eine ernste Gefahr für den Bestand der staatlichen Ordnung bildet. Warum also geschieht nichts von den Zentralstellen aus, um den Kampf gegen Verhetzung und gewalttätigen Judenhaß aufzunehmen? Der Grund, warum das alles unterbleibt, ist uns nur zu gut bekannt: Keine Regierung wagt es, sich der allgemeinen Volkstimmung entgegenzustemmen und sich schützend vor die Juden zu stellen. Die Rede des Staatspräsidenten von Hessen auf der Rheinlandtagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, die wir in unserer heutigen Nummer veröffentlichen, gehört zu den wenigen Ausnahmen. Der Judenhaß ist eben in Deutschland durch fahrlässige Duldung aller verantwortlichen Kreise eine derartige Macht geworden, daß jede Regierung geradezu ihre Existenz gefährden würde, wenn sie es unternähme, den Judenhassern ein Tadelwort zuzurufen. An der Jahreswende erscheint es uns nicht unangebracht, auf diesen Tatbestand hinzuweisen. Wir Juden in Deutschland müssen uns darüber klar sein, daß der Schutz unserer rechtlichen Stellung, unserer bürgerlichen Existenz, unseres Vermögens und unseres Lebens in unsere Hände gelegt ist. Wir selbst müssen darüber wachen, daß wir trotz Völkischen, Nationalsozialisten, Wikingern, Stahlhelmleuten, Rittern vom feurigen Kreuz und wie diese Gesellschaften noch sonst heißen mögen, bestehen 'können. In erster Linie ist es Pflicht der jüdischen Vertretungskörper, der fatalen Entwicklung der politischen Lage der Juden in Deutschland die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden und rastlos auf der Wacht zu stehen gegenüber jedem Übergriff und jeder Ungerechtigkeit seitens der Judenhasser. M. W. Aufdeckung der völkischen Mordzentrale Nach dem Muster des Ku-Klux-Klan. — Henry Ford der „unsichtbare Meister“. — „Orden der Ritter vom feurigen Kreuz.“ — „Asgard“, „Wotan“. Berlin (J.T.A.). Die Öffentlichkeit in Deutschland steht unter dem Eindruck der durch die B e rliner Kriminalpolizei aufgedeckten Verschwörung völkischer Gruppen, deren Ziel darauf hinausging, alle „Fremdstämmigen“ durch Terrorakte zu beseitigen. In Berlin bestanden viele Teile dieser Organisation, in Charlottenburg, Wedding und Moabit. In bewußter Anlehnung an die Satzungen und an die Organisation der Ku-Klux- Klan in Amerika, also nach amerikanischem Vorbild, haben Angehörige der deutschvölkischen Freiheitspartei, des „Frontbannes“, des „Wiking-Bundes“ und der von Kniippel-Kunze begründeten „Deutschsozialen Partei“, endlich Personen ohne parteimäßige Bindung eine Geheimorganisation geschaffen, die den nordisch-germanischen Heroenkultus pflegen und alles Fremde mit den äußersten Mitteln bekämpfen sollte. Im besonderen betätigen diese Geheimbündler einen agressiven Antisemitismus, Die bisherigen Untersuchungen der Polizei erstreckten sich auf etwa 50 Personen, die ganze Vereinigung soll aber nach Eingeständnissen der vernommenen Mitglieder etwa 1000 Personen umfassen. Am Mittwoch, dem 9. und Donnerstag, dem 10. September wurde eine Anzahl Haussuchungen, Vernehmungen und Verhaftungen vorgenommen. Soweit bis jetzt festgestellt, stehen an der Spitze drei Amerikaner, und zwar der aus Chicago stammende Pfarrer Strohschein mit seinem Sohne und der Student Gray. Die drei waren bei der Aufdeckung des Komplotts nach Schlesien geflüchtet, wurden aber dort, wie telegraphisch gemeldet wird, verhaftet. Zur Zeit befinden sich etwa 20 Personen in Haft. Die Haussuchungen haben viel Material zutage gefördert: Die Statuten der Organisation, die vorgeschriebene Eidesformel, die Mitgliederlisten, sogar Photographien der förmlichen Einführung neuer Mitglieder und der Eidesszene. Die Vereinigung hatte sich zu einer Art völkischen Loge entwikkelt. Die Eidesleistung mit ihren Formalitäten nimmt allein eine halbe Stunde in Anspruch. Die Mitglieder müssen sich bei der Eidesleistung verpflichten, als Strafe für einen etwaigen Verrat den Tod auf sich zu nehmen. Eine Dreiteilung der Mitglieder in „Dienende“, „Lernende“ und „Wissende“ soll die Geheimnisse des Bundes sichern. Die Aufnahme erfolgt unter grotesk-romantischen Zeremonien, bei denen auch die „Blutprobe“ eine Rolle spielt. S. LEVINGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 am Hauptbahnhof Pfisterstraße 6 am Platzt Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabake rzeugnissg