Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- Seite 693 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9155986--07084-9079804- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 36 Das Jüdische Echo 693 Ich wollte und will nicht polemisieren. Ich muß aber noch auf die Rede von Stricker eingehen. Der Beschluß des A. C. bezüglich der Frage der J e - w i s h A g e n c y wurde ohne jeden Zwang und nur auf Grund einer freien Diskussion gefällt. Die H e - bräische Universität ist eine große Sache, in moralisch nationaler Beziehung sowie in politischer Beziehung. Über dieses große Ereignis ist noch viel zu wenig gesagt worden. Aber für die Frage der Lehr- und Lernfreiheit ist in dieser Eneyklopaedie der Generaldebatte nicht der Ort. Und es ist, um mich milde auszudrücken, ungeschickt, dies als Argument gegen die Jewish Agency zu gebrauchen. Die Universität ist eine Sache, die wir wie so vieles andere mit anderen zusammenmachen. Gewiß ist es am leichtesten, alles allein zu machen. Aber seien wir doch ehrlich! Wir haben nicht die Mittel, die Universität mit eigenen Kräften aufbauen zu können. Wir müssen an das ganze jüdische Volk * appellieren (großer Beifall). Daraus ergeben sich gewisse Folgen. Wenn aber Stricker die Befürchtung hegt, daß damit eine Verwässerung des Zionismus herbeigeführt wird, so kann ich nur entgegnen, nicht wir brauchen uns zu fürchten, daß der Zionismus verwässert wird, die anderen sollen fürchten, daß die Assimilation verwässert wir d. Wenn Sie Menschen gewählt haben und Vertrauen zu ihnen haben, so sollen Sie nicht das Wahngebilde der Verwässerung des Zionismus an die Wand malen und schwache Gemüter damit schrecken. Ich suche jetzt assimilatorische Juden, aber ich kann sie schwer finden. Wir werden sie aber finden, und dann sollen die anderen Ang^st haben und nicht wir. Die anderen können und sollen hereinreden, aber ihre Einwendungen werden hinfällig gemacht, nicht durch unsere Argumente, denn wir haben mehr als das, wir haben Erez Israel, wir haben das Leben. Das Volk steht hinter uns. Ich habe keine Angst vor der Agency, aber Angst vor der Zionistischen Organisation. Ich will das Paradoxon erklären: die großen feierlichen Momente werden die anderen immer zu uns führen. So war es auch stets bisher. Aber vor dem Alltag habe ich Angst, wto man sich gelangweilt anglotzt. Vor dieser Langewreile vor uns selbst, wenn es keine Sensationen gibt. Wenn um uns Leute herumgehen, die sagen, es war ein langweiliger Kongreß, wenn nicht die Anzahl von Schekalim zusammenkommt, die der Zahl unserer Anhänger entspricht, hier liegt die Gefahr und nicht in der Mitarbeit der anderen, die wir mit Freuden und mit offenen Armen als Juden, als Brüder aufnehmen. Es soll ein Ansporn für die Zionistische Ortsgruppe sein, mehr Energie zu entwickeln. Aufgabe des Kongresses ist es, nicht Phrasen und Polemik zu entwickeln, sondern Aufschwung, Erweiterung des Rahmens und Bereicherung des Budgets. Der Kongreß soll ein Kongreß der Alijah werden, nicht nur im Sinne der Einwanderung, sondern auch der Alijah im Sinne des Aufschwungs der zionistischen Idee. (Der Kongreß erhebt sich und bringt SokolowT minutenlange stürmische Ovationen dar.) Te^tilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.-G. München / Frankfurt^. / Leipzig Zentrale München, hesstrasse 74/76 ßauptgeschäftDachauerstr.9. Illustr. Katalog gratis u. franko Dr. Ruppin über die Araberfrage Palästina ein Zweinationenstaat. Nach Sokolowr ergriff Dr. Ruppin das Wort und führte aus: Dr. Weizmann hat den Kongreß daran erinnert, daß in Palästina 600 000 bis 700 000 Araber leben. Die Araber w erden in Palästina immer einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung ausmachen. Wir sind daher auf ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis zu ihnen angewiesen. Palästina wrird ein Zweinalionalitätenstaat sein. Diese Tatsache ist für manche nicht angenehm, aber es ist eine Tatsache. Wir können nicht ständig mit dem Kampf visier dastehen. Aber es ist eine Möglichkeit gegeben, ein Gemeinwesen zu schaffen, in dem beide Völker in voller Gleichberechtigung zum Wohle des Landes arbeiten. Die Araber sind ein geistig hochstehendes Volk. Sie sind ein uns nach Sprache und Rasse verwandtes Volk. Und w ir brauchen auf diese Verwandten in keiner Weise herabzusehen. Unser Zusammenleben mit den Arabern wird das Zusammenleben zweier hochstehender Völker sein. Es ist leicht möglich, daß uns eines Tages die Mandatarmacht fragen wird: Wie denkst Du Dir das Zusammenleben auf diesem oder jenem Gebiete? Es ist daher ein klares Pr o g r a m m notwendig. Ich verlange vom Kongreß, daß er eine ständige Kommission zum Studium dieser Frage einsetze, damit auf dem nächsten Kongreß eine klare Plattform gegeben sei. — Zum Schluß tritt Ruppin für die endliche Schaffung des K o 1 o n i - s a t i o n s f o n d s ein, der ein System in die Arbeit bringen soll. Die Vertrauensresolution Weizmann bleibt Präsident der Organisation. Am Mittwoch, den 26. August, erklärte Weizmann im Permanenzausschuß, er lehne es ab, über eine neue Übernahme der Leitung überhaupt zu diskutieren, bevor nicht der Kongreß seiner politischen Führung und Tätigkeit die volle Anerkennung ausgesprochen hat. Weizmann ließ durchblicken, daß er sich mit einer kleinen Majorität für ein solches Vertrauensvotum nicht begnügen könne, sondern von dem Vertrauen der ii berwiegenden "M e h r h e i t aller Kongreßdelegierten getragen* sein müßte, wenn seine w eitere politische Führung Erfolg bringen sollte. Infolgedessen hatte der Permanenzausschuß die erste Formel, die kurz lautete, der Kongreß nimmt den Bericht der Executive mit Dank zur Kenntnis, zurückgezogen und die folgende Resolution dem Kongreß vorgelegt: „Der Kongreß drückt der Executive für die Führung der politischen Geschäfte die Anerkennung aus und verzeichnet mit Genugtuung die großen Fortschritte, welche die Bewegung durch die Eröffnung der hebräischen Universität erfahren haU\ Zu Beginn der Sitzung am Mittwoch Abend verlas der Vorsitzende des Permanenzausschusses, Ab. G o 1 d b e r g , die Resolution, die in alle Sprachen des Kongresses übertragen wurde. Sodann gab Dr. Bart h im Namen des M i s r a c h i eine Erklärung ab, daß seine Fraktion wegen fortwährender Verletzung der Bestimmungen des Kongresses über die Einhaltung der religiösen Gebräuche bei den zionistischen Behörden und Ämtern sich der Abstimmung enthalte. Delegierter Katzne-ls o n gah im Namen der Hitachduth ebenfalls bekannt, daß seine Fraktion sich der Abstimmung enthalten wird. Eine gleiche Erklärung gab Berl A&6