Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- Seite 697 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 697 Viele unter uns sehnen sieh nach dem jüdischen Staat. Ich verstehe diese Sehnsucht und weiß sie ahzuschätzen. Wenn wir das in gewöhnliche Sprache übersetzen, so bedeutet die jüdische Freiheit nicht eine eigene Armee oder eine andere Äußerlichkeit. Wir haben schon einen großen Teil des Staates. Wir haben eine Erziehung, und wir haben vor allem unsere Sprache wieder erobert. Es wäre mein Ideal, wenn wir umsonst allen Kindern Unterricht erteilen könnten, wenn wir überall in jedem kleinsten Dorf Schulen errichten könnten. Und wenn wir ein großes Netz von Schulen mit den besten Lehrkräften, mit den fortschrittlichsten Lehrmethoden schon hätten, dann dürfte hier keiner sagen, wir haben noch keinen Staat. Ein Teil des Staates ist schon unser, der. jüdische Teil, alle anderen Teile entspringen unjüdischem G-eisl. Auf dem Gebiete der Erziehung sollte es keine Part ei kämpfe gehen. Wahrlich, unsere Lehrer sind Chaluzim, und ihre Schüler helfen den Lehrern bei ihrer schöpferischen Arbeit. Es wird ein Band um Land, Kinder und Eltern geschlungen, das die Herzen einander nähert, das eine heilige Atmosphäre schafft und diese Epoche scheint mir viel wichtiger als jene, die mit Kämpfen über Einzelheiten, die nicht hierher gehören, ausgefüllt wird. Mir tut es leid, daß gerade diese Sache Monopol der Melamdim geworden ist. Man versteht nicht, daß gerade auf diesem Gebiet die Bedeutung Palästinas liegt. Tausende Deklarationen hätten keinen Werl, wenn wir kein blühendes Schulwerk in Palästina hätten. Wir gehen nicht dorthin, um unsere wirtschaftliche Lage zu verbessern, das kann man in anderen Ländern viel besser, sondern um zu schaffen, und das hängt zu innerst mit der Frage der Erziehung und des Schulwesens zusammen. Wenn hier darüber gesprochen wird, soll man wissen, daß es die zentrale Frage des A u f b a u s ist. Dieser Kongreß ist ein Kongreß der Alijah. Mit den Massen sind nicht nur Ledige gekommen, sondern auch Familien mit Kindern. Wir befürchten, daß wir den Strom nicht in das System der früheren Alijoth einordnen können, der ersten Olim, die Lehrer und Schriftsteller waren, Idealisten ersten Ranges. Wenn aber die Sprache im Munde der meisten Olim und ihrer Kinder leben wird, so werden wir keine Angst mehr zu haben brauchen. Die Arbeiterschaft hat bisher den teueren Schatz der Sprache gewissenhaft gehütet und fürchtet nun eine Schwächung ihrer Position durch die Masseneinwanderung, weil sie nicht vorbereitet war, ihr zu begegnen. Zum Schluß fordere ich Sie auf, bei der Abstimmung über das Schulbudget nicht sparsam zu sein, sondern der Pflicht der Zionistischen Organisation gegenüber der Renaissancebewegung zu gedenken. Das Licht der Wissenschaft möge ungetrübt und ungehindert in die hebräischen Schulen eindringen! Auf diese Art und* nur auf diese Art wollen wir das Heim des jüdischen Volkes hauen (langanhaltender, tosender Beifall). TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Genera’depot: EDUARD KUHLES # MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542 Vorschlag Dr. Alfred Klees zum Erziehungsbudget Heranziehung der jüdischen Gemeinden der Diaspora In der Debatte über die Erziehungsfrage und das Schulbudget begründet Dr. Alfred Klee (Deutschland) den folgenden Vorschlag: Die Formen der bisherigen finanziellen Fundierung des Schulwerkes sollen geändert werden. Es könne keine formale, proportionelle Verbindung mit den übrigen Budgetposten für das Schulwerk gelten, sondern die Berechnung müsse derart gemacht werden, daß die Zahl der für das Schulwerk in Betracht kommenden Kinder festgestellt, und mit der Summe multipliziert wird, welche die Erziehung eines Kindes nach fachmännischer Berechnung erfordert. Für die so ermittelte Summe solle ein Z u s a t z b u d - g e l aufgestellt werden, dessen Gelder durch Zuschüsse aus anderen Kreisen uud anderen Fonds aufzubringen wären. Für das hebräische Schulwesen in Palästina sind durch H e r a n z i e h u n g a u c h n i c h I z i o n i s t i s c h e r Iv r eise Mittel zu erhallen. Der Redner schlägt vor, zu dieser Arbeit die Diaspora organisch heranzuziehen. Es gibt sicher keine jüdische Gemeinde in der Diaspora, welche nicht Beiträge für das Erziehungswerk in Erez Israel zur Verfügung stellen würde. Durch diese Beiträge der jüdischen G em e i n d e n soll das Erziehungswerk in Palästina sichergestellt werden. Zur praktischen Durchführung seines Vorschlages empfiehlt Dr. Klee die Bildung eines Arbeitskomitees. Die letzte Kongreflsitzung Weizmann und Sokolow erhalten Vollmacht zur Bildung der neuen Exekutive. — Annahme eines Jahres-Budgets von 600 000 Pfund. Am Sonntag 3 Uhr nachmittags begann die letzte Sitzung des Kongresses, die bis Montag, 6 Uhr früh, getagt hat. Es werden zahlreiche Resolutionen, die alle Gebiete der politischen und wirtschaftlichen Tätigkeit des Zionismus umfassen, angenommen. Um 8 Uhr abends verabschiedet sich Weizmann vom Kongreß, da er dringender Geschäfte wegen abreisen muß. Der Kongreß bereitet ihm große Ovationen. Um halb fünf Uhr morgens, nach dreizehneinhalbstündiger Sitzung unterbreitet Prof. Dr. G h a - j e s im Namen des Permanenzausschusses döm Kongreß den folgenden Vorschlag: Mit der Vertrauenskundgebung vom 29. August hat der Kongreß Weizmann und Sokolow eingeladen, die Bildung der Exekutive zu übernehmen und die Liste der Mitglieder der neuen Exekutive dem Kongreß vorzulegen. Beide waren damit einverstanden gewesen. Der Permanenzausschuß schlägt nun vor, Weizmann und Sokolow die Bildung der Exekutive zu überlassen, die binnen drei M o - n a t e n die Liste der Exekutivmitglieder dem Aktionsausschuß zur Bestätigung vorzulegen haben werden. Inzwischen fordert der Kongreß die jetzige Exekutive auf, bis zur Bestätigung der neuen Exekutive durch das Aktionskomitee die Geschäfte weiterzuführen. Präsident M o t z k i n leitet nun die Abstimmung ein. L i c h t h e i m stellt fest, daß der Vorschlag des Permanenzausschusses statutenwidrig ist. Es ist daher eine Wiederholung der Abstimmung notwendig geworden. Diese ergab 143 Stimmen für