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Das jüdische Echo · 1925-09-11 · 37 (11.9.1925) · p. Seite 713

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
37 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
Seite 713 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 713 uns hellen durch Jahresbeiträge, durch Aussetzen von Preisen für wissenschaftliche Arbeiten und durch Spenden von Büchern für die juristische Bibliothek der Gesellschaft. Reicht uns die Hand, damit wir mit vereinten Kräften den Bau des jüdischen Rechts auf jüdischem Boden errichten! Adresse: Gesellschaft für jüdisches Recht, Zentralkomitee Jerusalem. Für Briefe: Jerusalem, P.O.B. 532, für Geldsendungen: Jerusalem, Anglo Palestine Company Ltd. Rechnung: „Hamischpat Haiwri“. Literarisches Echo Josef Popper-Lynkeus: Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben. — Fürst Bismarck und der Antisemitismus. R. Löwit, Verlas. Wien, 1924 bezw. 1925. Brosch. M. 3.—. bezw. 3.50; geb. M. 4.—, bezw. 4.50. — Josef Popper-Lynkeus, der neben seinem Wirken als Techniker und Mann der praktischen Wirtschaft, gleich Rathenau, als Denker manche neue Wege wies und besonders in der Kriegszeit viel von dem verwirklicht sehen mußte, was seine weitschauende Voraussicht schon in den 70er Jahren ahnte, verdient es ohne Zweifel, daß eine große Zahl seiner Gedanken auch der heutigen Welt wieder vorgeführt werden. Dennoch wäre wohl eine verständnisvolle Auswahl für die Verbreitung der Ideen Poppers förderlicher gewesen, als die uns nun vorliegende Neuauflage zweier alter Schriften. Zur geistesgeschichtlichen Einordnung des österreichischen Popularphilosophen hätte eine Darstellung seiner Bedeutung verbunden rrJit einer Auslese seiner Leitgedanken gewiß bessere Dienste geleistet. Immerhin ist beiden Broschüren kulturgeschichtlicher Wert nicht abzusprechen. — Die erstmalig zum hundertsten Todestage Voltaires am 30. Mai 1878 erschienene Schrift: ..Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben“ liegt in vierter, von Margit Ornstein im Aufträge des Verfassers besorgte Auflage vor und gibt mit nur geringfügigen Änderungen die Urfassung wieder. Obzwar dem Autor noch im Jahre 1902 und vermutlich noch zum Schlüsse seines Lebens ein ..Anlaß zu rechtlichen Änderungen nicht vorzuliegen schien, er vielmehr im Gegenteil durch die Beobachtungen und Erfahrungen seines Lebens immer mehr die Richtigkeit seiner Ansichten und die Tauglichkeit seiner Vorschläge bewiesen sah“, erscheint dem heutigen Beurteiler doch ein großer Teil dieser Anregungen nicht zur Verwirklichung geeignet. Das gilt besonders von dem pseudo-sozialen ..allgemeinen Nährzwang“, der mit den Lebensverhältnissen des kapitalistischen Staates, dem Popper keineswegs auf den Leib rücken will, niemals vereinbar sein wird. Auch die Untersuchung über die Verhütung von Verbrechen und Behandlung von sozialen Schädlingen wäre, da inzwischen die Gedankengänge mehr Allgemeingut geworden sind und durch Liszt auch in die Rechtstheorie übergeleitet wurden, besser überarbeitet worden. Im Ganzen wäre die weitschweifige Deduktion besser einer festeren Formulierung gewichen. Auch hätten ohne Schaden für das Verständnis die Ausführungen über Voltaire, die vielfach einem platten Rationalismus Raum geben, gekürzt werden können. Gerade sie fordern öfters scharfen Widerspruch heraus, weil sie ohne Begründung Begriffe enthalten, die in einem merkwürdigen Gegensatz zu dem heftigen Eifer für Toleranz (seitens des befehdeten Glaubens) stehen. In ähnlicher Weise rein polemisch gehalten und durch den zeitlich beschränkteren Anlaß noch weniger für einfache Neuauflage geeignet ist die irrt Jahre 1886 ursprünglich anonym erschienene Schrift: „Fürst Bismarck und der Antisemitismus“. Auch hier finden wir große Teile, die festgehalten zu werden verdienen, die Verurteilung des Antisemitismus, die Betrachtung des Judenproblems als internationale Erscheinung, Gedanken z. B. über den Judenstaat, der allerdings mehr spielerisch behandelt wird. Andererseits sind umfangreiche Partien, die sich mit damaligen „Tagesgrößen“ der Judenfeindschaft beschäftigen, Stöcker, Zöllner und Dühring im besonderen heute längst interesselos geworden und erscheinen damit nur als Ballast. Die Titelgebung erscheint den Heutigen, die naturgemäß eine andere Stellung zu der damals überragenden Gestalt des Fürsten Bismarck einnehmen können, willkürlich, da von ihm und seinem Antisemitismus nur vereinzelt die Rede ist. Trotz dieser Aussetzungen, die einer weiteren Verbreitung der Werke Poppers abträglich sein müssen, soll dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß das Wirken eines Denkers nicht spurlos vergehe. Dem Verlage gebührt das Verdienst, nicht nur die Gelegenheit zur Beschäftigung mit Poppers Anschauungen geschaffen, sondern den Schriften durch eine ansprechende Ausstattung ein erfreuliches Kleid mitgegeben zu haben. München. Theo Harburger. In den nächsten Tagen erscheinen im Jüdischen Verlag, Berlin, die Tagebücher und Briefe Joseph Trumpeldors. Der Band auf holzfreiem Papier in einem Umfang von 415 Seiten gedruckt, kostet in Pappe Mk. 6.50, in Ganzleinen Mk. 7.50. Neue hebräische Zeitschriften in Palästina. Das Kulturkomitee der Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas hat mit der Herausgabe einer der kulturellen Arbeit der Arbeiterschaft gewidmeten Zeitschrift unter dem Titel ..Kama h“ begonnen. In Tel Awiw erschien ferner vor kurzem die erste Nummer einer Theater- und Kunstzeitschrift unter dem Namen ..T h e a t r o n w’O manut h“. (Ziko.)

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