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Das jüdische Echo · 1925-09-04 · 36 (4.9.1925) · p. Seite 698

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
36 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
Seite 698 (sequence 10)
Language
German
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698 Das Jüdische Echo Nr. 36 und 25 Stimmen gegen den Antrag des Permanenzausschusses. Gegen den Antrag stimmten die Linke (Poale Zion und Zeire Zion),' sowie einige Misrachisten. Von Hitachduth stimmten einige für, während die anderen sieh der Stimme enthielten. Auch die radikalen Zionisten enthielten sich der Stimme. V a n V r i e s 1 a n d erklärte: Weizmann und Sokolow beauftragten mich, dem Kongreß milzuteilen, daß sie die Beschlüsse über die Höhe des Budgets und der Budgetteile nur mit Vorbehalt aufnehmen und nur im Rahmen des Möglichen werden ausführen können. Sie werden aber alles Mögliche anwenden, um das angenommene Budget wirklich aufzubringen. Der Budgetvorschlag in der Höhe von 600 000 Pfund wird sodann vom Kongreß angeno m - m e n. Ebenso eine Reihe weiterer politischer Resolutionen. Bei hellem Tageslicht spricht, nach den üblichen Dankesworten von verschiedenen Gruppen, Präsident M o I z k i n die Schlußworte. Er stellt fest, daß das Interesse für diesen Kongreß ungeheuer groß war und hofft, daß von jetzt ab die zionistische Bewegung weiter wachsen und erstarken wird. Der Dichter Leib J a f f e ersucht den Kongreß, eine Million Pfund als Ziel für die kommende Keren - Ha jessod - Kam - p agile festzusetzen. Unter großem Beifall wird dieser Antrag angenommen. Hierauf übernimmt Präsident Sokolow den Vorsitz und hält die Schlußrede. Er beginnt von Theodor Herzl’s Lebens- und Leidensweg zu sprechen. Der Kongreß erhebt sich in einer Stimmung der Trauer. Sokolow beantragt, die Gebeine Theodor Herz Fs aus dem Grab am Döblinger Friedhof zu Wien nach Palästina zu ü b e r f ii h r e n und dort zu bestatten. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Sokolow gibt sodann einen Rückblick über die Verhandlungen und Leistungen des Kongresses und dankt den Pressevertretern aus der ganzen Welt für ihr großes Interesse, das sie den Verhandlungen gewidmet haben. Trotz schwieriger und sorgen voller Augenblicke hat der Kongreß viel nützliche Arbeit geleistet und große Resultate erzielt. Sokolow erklärt den 14. Zionistenkongreß am Montag, 6 Uhr morgens, für geschlossen. Das Haus bricht in langanhaltenden Beifall aus; Delegierte und Galeriebesucher stimmen die Halikwah an. Literarisches Echo Neue Prosa jüdischer Dichter. I. Wir sind in den ersten sechs Monaten des Jahres überreich an neuen Prosabüchern beschenkt worden. Ihre Zahl ist derart hoch, daß die Sichtung und Einordnung des Materials Monate in Anspruch nehmen würde. Darum sei an dieser Stelle von denen die Rede, deren Wege uns naturgemäß am nächsten liegen; von jüdischen Dichtern. Arnold Zweig hat nach langer Pause einen Band kleiner Geschichten erscheinen lassen, die er „Frühe Fährte n“ betitelt. (Bei I. M. Spaeth Verlag, Berlin.) Mit; dieser Überschrift versetzt er uns schon a priori in jene Atmosphäre, die er so sehr zu lieben scheint: Die Zeit der ersten Entscheidung. (Siehe seine beiden Geschichtenbücher.) Es sind unter diesen Erzählungen einige, denen man es wohl anmerkt, daß ein junges Herz sie ersann. Sie haben noch nichts von lener wohlerwogenen Formstrenge, unter welcher schon so mancher Stoff erfror. Sie sind edel, kommen unmittelbar aus einer kämpfenden Seele, sie sprudeln. Einige Ungelenkigkeiten müssen verziehen werden, einige Formbildungen, die nicht restlos von Überzeugungskraft gerechtfertigt sind. Dies gilt von der Skizze „Unterwerfung”*, den Gedanken eines schöngeistigen, jungen Menschen, den ein harter Vater in das Joch des bürgerlichen Berufes gezwängt hat. Die Aufzeichnung „Ein Bileam“ leidet vielleicht noch an dem gleichen Fehler, wenn auch die überaus feine Schneide an Psychologie überrascht. Die Linie führt von hier aus aufwärts zu der Novelle „Kleiner Held“ und zu der noch tieferen „Keimendes Sterben’*, welche erschüttert' in ihrer tönenden: Traurigkeit. Wie herrlich und rein, von welcher Sprachschönheit und welcher Gesinnung aber ist die Novelle „Vorfrühling“! Zweig schildert die Wanderung zweier junger Menschen, die der Zufall einander zuwarf, zwischen Schnee und Bergen. Das ist eine Wanderung, die von der Tiefe zu strahlender Höhe führt. Sie: ein blutvoller, an das Wirkliche verhafteter Mensch. Er: ein Stubenhocker, welk, in ein Gewirr steriler Theoreme hoffnungslos verstrickt. Das Mädchen öffnet diesem Studenten Karl Magnus den Blick, sie haucht einen Strom Lebendigkeit in seine Versunkenheit, und er blüht auf zum Leben. Es ist wie ein Gelächter zwischen den Schlußzeilen: Er „streckte ihr die Hand hin: Guten Morgen“. Er ist ein Mensch gesunden Blutes geworden, ein lebendiger Junge, Ein einziger Jubel ist dieser „Vorfrühling“. Was Zweig hier schreibt, ist ganz Großes. Anders ist seine „Elegie über Blumensträuße“, eigentlich ein Gedicht in Prosa, innig, eine Idylle, wie sie mit größerer Zärtlichkeit kaum g&malt werden könnte. Der Dichter ruht ganz in sich, er spürt, wie die Erde, ihr Duft um ihn kreist. Welche Worte findet er für die Farbenpracht der Blumen, welch eine Ausdruckskraft liegt; in dieser Beschaulichkeit! Nach den „Novellen um Claudia“ schenkte uns Arnold Zweig mit seinen „Frühen Fährten“ sein schönstes Buch. „J u d S ü ß“ nennt Lion' Teuchtwanger seinen umfangreichen Roman, der im Drei-Masken- Verlag in München erschienen ist. Wir kennen das Thema: Glück und Ende eines jüdischen, Finanzgenies, Es hätte mannigfache Möglichkeiten gegeben, ^aus diesem Stoffe eine Dichtung zu machen; diejenige, die Feuchtwanger wählt, erscheint mir S. LEVIN GER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzt Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse

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