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Das jüdische Echo · 1925-09-11 · 37 (11.9.1925) · p. Seite 711

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
37 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
Seite 711 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 711 510000 Mk. für die preufiischjüdischen Gemeinden Ein wichtiger Beschluß des Hauotausschusses des Preußischen Landtags. — Eine kulturpolitische Rede des Kultusministers Dr. Becker: interessante Ausführungen des Abg. Dr. Badt. Berlin (J.T.A.). Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat aus Anlaß der diesjährigen Etatberatungen an den Hauptausschuß des Preußischen Landtages den folgenden Antrag gerichtet: Der Landtag wolle beschließen, im Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung für das Rechnungsjahr 1925 hinter Kapitel 123 der dauernden Ausgaben folgendes neue Kapitel einzufügen: 123a Synagogengemeinden. Für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsunfähiger Synagogengemeinden unter Auschluß einer rechtlichen Verpflichtung des Staates Mk. 510 000. Zu Kapitel 123a: Die Auszahlung des Betrages erfolgt an den Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden und an den Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden nach Maßgabe der Seelenzahl der den beiden Verbänden angeschlossenen Gemeinden. Der Antrag d'es Preußischen Landesverbandes wurde von den folgenden Parteien unterschrieben: Demokratische Partei, Zentrum, Sozialdemokratische Partei und Deutsche Volkspartei; im Namen der Volkspartei unterschrieb der frühere Kultusminister Dr. B o e 1 i t z. Die Angelegenheit kam in den Sitzungen des Hauptausschusses vom 31. August und 1. September zur Behandlung. Der Preußische Kultusminister Prof. Dr. Bekk e r hielt bei dieser Gelegenheit eine großangelegte kulturpolitische Rede, in der er mit großer Wärme dafür eintrat, daß sowohl die Gefühle für die vergangenen Zeiten, als auch die Achtung und die Liebe für die heutige Verfassung respektiert werden müssen. Gegen die Bewilligung von Staatsbeihilfen an die Synagogengemeinden hat er — so führte er weiter aus — vom Standpunkt seines Ministeriums, wenngleich eine rechtliche Verpflichtung nicht besteht, aus Gründen der Billigkeit und Parität nichts einzuwenden. Die Vertreter der Deutschnationalen und der kommunistischen Partei wandten sich in scharfer Weise gegen die Annahme dieses Antrags. Ihnen trat der Abg. Dr. Hermann Badt (Sozialdemokratische Partei) entgegen, der betonte, obgleich seine politischen Freunde grundsätzlich gegen alle finanziellen Leistungen des Staates an die Religionsgesellschaften sind, so werden sie jedoch aus Gründen der Gerechtigkeit solange für diese Position stimmen, als gegen ihren Willen mehr als 100 Millionen für die geistliche Versorgung und den Religionsunterricht der anderen Kirchen bewilligt werden. Der Redner schilderte die große Notlage der jüdischen Gemeinden, die dadurch entstanden war, daß der im Jahre 1923 bewilligte Betrag infolge der Inflation nicht zur Auszahlung gelangt sei und daß im Jahre 1924 ein bei der dritten Lesung gestellter Antrag auf Bewilligung von 500 000 Mk. beim Ordentlichen Etat lediglich infolge der vorzeitigen Auflösung des Landtags nicht zur Verabschiedung gelangt sei. Die Vorlage des Preußischen Landesverbandes wurde hernach gegen die Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten angenommen. Eine „Überraschung“ Zwei Jüdinnen von der Berliner Universität preisgekrönt. — Bestürzung unter den Völkischen. Berlin (J.T.A.). Das Sommersemester der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin schloß auch diesmal mit der traditionellen Stiftungsfeier, wobei es zu der Verteilung der Preise für die besten wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten kam. Die Feier wurde in herkömmlicher Form durch Einmarsch der Chargierten der Corps und farbentragenden Verbindungen mit Bannern und Gesang, sowie durch Einzug des Professorenkollegiums unter feierlicher Musikbegleitung eröffnet. Der abtretende Rektor, Geh. Konsistorialrat Prof. Holl, hielt eine Eröffnungsrede über die „geniale Persönlichkeit und ihre Ausnahmestellung den geltenden Sittengesetzen gegenüber“. Hierauf wurden jene wissenschaftlichen Arbeiten genannt, denen die diesjährigen Preise zuerkannt wurden. Es waren im ganzen drei Arbeiten prämiiert worden. Bei der Öffnung der Briefumschläge, die die Namen der Preisträger enthielten, ergab sich das überraschende Resultat, daß sämtliche Preisträger Studentinnen waren, unter ihnen zwei Jüdinn e n. Die Berlinerin Else Philippine L e v y und die in New York geborene Eleonore von Bälden erhielten je den vollen Staatspreis zugesprochen für die Lösung der Aufgabe der medizinischen Fakultät: „Welche diagnostische Bedeutung hat das Blutbild für die otogenen Krankheiten?“ Den Preis der philosophischen Fakultät erhielt Frl. Natalie Thon aus Palästina mit einer chemischen Arbeit; sie gab die geforderte Zusammenstellung der zahlreich vorhandenen Untersuchungen über die Umsetzung von Chlor und Wasserstoff nach einheitlichem Gesichtspunkte. Die Berliner Presse verzeichnet, daß das Ergebnis der Preisverteilung unter der völkischen Professorenschaft und Studentenschaft Bestürzung hervorgerufen hat. Der „Vorwärts“ schildert den Eindruck folgendermaßen: „Dem Herrn Rektor verschlug die Stimme, und die Burschenschaftler und Korpsiers, die den Fechtboden vorgezogen hatten, hämmerten ziemlich bedrückt mit ihren Schlägern den Takt zum Deutschlandlied.“ Jüdische Nationalfonds- Kommission München Montag 14. September 1925 abends 8 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog Maxstraße 7 Jugend - Versammlung Thema: „Palästina-Aufbau und jüdische Jugend“ Referent: Dr. Kanowitz-Berlin statt Loebl-Palästina

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